16.12.12

Bonner Bombe

Bahn und Polizei streiten über fehlende Videobilder

Deutsche Bahn und Polizei streiten, wer das Fehlen von Videobildern von dem versuchten Anschlag am Bonner Bahnhof zu verantworten hat. CDU-Politiker Bosbach ärgert sich über die Schuldzuschreibungen.

Von Martin Lutz
Foto: dpa

Überwachungskamera am Bonner Hauptbahnhof: Die Bahn beobachtet zwar Teile des fraglichen Bahnsteigs, speichert jedoch keine Bilder
Überwachungskamera am Bonner Hauptbahnhof: Die Bahn beobachtet zwar Teile des fraglichen Bahnsteigs, speichert jedoch keine Bilder

Nach dem Anschlagsversuch auf dem Hauptbahnhof Bonn bemängelt der Innenausschuss-Vorsitzende im Bundestag Wolfgang Bosbach (CDU) die Videoüberwachung der Bahn AG.

"Es ist schwer verständlich, warum auf dem Bonner Hauptbahnhof nur ein oder zwei Kameras im Einsatz waren, die weder Bilder aufzeichneten noch den Ablageort der Tasche mit der Bombe im Blickfeld hatten", sagte Bosbach der "Welt".

Videoüberwachung an Gefahrenschwerpunkten sei ein "wichtiges Hilfsmittel zur Abwehr und Aufklärung von Straftaten", auch wenn sie keine hundertprozentige Sicherheit garantieren und die Präsenz von Sicherheitskräften nicht ersetzen könne.

"Wie gut, dass es McDonald`s gibt!"

"Angesichts der fehlenden Bilder vom Bahnhofsgelände selber wird sich mancher Polizist gedacht haben: ,Wie gut, dass es McDonald`s gibt!` So wichtig die Videoaufzeichnungen im Umfeld sind, sie können Bilder vom Tatort am Gleis 1 nicht ersetzen", sagte Bosbach.

Die Polizei hatte sich nach dem Bombenfund auf dem Bahnsteig bei der Restaurantkette Mc Donald`s Videoaufnahmen besorgt.

"Art und Umfang der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sind zwischen der Bahn AG und der Bundespolizei abzustimmen. Die Bürger hätten überhaupt kein Verständnis dafür, wenn in puncto Sicherheitsmaßnahmen jetzt der Schwarze Peter zwischen der Bahn und Bundespolizei hin und her geschoben werden sollte", sagte Bosbach der "Welt".

Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei streiten derzeit, wer das Fehlen von Videobildern zu verantworten hat. Die Bahn hat zwar Teile des fraglichen Bahnsteigs mit Kameras beobachtet, aber keine Bilder gespeichert.

Bahn gibt Polizei die Schuld

Die Bahn wirft der Bundespolizei vor, keinen Auftrag zur Aufzeichnung erteilt zu haben, wie ein Sprecher der "Bild am Sonntag" sagte und "Der Spiegel" übereinstimmend berichtete.

Die Bundespolizei weist den Vorwurf den beiden Medien zufolge zurück. Ein Sprecher kritisierte, die Bahn sei nicht bereit, zusätzliche Aufzeichnungskapazitäten zu bezahlen. Tatsächlich haben sich beide Seiten laut "Spiegel" darauf geeinigt, Videobilder nur an zentralen Bahnhöfen zu speichern: Der Bonner Hauptbahnhof wurde demnach nicht als solcher eingestuft.

Quelle: mit dpa
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