10.12.12

Flugzeugunglück

Rätselhafte Kollision im unkontrollierten Luftraum

Acht Menschen starben: Nach einem der schwersten Flugzeugunglücke in Deutschland geht nun die Suche nach dem Warum los. Möglicherweise wurde ein Pilot geblendet.

Von Hannelore Crolly
Foto: dapd

Im Bundesland Hessen sind am Samstag zwei Flugzeuge zusammengestoßen und abgestürzt. Vier Erwachsene und vier Kinder haben nicht überlebt.
Im Bundesland Hessen sind am Samstag zwei Flugzeuge zusammengestoßen und abgestürzt. Vier Erwachsene und vier Kinder haben nicht überlebt.

Der Nachmittag war sonnig, ein kalter, aber ganz klarer Wintertag. Ute und Klaus Hagedorn waren gerade mit ihrem Auto nach Hause zurückgekehrt. Das Paar wohnt in Melbach, einem Ortsteil von Wölfersheim zwischen Gießen und Frankfurt.

Um 16 Uhr 10, sagt Ute Hagedorn, habe es laut geknallt, die erschrockene Frau starrte vor ihrem Haus in den Himmel. Und sah, wie von dort ein kleines Flugzeug herabtaumelte, das mit einem größeren kollidiert war. "Einer flog noch etwas weiter, das kleinere fiel direkt herunter aufs Feld", sagt sie. "Sie sind in der Luft zerschellt."

Unglückspilot flog schon für Lufthansa

Zwei Tage nach einem der schwersten Flugzeugunglücke, die seit langem in Deutschland stattfanden, ist nun klar: Bei den acht Toten, die Helfer am Samstagnachmittag und in der Nacht aus den Trümmern der beiden Maschinen bargen, handelte es sich um fünf Personen aus dem Landkreis Offenbach und drei aus Frankfurt.

Eine der beiden Maschinen wurde von einem 42 Jahre alten Lufthansa-Piloten gesteuert, der eine 33 Jahre alte Frau und ein vierjähriges Kind dabei hatte. Die drei, die Zeugen zufolge einen "schönen Rundflug" machen wollten, waren gegen 15.35 Uhr in Koblenz gestartet und im Anflug auf den Flughafen Reichelsheim, ganz in der Nähe des Unglücksortes.

Der Pilot der kleinen "Robin", die laut "Bild" dem Leibarzt von Michael Schumacher gehört haben soll, flog auf Sicht, ebenso wie die Maschine, die urplötzlich seinen Weg kreuzte. In der größeren Piper Saratoga saßen fünf Menschen, ein Ehepaar (40 und 42) und zwei Jungen sowie ein Mädchen im Alter von zwei, sechs und acht Jahren.

Crash auf 1000 Meter Höhe

Der Mann, angeblich Vermögensverwalter, und seine Frau, eine Rechtsanwältin, waren Richtung Aschaffenburg unterwegs und prallten in einer Flughöhe von weniger als 1000 Metern in das kleinere Flugzeug.

Herauszufinden, warum es zu dem Unglück kam, wird wohl Monate dauern. Denn nur die Robin stand mit dem Tower in Verbindung, und das auch nur kurz. Mühsam suchten Helfer die ganze Nacht im heftigen Schneetreiben nach Wrackteilen der beiden Maschinen, die in einem Abstand von 400 Metern vom Himmel gestürzt waren.

Auch vier Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen sind nach Hessen gereist, um Spuren zu sichern und Zeugen zu befragen. Für sie waren viele der Fundstücke mit Planen abgedeckt worden, damit aus den Überresten Klarheit über den Unfall geschaffen werden kann. Jetzt sollen die Trümmerteile getrocknet und sortiert werden. Dann nimmt das Luftfahrtbundesamt die Arbeit auf. Mindestens vier Wochen wird das dauern.

Erfahrene Flieger halten es für wahrscheinlich, dass die Sonne einen der Piloten derart stark blendete, dass er den Gegenverkehr schlicht übersah. Möglicherweise war es aber auch ein technisches Problem, das eine der Maschinen veranlasste, die Flugroute zu verlassen. Auch menschliches Versagen schließen die Ermittler nicht aus.

Beide Piloten flogen auf Sicht

Die Bergung war für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bei Minusgraden ein brutaler Einsatz. In der Nacht zum Sonntag musste ein Polizeihubschrauber das etwa einen Quadratkilometer große Trümmerfeld beleuchten.

Schutz vor dem beißend kalten Wind gab es nur in einem beheizten Zelt. Auch Seelsorger waren vor Ort, zumal Kinder unter den Opfern waren. Das ist für Helfer meist besonders belastend. "Tief betroffen" standen auch der Landrat des Wetteraukreises Joachim Arnold (SPD) und Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) in der Kälte.

Klar ist, dass die Piloten im so genannten unkontrollierten Luftraum aufeinander trafen. Dort müssen die Piloten auf Sicht ohne Radar fliegen, und ähnlich wie auf der Straße müssen sie das Prinzip "rechts vor links" beachten.

Der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen zufolge sind die Piloten kleiner Flieger oft im Sichtflug unterwegs, aber viele nutzen auch den Instrumentenflug und lassen sich von Fluglotsen führen. Das war am Samstag nicht der Fall.

Quelle: Reuters
09.12.12 1:28 min.
Zwei Kleinflugzeuge sind rund 30 Kilometer von Frankfurt entfernt in der Luft zusammengeprallt und abgestürzt. In den Trümmern wurden acht Tote gefunden, darunter vier Kinder.
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