12.12.12

Großbritannien

Das Mysterium um den Tod einer Krankenschwester

Einen Tag vor Bekanntgabe der Autopsieergebnisse berichten britische Medien über einen vermeintlichen Selbstmord der Londoner Krankenschwester, die Opfer eines Scherzanrufes wurde.

Foto: dapd

Benedict Barboza, der Witwer der verschiedenen Krankenschwester Jacintha Saldanha, mit Tochter Lisha (14) und Sohn Junal (16).
Benedict Barboza, der Witwer der verschiedenen Krankenschwester Jacintha Saldanha, mit Tochter Lisha (14) und Sohn Junal (16).

Die britisch-indische Krankenschwester Jacintha Saldanha hat ihr Leben dem Vernehmen nach durch Erhängen beendet. Das berichtet der TV-Sender SkyNews einen Tag vor Bekanntgabe der gerichtlichen Untersuchung über die Umstände, die zum Tod der Krankenschwester geführt haben. Der Fall hat in der britischen und internationalen Öffentlichkeit ein großes Echo hervorgerufen.

Bekanntlich war die Krankenschwester am frühen Morgen des 4. Dezember auf einen Scherzanruf zweier australischer Moderatoren hereingefallen, die sich als die Queen und Prinz Charles ausgegeben hatten und um Informationen zum Gesundheitszustand von Kate, der Herzogin von Cambridge baten. Diese war am Tag zuvor wegen schwerer Schwangerschaftsübelkeit ins "King Edward VII."-Privatkrankenhaus eingeliefert worden.

Große psychologische Verstörung

Jacintha Saldanha hatte den Anruf angenommen, weil die Rezeption nicht besetzt war, und ihn an die Stationsschwester weiter gegeben, die dann ihrerseits Auskunft gab gegenüber den vermeintlichen königlichen Hoheiten.

Der Vorfall muss zu großer psychologischer Verstörung von Saldanha geführt haben, die offenbar mit der Peinlichkeit, auf den Trick hereingefallen zu sein, nicht fertig wurde. Wie die Berliner Morgenpost inzwischen erfahren hat, versteckte die Frau ihre seelische Qual auch gegenüber ihrer im westenglischen Bristol lebenden Familie, die Tage lang nichts aus London hörte und endlich am Freitag besorgt das Krankenhaus anrief.

Bis dahin wusste der Ehemann nichts von dem Telefonscherz, in den seine Frau involviert war. Das Ehepaar hat zwei Kinder im Teenager-Alter.

Tote soll Abschiedsnotiz verfasst haben

Der Sender SkyNews TV berichtet von einer Notiz, die angeblich neben der Toten gefunden wurde und die bei der Untersuchungsbilanz, die am morgigen Donnerstag veröffentlicht wird, zur Sprache kommen dürfte.

Enthält diese Notiz gar mögliche Hinweise auf noch ganz andere Faktoren, die die Frau in den Tod getrieben haben könnten? Das letzte Wort über den Vorfall aber wird auch morgen nicht zu hören sein, da die polizeilichen Ermittlungen noch andauern.

Gespannt ist die Öffentlichkeit vor allem auf die Rolle, die das Krankenhaus in den Tagen nach dem fatalen Anruf der beiden australischen Radio-Journalisten gespielt haben mag. Erhielt die Krankenschwester irgendwelche Hilfe von ihrem Arbeitgeber? Hat sie auch ihren Vorgesetzten gegenüber das Ausmaß ihrer Verstörung verborgen?

Oder haben diese gar durch Beschwerden über das unbedachte Verhalten von Mrs. Saldanha dazu beigetragen? Die Leitungsebene des Krankenhauses hat bisher bekräftigt, es sei kein Druck auf Mrs. Saldanha ausgeübt worden.

Krankenhaus dementiert Einholung von Sendeerlaubnis

Rechtfertigen muss sich das Spital auch gegenüber dem australischen Sender, über den das Telefongespräch Stunden nach der Aufzeichnung gelaufen war. Die Programmverantwortlichen von "2DayFM" haben behauptet, man habe mindestens fünf Mal in London angerufen, um von dem Krankenhaus die Erlaubnis für die Ausstrahlung der Sendung zu erhalten.

Das ist in Australien legale Voraussetzung, will man solche als Radioscherz geführten Telefonate über den Äther lassen. Aus dem King Edward VII. Krankenhaus dagegen heißt es, niemand habe irgendeinen solchen Anruf des australischen Senders erhalten.

Das Mutterunternehmen Southern Cross Austereo (SCA), dem die Radiostation angehört, hat inzwischen angekündigt, das kurzzeitig unterbrochene Geschäft aus Werbung wieder aufzunehmen. Die daraus bis Weihnachten fließenden Profite wolle man dem "Memorial Fund" stiften, den das Krankenhaus für Mrs. Saldanhas Familie eingerichtet hat. Auf jeden Fall verpflichte man sich auf mindestens 326.000 Pfund (ca. 400.000 Euro).

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