15.12.12

Quiz-Show

Jauch katapultiert sich mit dem "Muffel" zum Sieg

In einem spannenden Duell haben bei "5 gegen Jauch" fünf Comedians das Nachsehen. Obwohl es zu Beginn ganz anders aussah. Doch Jauch riskierte am Ende alles - und gewann.

Foto: RTL/Willi Weber

Eine neue Runde "5 gegen Jauch". Mit-Moderator Oliver Pocher war leicht erkältet, Günter Jauch lief dagegen zu Hochform auf
Eine neue Runde "5 gegen Jauch". Mit-Moderator Oliver Pocher war leicht erkältet, Günter Jauch lief dagegen zu Hochform auf

Der Wendepunkt war erreicht, als sich Günther Jauch beim Versuch, einen "Muffel" zu machen, auf die Schnauze legte. Einen "Muffel"? Nie gehört? Jauch vermutlich auch nicht, aber er tippte trotzdem richtig, dass es sich dabei um eine Figur beim Trampolinspringen handeln könnte, und läutete mit dem missglückten Versuch einer Demonstration eine der unterhaltsamsten und spannendsten Phasen in der "5 gegen Jauch"-Geschichte ein.

Was zunächst nicht abzusehen war, denn die Show startete sehr gemächlich. Nachdem das erste Prominenten-Spezial mit fünf Sterneköchen vor gut sechs Wochen auf recht gute Resonanz gestoßen war, entschied man sich bei RTL wieder für eine Prominentenausgabe der Quizsendung. Diesmal setzte man auf fünf Comedians, die Günther Jauch in zwölf Fragerunden mit ihrem Wissen das Wasser reichen sollten.

"Ich habe großen Respekt vor denen"

Nachdem Jauch in der vergangenen Sendung gegen die Köche verloren hatte, stapelte er nun erst einmal tief. "Ich habe großen Respekt vor denen", sagte er mit Blick auf seine komödiantischen Gegner. "Die sind im Fernsehen lustig, aber zu Hause beschäftigen sie sich mit anderen Sachen."

Atze Schröder, Horst Pferdinand, Sonja Zietlow, Ingo Appelt und Kaya Yanar gaben sich zunächst alle Mühe, dieser Einschätzung gerecht zu werden. Nach den ersten sechs Fragerunden hatten sie alles richtig beantwortet und führten vor Günther Jauch mit 25.000 zu 10.000 Euro.

Und das, obwohl es Jauch sichtlich nicht an Ehrgeiz mangelte. Er schien fest entschlossen, nach seiner Niederlage gegen die Köche nun wieder aufzutrumpfen. Es waren zwar noch keine Stefan Raab'schen Ausbrüche, die man an seinem Pult erleben konnte, aber es wurmte ihn doch deutlich, dass er bereits in der zweiten Fragerunde raten musste, was "das Sandmännchen offensichtlich nicht hat". Die von ihm vermuteten Ohren waren es nicht, die Comedy-Truppe dagegen konnte mit dem Tipp "Augenbrauen" punkten.

Der "Muffel" änderte schließlich alles

Und so ging es erst einmal weiter. Jauch wusste nicht, wo man "Pole Fitness" trainiert (an der Stange) und er verschätzte sich mit der Annahme, dass Deutschland keine Stadt mit eineinhalb bis zwei Millionen Einwohnern hat (doch: Hamburg). Die Comedians dagegen zogen schnell und oft ohne lange zu diskutieren durch.

Das war bis dahin nett anzusehen, aber insgesamt nicht wahnsinnig unterhaltsam. Wer von der Comedy-Fraktion eine ständige Diskussion à la "Genial daneben" erwartet hatte, wurde enttäuscht. Meist wurden die Fragen doch sehr ernst und sachlich erörtert. Man wollte ja hier auch mal mit Wissen glänzen und kein Stand-up hinlegen.

Doch dann kam der "Muffel". Gemeinsam mit dem "Lazy back" gehöre dieser zum Standardrepertoire eines Trampolinspringers, Synchronschwimmers, Snowboarders oder Bowlers, wollte der extrem heisere Oliver Pocher wissen, den man mit seiner schwachen Stimme am liebsten direkt ins Bett gesteckt hätte.

