11.12.12

Niederlande

Auch 50-Jähriger soll Linienrichter totgeprügelt haben

Fahndungserfolg: Die niederländische Polizei hat vier weitere Verdächtige im Fall der Prügelattacke auf einen Linienrichter festgenommen.

Foto: dpa

Das Clubhaus des niederländischen Fußballvereins SC Buitenboys in Almere: Hier hatten jugendliche Spieler und offenbar auch ein 50-Jähriger nach einem Spiel einen Linienrichter totgeprügelt
Das Clubhaus des niederländischen Fußballvereins SC Buitenboys in Almere: Hier hatten jugendliche Spieler und offenbar auch ein 50-Jähriger nach einem Spiel einen Linienrichter totgeprügelt

Mehr als eine Woche nach der tödlichen Prügelattacke auf einen Linienrichter hat die niederländische Polizei vier weitere Verdächtige festgenommen.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurden drei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren und ein 50-jähriger Mann festgenommen, die im Verdacht stehen, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein.

Damit sind bislang acht Verdächtige in Gewahrsam genommen worden, davon sieben Jugendliche. Auf der Website der Polizei hieß es, weitere Festnahmen in dem Fall seien nicht ausgeschlossen.

Rund 12.000 Menschen nahmen am vergangenen Sonntag an einem Schweigemarsch für den Linienrichter teil.

Der 41-jährige Richard Nieuwenhuizen hatte am 2. Dezember bei einem Spiel seines Sohnes in der Stadt Almere als freiwilliger Linienrichter an der Seitenlinie gestanden. Nach dem Spiel war er von mehreren jugendlichen Spielern der gegnerischen Mannschaft geschlagen und getreten worden.

Er brach dann einige Stunden später zusammen und wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er im Kreise seiner Familie starb.

Fußball-Idol Cruyff kritisiert schlechte Erziehung

Unter der Fußballprominenz der Niederlande hatte die Attacke für Bestürzung und viele Diskussionen gesorgt. Für Fußball-Idol Johan Cruyff sind schlechte Vorbilder und Fehler in der Erziehung die Ursache für Angriffe auf Schieds- und Linienrichter. "Ich finde, dass das Benehmen mancher Eltern an der Seitenlinie bei Fußballspielen ihrer Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren skandalös ist. Also müssen wir damit beginnen, Normen und Werte auch für die Eltern aufzustellen", sagte der 65-Jährige.

"Es ist eine Erziehungsaufgabe. Da muss man beginnen", sagte Cruyff und forderte ein Umdenken. Es müsse ein System geben, um Eltern von den Plätzen fernzuhalten, wenn sie Grenzen überschreiten. "Dem Fußballverband KNVB wird nun auch Schuld zugewiesen, vielleicht hätte er auch etwas mehr tun müssen. Aber da muss ein Gesetz kommen, das dem Verband ermöglicht, Personen auszuschließen", meinte Cruyff.

"Dieser Totschlag ist ein gesellschaftliches Problem"

Kritik am KNVB und der Politik hatte zuvor Trainer Gertjan Verbeek vom Erstligisten AZ Alkmaar geübt. "Sie beginnen wieder mit Symptombekämpfung. Aber wo bleibt das Fußballgesetz? Dieser Totschlag ist ein gesellschaftliches Problem. Die Politik und der KNVB lassen uns in der Kälte stehen", sagte Verbeek: "Das Problem wird nicht mit einer Schweigeminute gelöst. Im vergangenen Jahr wurde ein Zuschauer von einem Spieler totgetreten. Ist damals etwas passiert?", wird Verbeek im Telegraaf zitiert.

Ein Gipfeltreffen über Gewalt im Fußball kündigte die für den Sport zuständige Ministerin Edith Schippers für Dienstag in einer TV-Talkrunde an. An der Konferenz werden vier Minister, darunter der Integrations- und der Justizminister, die Bürgermeister der Fußballstädte Amsterdam und Eindhoven, die Polizei, der KNVB und der niederländische Olympische Sportbund NOCNSF teilnehmen.

"Wir werden über alles sprechen. Immerhin hat die Regierung schon sieben Millionen Euro in das Programm "sicheres Sportklima" gesteckt. Wir müssen auch schauen, ob der KNVB sein Disziplinarrecht verschärfen kann. Auch der Profi-Fußball muss vorbildlich sein. Wenn dort Schiedsrichter von den Stars ausgeschimpft werden, ist es keine Überraschung, wenn Jugendliche dieses Verhalten nachahmen", sagte Schippers.

SV Nieuw-Sloten stellt Spielbetrieb für zwei Wochen ein

Der SV Nieuw-Sloten, dem die jugendlichen Täter angehören, hat unterdessen beschlossen, den Spielbetrieb für zwei Wochen stillzulegen. Erst am 15./16. Dezember will der Verein wieder antreten, sagte Vereinssekretär Wim Snoek. Mitglieder des Vereins sahen sich in der Öffentlichkeit und im Internet massiven Anfeindungen ausgesetzt. "Wir wollen nicht bagatellisieren, was passiert ist. Aber der Hass, der uns jetzt trifft, ist nicht die richtge Antwort auf das Geschehene", sagte Ron Grevink, Mitglied der Sportkommission von Nieuw-Sloten.

Quelle: dapd/sid/bee
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