11.12.12

Epigenetik

Forscher erklären Mysterium der Homosexualität

Homosexualität hätte eigentlich im Laufe der Evolution verschwinden müssen. Doch in manchen Familien tritt sie häufiger auf. Mathematiker und Biologen glauben, dieses Rätsel gelöst zu haben.

Foto: dapd

Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel, da diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit hätte verschwinden müssen, sofern sie erblich ist
Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel, da diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit hätte verschwinden müssen, sofern sie erblich ist

Homosexualität könnte ihre Ursache in der Genregulation haben. Wird ein normalerweise nicht erblicher Schutzmechanismus doch von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergegeben, beeinflusst das unter anderem die sexuelle Präferenz. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "The Quarterly Review of Biology".

Die Mathematiker und Biologen glauben, damit das Rätsel gelöst zu haben, weshalb Homosexualität in manchen Familien gehäuft auftritt, obwohl Genetiker bislang kein entsprechendes Gen gefunden haben.

Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel, da diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit hätte verschwinden müssen, sofern sie erblich ist. Dennoch ist Homosexualität in den meisten Kulturen bei Männern wie Frauen relativ häufig. William Rice von der University of California in Santa Barbara und seine Kollegen haben nun ein Modell vorgelegt, das diesen Widerspruch auflöst.

Epigenetische Faktoren werden weitergegeben

Sogenannte epigenetische Merkmale regulieren, unter welchen Bedingungen ein Gen aktiv ist und in welchem Ausmaß. Normalerweise sind diese Merkmale an ein Individuum gebunden und werden nicht vererbt. Jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass epigenetische Faktoren gelegentlich zwischen Generationen weitergegeben werden können. So entstehen Gemeinsamkeiten zwischen Verwandten, die dem Effekt gemeinsamer Gene ähneln. Beispielsweise könnte so erklärt werden, dass sich Homosexualität in manchen Familien häuft.

Eine Gruppe geschlechtsspezifischer epigenetischer Merkmale entsteht im frühen Stadium der fötalen Entwicklung. Diese Marker dienen dazu, den Fötus in späteren Phasen vor der starken natürlichen Schwankung des Geschlechtshormons Testosteron zu schützen.

Dank dieses Mechanismus' erhält ein weiblicher Fötus selbst bei untypisch hohem Testosteronlevel keine männlichen Züge – das gilt umgekehrt für männliche Föten. Manche dieser epigenetischen Marker betreffen die Genitalien, andere die sexuelle Identität und wieder andere die Vorlieben hinsichtlich der Geschlechtspartner.

Vater – Tochter, Mutter – Sohn

Werden diese geschlechtsspezifischen epigenetischen Merkmale jedoch von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergereicht, kehrt sich ihr Effekt um: Söhne erhalten einige weibliche Eigenschaften – beispielsweise die sexuelle Präferenz, Töchter erhalten männliche Eigenschaften.

Mit einem mathematisch-biologischen Modell, das die Evolutionstheorie mit den jüngsten Erkenntnissen über die molekulare Regulation der Genaktivität und die geschlechtshormonabhängige sexuelle Entwicklung verbindet, konnten die Forscher nun zeigen, dass dieser Mechanismus evolutionär Bestand haben kann.

Die Gene, die diese geschlechtsspezifische epigenetische Regulation auslösen, bedeuten einen Vorteil bei der Fortpflanzung: In den meisten Fällen steigern sie die Attraktivität des Nachwuchses, wohingegen nur selten der für die Fortpflanzung nachteilige Effekt eintritt, dass die epigenetischen Merkmale in der nächsten Generation nicht "gelöscht" sind.

"Die Übertragung sexuell antagonistischer Epi-Merkmale zwischen Generationen ist der plausibelste Mechanismus für das Phänomen der menschlichen Homosexualität", schreibt Koautor Sergey Gavrilets vom National Institute for Mathematical and Biological Sciences in Knoxville.

Quelle: dapd
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