16.12.2012, 10:53

Furtwängler-"Tatort" "Wegwerfmädchen" - Teil 2 wird noch beklemmender


Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und ihr Kollege Michael Belz (Christoph Jacobi) decken kriminelle Machenschaften in Hannover auf

Foto: NDR/Gordon Muehle

Von Ulrich Exner

Im zweiten Teil des Hannover-Krimis taucht Ermittlerin Charlotte Lindholm immer tiefer in die mafiöse Strukturen der niedersächsischen Hauptstadt. Hilfe bekommt sie von einer pfiffigen Assistentin.

Man ist noch ein bisschen aufgeregt in Hannover nach dem ersten Teil des fiesen Maschsee-Krimis mit Maria Furtwängler. "Wie wahr ist der Hannover-Tatort?", titelt die "Neue Presse" gleich auf Seite eins und lässt dann einen antworten, der es wissen muss. "Nein", sagt Promi- und Rocker-Anwalt Götz von Fromberg, im Film extrem cool gedoubelt von Michael Mendl, nichts davon sei wahr, mit Ausnahme der Höhe des Anwaltshonorars vielleicht.

Mafiöse Strukturen und Zwangsprostitution gebe es nicht in Hannover. Sein Fazit: Der Doppel-"Tatort" verunglimpfe einen Teil der hier lebenden Menschen. Er wolle sich die Fortsetzung der Maschsee-Saga an diesem Sonntag deshalb gar nicht erst anschauen.

Da verpasst er aber was. Denn mit Ausnahme des allzu flüchtig inszenierten Schlusses, einem wenig realistischen Trip der Kommissarin Lindholm nach Weißrussland, ist der zweite Teil dieses Hannover-Krimis (Titel: "Das goldene Band") noch fesselnder als der ebenfalls schon spannende erste Teil.

In dem hatte Lindholm nur einen klitzekleinen unter den vielen großen Übeltäter stellen können. Nun geht es dem miesen Rest an den Kragen: Chefarzt, Rockerchef, Immobilienhai, Staatsanwalt und Staatssekretär, ein wenig sympathischer Freundeskreis aus Hannovers Upper Class, der sich gegenseitig deckt und dankt. Und das ist nicht die einzige Freude, die Regisseurin Franziska Meletzky dem "Tatort"-Publikum bereitet.

Ständiger Klüngel am Maschsee

Mit Alessija Lause als ehrgeiziger Carla Prinz bekommt Maria Furtwängler eine pfiffige Ermittlerin zur Seite gestellt, die man unbedingt wiedersehen will im Tatort. Bernhard Schir gibt den angeberisch-irren " Immobilien-Optimierer" Hajo Kaiser so überzeugend, dass man gar nicht umhin kann, an Carsten Maschmeyer zu denken.

Emilia Schüle als "Wegwerfmädchen" Larissa Pantschuk hat in dieser Folge deutlich mehr Gelegenheit, ihr schauspielerisches Potenzial zu demonstrieren. Ihre Wandlung vom Vergewaltigungsopfer zur vordergründig coolen Celler Hure ist eine der beklemmendsten Szenen dieses Films.

Schon die Auftritte dieser drei Darsteller allein machen "Das goldene Band" sehenswert, auch für Zuschauer, die den ersten Teil der kleinen Maschsee-Saga verpasst haben. Sie sind nach ein paar Minuten bestens in diesem Stoff, der von Zwangsprostitution handelt, von Rockerclubs, städtischem Klüngel und, wie bei der Ermittlerin Lindholm üblich, einem nicht gerade harmonischem Privatleben. Männer machen auch in dieser Beziehung keine besonders gute Figur im Furtwängler-Krimi.

Es also alles gut bereitet für einen abermaligen Rekord für den Hannover-"Tatort". Teil eins hatten sich mehr als zehn Millionen Zuschauer angeschaut, vermutlich werden es an diesem dritten Advent noch ein paar mehr sein. Es lohnt sich.

Tatort: Das Goldene Band, Sonntag, 16.12., 20.15 Uhr, ARD

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