04.12.12

Diktatur

Archäologen feiern "Einhornnest"-Fund in Nordkorea

In einer Höhle in Nordkorea wollen Archäologen ein Einhornnest entdeckt haben. Die Wissenschaftler behaupten ernsthaft, die Tiere hätten dort bis etwa 200 Jahre vor Christus gelebt.

Foto: picture alliance / akg images
Einhorn in Nordkorea
Einhorn in Nordkorea

Glückliches Nordkorea. Das Land, das unter einer der letzten kommunistischen Diktaturen der Welt zu leiden hat, von Hungersnöten und Brennstoffmangel regelmäßig bedroht wird, scheint eine Art natürlichen Ausgleich für die Härte des Alltags zu haben, denn hier finden ausgesprochen häufig Dinge statt, die es anderswo nicht gibt, vor allem in Südkorea nicht.

Dieser Tage haben Archäologen, also ernsthafte Wissenschaftler, etwas entdeckt, wonach im Rest der Welt nur Märchenerzähler suchen: ein Einhornnest, antik!

Die Höhle liegt ganz in der Nähe des Yongmyong-Tempels, der seinerseits aus dem 11. Jahrhundert datiert. Hier, so die nordkoreanischen Wissenschaftler, haben die Einhörner gelebt, was nichts anderes bedeutet, als dass die Legende, derzufolge der koreanische König Tongmyong rund 200 Jahre vor Christus auf einem Einhorn herumgeritten ist, der Wahrheit entspricht. Besonders war Nordkorea offenbar schon vor dem Siegeszug des Kommunismus.

Praktischerweise haben die Einhörner, vielleicht auch ihre Wächter, am Eingang der Höhle eine Inschrift hinterlassen. "Einhornnest", ist in eine Steintafel graviert, deren Alter der Leiter des historischen Instituts der koreanischen Akademie für Sozialwissenschaften, Jo Hui-sung, auf ungefähr 1000 Jahre taxiert.

Lügengeschichten über den herrschenden Kim

In die Welt hinaus verbreitet hat die schöne Nachricht aus Nordkorea die staatliche Nachrichtenagentur Korean Central News Agency (KCNA), die seit 1997 auch über eine englischsprachige Internetpräsenz verfügt. Die Annahme, die KCNA sei ausschließlich damit beschäftigt, Lügengeschichten über den jeweils herrschenden Kim zu verbreiten, ist zwar nicht ganz falsch, greift aber deutlich zu kurz. Regelmäßig berichtet KCNA über ganz natürliche Wunder.

Als der Sohn des "geliebten Führers" Kim Il-sung, der "geliebte Führer" Kim Jong-il starb, weinte nicht nur das gesamte Volk mitsamt Sohn und Nachfolger, dem "geliebte Führer" Kim Jong-un, sondern auch die Tierwelt: Nach KCNA-Informationen vom Dezember 2011 ist nach dem Tod des Kim Jong-ils ein weinendes Bärenpaar vor den Toren der Hauptstadt gesehen worden.

Auch ein Kranich schloss sich dem Abschied nehmenden Volk an: Der Kranich umkreiste, (und Zeugen beeideten es) mehrmals eine Statue des Dahingeschiedenen. "Auch er kann ihn nicht vergessen", formulierte der sachbearbeitende Journalist bei KCNA. Glückliches Nordkorea.

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