07.12.12

Marihuana

Amerikaner feiern die Freigabe von Haschisch

Bei der US-Wahl hatten sich die Bürger des US-Staates Washington für die Freigabe der Droge ausgesprochen. Jetzt trat das Gesetz in Kraft.

Foto: REUTERS

Jenna Julich (links), Devin Smith und Mike Ollmann gehörten zu den 300 Menschen, die in Seattle die Freigabe des Cannabis-Konsums feierten
Jenna Julich (links), Devin Smith und Mike Ollmann gehörten zu den 300 Menschen, die in Seattle die Freigabe des Cannabis-Konsums feierten

Sie kamen zu Hunderten. In Seattle im Bundesstaat Washington an der Westküste der USA feierten 300 "Kiffer" an Nikolaus die Freigabe von Cannabis für Erwachsene zum "Entspannungsgebrauch". Zu ihrer Feier an Seattles berühmten Space Needle Tower brachten sie Pfeifen, "Bongs" und handgerollte Joints mit und rauchten sie in aller Öffentlichkeit.

Ganz legal war das Ganze allerdings nicht: Das neue Gesetz erlaubt den Besitz kleiner Mengen von Cannabis, allerdings dürfen diese nur in den eigenen vier Wänden konsumiert werden. Die Polizei hielt sich allerdings zurück und verbreitete nur genaue Informationen über das neue Gesetz, das auch als Initiative 502 bekannt wurde.

Verwaltung droht mit 100 Dollar Strafe

Nur die Stadtverwaltung schlug harte Töne an. Man werde öffentliches Rauchen von Marihuana auf keinen Fall dulden. Wer sich nicht daran halte, müsse mit 100 US-Dollar Strafe rechnen. Das sah die Polizei dann doch anders. Man habe die Beamten angewiesen, zunächst nur mündliche Verwarnungen auszusprechen, hieß es seitens des Seattle Police Departments.

Die Initiative 502, die bei der US-Präsidentschaftswahl zur Abstimmung anstand, erlaubt jedem, der älter als 21 Jahre ist, den Besitz einer Unze Haschisch – das sind 28,5 Gramm. Außerdem darf man 450 Gramm von Produkten besitzen, die Cannabis enthalten – beispielsweise Hasch-Kekse.

Das Gesetz hatte schon bei der Entscheidung für Aufregung gesorgt und könnte Washington sogar Ärger mit der Hauptstadt einbringen - denn es verstößt eigentlich gegen Bundesrecht. Doch der Trend ist da: Denn neben Washington haben auch die Wähler in Colorado sich für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen, das Gesetz startet hier allerdings nicht vor dem nächsten Monat. In insgesamt 18 der 50 US-Staaten ist bislang der Gebrauch von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt.

Anbau von Cannabis bleibt verboten

Verboten bleibt es, unter dem Einfluss von Cannabis Auto zu fahren oder es dort zu konsumieren, wo es bereits ein Alkoholverbot gibt. Verkauft werden darf Haschisch in staatlich lizensierten Geschäften, ein Modell, wie es auch für den Verkauf von Alkohol gilt. Die staatliche Alkohol-Kontrollstelle wird zusammen mit Landwirtschafts- und Beamten für die öffentliche Gesundheit bis zum Dezember 2013 ein entsprechendes System erarbeiten.

Das Gesetz enthält allerdings auch ein paar skurrile Klippen. So ist es erlaubt, Cannabis für den Eigenbedarf zu kaufen. Es bleibt aber verboten, "Pot" anzubauen oder zu verkaufen. Selbst teilen darf man ihn nicht.

Erste Klagevon Cannabis-Konsumenten

Auch eine Klage hat es schon gegen das neue Gesetz gegeben, ironischerweise von einem Mann aus Olympia, der Marihuana aus gesundheitlichen Gründen einnimmt. Er wollte den neuen Standard verhindern, mit dem festgestellt werden soll, ob jemand trotz Marihuana-Genusses noch fahrtüchtig ist - ähnlich dem Atemalkoholtest. Er argumentierte, das die Grenze von 5 Mikrogram THC – dem Wirkstoff von Cannabis – pro Milliliter Blut würde ihn benachteiligen, weil er auch mit diesem Wert im blut noch fahrtüchtig sei.

Die rund 300 Feiernden in Seattle störten die angedrohten Geldstrafen und Unwägbarkeiten des neuen Gesetzes jedenfalls nicht. Reporter berichteten von viel Gelächter, entspannter Konversation und gelegentlichem Husten, während die typisch duftenden Haschwolken durch die Menge waberten. Häufig gehörte Musik: Bob Marley. Der 30-jährige Jared Allaway beschrieb die Nacht als "Ikone". Mit dabei hatte er ein Schild, auf dem stand: "Marihuana ist sicherer als Alkohol." Seattle sei schon immer tolerant in Sachen Cannabis gewesen, sagte er. "Hoffentlich breitet sich das auch in den Osten des Staates Washington aus", so Allaway. "Sobald man aus Seattle herauskommt, ist das eine völlig andere Welt."

Penny Simons (52), die im Rollstuhl sitzt, und Marihuana aus medizinischen Gründen nimmt, war extra von außerhalb Seattles angereist, um das "Smoke-in" zu erleben. "Das ist Geschichte", sagte sie. "Ich musste an all die Leute im ganzen Land denken, die dafür ins Gefängnis gekommen sind. Es ist schön zu sehen, wie sich Dinge ändern." Das Treffen blieb völlig friedlich, Verhaftungen gab es nicht.

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