Kamikaze auf dem Trampolin

Nach längerer Diskussion wurde bei den Comedians der Snowboarder eingeloggt. Jauch machte es sich einfacher, schlug einfach mit der Faust aufs Display und loggte damit durch Zufall den Trampolinspringer ein. Und lag damit richtig.

Und als hätte es dieses Impulses bedurft, lief es für ihn auf einmal rund, und auch die Show nahm deutlich an Fahrt auf. Nach einer kurzen Kamikaze-Aktion auf dem Trampolin, bei der Jauch - angeleitet von einem siebenjährigen Jungen - zu zeigen versuchte, wie ein "Muffel" genau aussieht, gelang es ihm in der Folge bis zur entscheidenden "Alles oder nichts"-Runde sämtliche Fragen richtig zu beantworten und damit 135.000 Euro anzuhäufen.

Die Comedians halten mit

Doch der Geldhaufen der Comedians wuchs in gleichem Maße. Wann immer es Jauch gelang, eine Frage durch kühles Kombinieren oder mithilfe von Skizzen auf seiner Hand (wie groß ist eigentlich DIN-A0?) zu lösen, konterten seine fünf Gegner auf ihre Weise. Und die bestand vor allem darin, auf der einen Seite Atze Schröder zu vertrauen und auf der anderen Seite immer das Gegenteil von dem zu machen, was Kaya Yanar sagte.

Auf diesem Weg wurde geklärt, wie groß die maximale Spannweite eines Weißkopfseeadlers ist (ca. 4,5 m), zu welchem Land fünf der zehn größten Mittelmeerinseln gehören (Griechenland) und was 2010 in London zum nationalen Kulturerbe ernannt wurde (der Zebrastreifen auf dem berühmten "Abbey Road"-Cover der Beatles).

Durch das permanente Gleichziehen baute sich eine Spannung auf, die mit wachsendem Geldbetrag immer größer wurde. Hier zeigte sich sehr schön, welches Potenzial immer noch in dem schon so oft gesehenen Stufenquiz steckt, wenn die Dramaturgie einmal genauso funktioniert, wie sie sich der Fernsehmacher als Idealkurve in sein Theoriepapier schreibt.

Stofftier von Steiff oder Wagen von Mercedes

Und so stand es vor der großen Finalrunde tatsächlich unentschieden. Sowohl Jauch als auch seine Gegner hatten 135.000 Euro auf ihrem Konto, von denen sie nun geheim einen bestimmten Betrag setzen mussten, der ihnen beim richtigen Beantworten der Finalfrage gutgeschrieben würde, bei einer Falschantwort aber verloren wäre. Durch den Zufall des Gleichstands war dies eine taktisch sehr spannende Entscheidung.

Im Finale setzte sich dann das bisherige Muster fort. Die Frage "Was entstand 1902 unter der Bezeichnung '55 PB'?" wurde von beiden Teams nach bewährtem Vorgehen gelöst. Die Comedians schwankten durch Ausschluss recht schnell zwischen einem "Stofftier von Steiff" und einem "Kraftwagen von Mercedes". Da Kaya Yanar aber zum Kraftwagen tendierte (Taktik: "Macht einfach nicht, was ich sage"), wurde schnell das Steifftier eingeloggt. Mit Erfolg.

Doch als dramaturgischen Höhepunkt kombinierte sich auch Jauch die richtige Lösung zusammen und so entschied letztlich die geheim gesetzte Summe. Jauch, scheinbar immer noch beflügelt von seinem "Muffel" und dem anschließenden Durchmarsch, hatte seine kompletten 135.000 Euro gesetzt und lag damit klar vor den 85.000, die die Comedians riskiert hatten. Während diese folglich leer ausgingen, kann sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, der Jauch seinen Gewinn spendet, über 270.000 Euro freuen. Und von einem kleinen Teil des Geldes sollte sich Jauch vielleicht ein Trampolin kaufen.

Foto: dpa

Im RTL-Jahresrückblick "Menschen, Bilder, Emotionen 2012" ließ Moderator Günther Jauch das Jahr Revue passieren.

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