30.11.12

Mexiko

Juventina stirbt, als die Bodyguards abtauchen

In Mexiko wehren sich die Bauern gegen die Drogen- und Holzmafia. Jetzt wurde die bekannteste Öko-Aktivistin von Paramilitärs erschossen, als sie aus ihrem Dorf unter Personenschutz fliehen sollte.

Von Sandra Weiss
Foto: REUTERS

In Mexiko bekämpft die Armee die Drogenmafia. Dennoch machen die Behörden oft gemeinsame Sache mit den Verbrechern
In Mexiko bekämpft die Armee die Drogenmafia. Dennoch machen die Behörden oft gemeinsame Sache mit den Verbrechern

Weil sie ihr Bergdorf nicht der Mafia überlassen wollte, musste Juventina Villa Mojica sterben. Schon seit langem hatte die Bauernführerin aus dem mexikanischen Bundesstaat Guerrero Morddrohungen erhalten. Acht ihrer Familienmitglieder kostete der Kampf gegen die Mafia bereits das Leben – darunter ihren Mann.

Mehrfach hatten Menschenrechtsorganisationen den Staat um besseren Schutz für die Familie gebeten. Nun sollte Mojica zusammen mit 45 weiteren bedrohten Familien unter Polizeischutz aus ihrem Heimatort La Laguna nach Puerto las Ollas umsiedeln. Es war nicht das erste Mal.

Schon 2011 verließ das gesamte Dorf für mehrere Monate La Laguna, weil paramilitärische Banden gedroht hatten, sonst alle Bewohner des Ortes zu ermorden. Nach Angaben Mojicas stammen die Paramilitärs aus einem Nachbardorf und stünden unter dem Schutz der mexikanischen Streitkräfte.

In Guerrero wird seit Generationen Marihuana angebaut; die schwer zugängliche Gegend, in der kaum staatliche Kontrolle herrscht, ist zudem Rückzugsgebiet linker Guerillero-Splittergruppen und eine Hochburg des illegalen Holzhandels.

Bodyguards warfen sich zu Boden

Als sich schließlich die Karawane unter dem Schutz einer zehnköpfigen Polizeieskorte auf den Weg machte, setzte sich Augenzeugen zufolge die Aktivistin mit ihrem 17-jährigen Sohn und einer siebenjährigen Tochter vor einer Hügelkuppe etwas von den anderen ab, offenbar weil sie telefonieren wollte.

Das Telefonat war wahrscheinlich ihr Todesurteil: Hinter dem Hügel wurde sie von einem schwer bewaffneten Kommando erwartet, das sofort das Feuer eröffnete und anschließend flüchtete. Die Öko-Aktivistin und ihr Sohn starben im Kugelhagel, die Tochter überlebte. Die Polizisten aber, die die Familie eskortieren sollten, hätten sich angesichts der Übermacht von rund 30 Angreifern auf den Boden geworfen und nicht zurückgeschossen.

Menschenrechtsgruppen verurteilten einstimmig das Attentat. Die Front der Massenorganisationen (FMP) machte den Gouverneur für den Hinterhalt verantwortlich. Trotz der dramatischen Situation habe die Regierung den Aktivisten nicht ausreichend Schutz geboten, sagten sie.

Die regionale Staatsanwaltschaft erklärte, die Aktivistin habe sich zu weit aus dem Schutzkreis der Bodyguards entfernt. Die Landbevölkerung und die natürlichen Ressourcen Guerreros würden schutzlos oder gar unter Mithilfe der miserablen Regierungen der Mafia überlassen, beklagte der Koordinator des Ausbildungszentrums für Kommunale Entwicklung, Javier Monroy Hernández.

Mafia kontrolliert Wasserquellen

Mojica leitete die "Organisation Ökologischer Bauern" von Petatlán und Coyuca de Catalán und hatte sich immer wieder gegen die Holz- und Drogenmafia zur Wehr gesetzt. Seit 2011 wurden 15 Bauernführer der Gegend von der Mafia ermordet, verschleppt oder mussten ins Exil. Die Behörden machen oft gemeinsame Sache mit der Mafia, viele Aktivisten wurden deshalb auch unter fadenscheinigen Vorwänden festgenommen.

Wie José Ramón Aniceto und Pascal Cruz, die soeben nach dreijähriger Haft vom Obersten Gerichtshof freigesprochen wurden. Die beiden Indigenas aus Atla wollten die örtlichen Wasserquellen der Kontrolle der Mafia entziehen und waren wegen eines angeblichen Autodiebstahls verhaftet worden.

Keiner der beiden kann überhaupt Auto fahren; das verdächtige Auto gehörte einem der Mafiabosse. Mexikos Justiz ist eine der ineffizientesten Lateinamerikas. Gerade einmal drei Prozent aller Morde enden in einer Verurteilung. Viele Prozesse basieren ausschließlich auf unter Folter erzwungenen Geständnissen.

Quelle: Reuters
23.10.12 1:07 min.
Die Polizisten sollen im Zusammenhang mit dem Mord am Sohn des ehemaligen Chefs der Partei PRI stehen. Die Männer werden verdächtigt, den 28-Jährigen an das Drogenkartell Zetas ausgeliefert zu haben.
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