30.11.12

Schoko oder Schnaps?

Lasst ab vom Adventskalender-Wahn!

Es gibt sie mit Schokolade, mit Spielzeug, mit Schnaps gefüllt. Oder sie werden liebevoll selbst gebastelt. Dabei richten Adventskalender viel Stress und Unheil an, selbst ohne Mineralöl.

Foto: dapd
Or
Für jeden Tag bis Weihnachten ein Geschenk? So ein Unsinn.

Wer so in den Tag hinein lebt und sich noch mitten im November wähnt, dem sei gesagt, dass an diesem Samstag, schon der Dezember beginnt. Nicht erst am Sonntag. Mithin ergibt sich die Türchen-Pflicht. Und davor natürlich die Adventskalender-Besorgung respektive Herstellung. Erst die Arbeit, dann das Türchen.

Wir haben am Freitag debattiert. Eine nicht-repräsentative Mehrheit der Büroanwesenden war gegen die Adventskalender, natürlich nicht gegen die Daseinsform, aber gegen die damit verbundenen Begleiterscheinungen. So ein Aufwand, stöhnten die Mütter aus der Selber-Bastel-Fraktion.

96 Säcke pro Familie füllen

Wer drei Kinder hat, hat 72 Säckchen zu füllen, womöglich ist der junggebliebene Partner ebenfalls auf Schenkung erpicht, das wären dann 96. Was man da alles besorgen müsse!, seufzte eine Kollegin. Und nie bastelten die Männer mit! Die Frauen nickten.

Ebenfalls sträflich: Konsumkalender. So ein Irrsinn, riefen die Gegner. Zum Ärgernis wurde der Playmobil-Kalender erklärt, der 24 Spielzeugteile enthält. Es gibt ihn etwa mit den Themen "Weihnacht der Waldtiere", "Reiterhof" und "Polizeialarm! Schatzräuber auf der Flucht" Lego bietet die Adventskalender-Bereiche "City", "Friends" und natürlich "Star Wars". Ist das nicht süß? Nein.

Ebenfalls als schlimm wurde befunden: So viele Kalorien. So viel Überfluss. So viel Stress.

Kinder auf dem Schulhof

Eine Mutter wusste davon zu berichten, dass manche Kinder drei Kalender besitzen, einen von den Eltern, zwei von Omas. Da gibt es viel auszupacken, zu essen, zu verwalten. Zu allem Überfluss würden die Kinder auf dem Schulhof Größe und Inhalt diskutieren und so die Erwartungshaltung in die Höhe schrauben. Eine schier ausweglose Situation.

Die konservativen Verfechter des Adventsgedankens plädieren gegen jegliche Form von Geschenk hinter Türchen. Die Kinder werden über Gebühr verwöhnt, ständig muss es Präsente geben. Geschenketerror ist die Influenza der bürgerlichen Gegenwart. Man gibt eben gern und häufig. Das ist schichtenunspezifisch. Das grüne Bürgertum fühlt sich nur besser dabei.

Die häufigste Form ist die des schokoladenunterstützten Kalenders. Dabei ist die billige Schokolade ein falsches Signal, man braucht gar nicht an das Mineralöl darin zu denken. Für 99 Cent 24 Stückchen: nicht gut. Die teuren Alternativen gehören aber ebenso wenig in die Wohnung. Die 10.000-Kalorien-Törtchen oder Doppel-Umpff-Pralinés helfen weder für Vati noch Mutti über den Tag. Auch nicht ganz auf der Linie der besinnlichen Adventszeit sind diverse Kalender mit nackten Mädchen oder die "Schnaps-Minibar 'Schwarzwald Schnäpsle' mit 24 x 0,02 Liter Edelbrände und Liköre (12 Sorten)" für 39,95 Euro.

Teure Engelsbildchen

Die Industrie hat selbst die Freunde des Weihnachtskitschs fest im Blick. Seit Jahren steigen die Preise für Kalender mit Engelsbildchen oder auch bloß Darstellungen von Muh, Mäh und Tätärätätä enorm an. Der Autor gesteht, dass er für seine Liebste ein Kalender-Triptychon mit Nikolaus-Bild erstanden hat. Im Supermarkt hätte er dafür 17 Schokoladen-Adventskalender bekommen. Seltsame Sitten.

Ist Schlichtheit Trumpf, Zurückhaltung ein gutes Gebot? Eigentlich schon. Es geht doch darum, die Zeit beim Verrinnen zu beobachten. Vorfreude aufzubauen. Sich sentimental dem Weihnachtsgedanken hinzugeben. Es geht nicht um die tägliche Portion Lusterfüllung. Ein Ritual ist ein Ritual, fertig. Abrüstungsverhandlungen und Kalender-Kyotoabkommen sind auch in der Familie machbar.

Und die Folge-Daten bedeuten zusätzliche Strapazen. Der Nikolaustag ist viel zu knapp am Dezemberanfang platziert, da war auch unsere Büro-Debattierrunde einig. Kaum sind die Adventskalender unter Dach und Fach, geht das Gerenne schon wieder los. Die gleichen Inhalte: Basteln, Schokolade, Jahreszeiten-Pflicht. Und womöglich noch jemand finden, der Kostüm und Bart überstreift.

Am besten wäre es, man verschöbe im Sinne der Stressminimierung die Daten. Der Adventskalender begänne dann am 7. November, jeden zweiten Tag ein Türchen, Ende am 24. Dezember. Nikolaus wäre vielleicht eine Woche später besser platziert, 13. Dezember. Oder der Einfachheit halber immer am zweiten Samstag im Dezember, ein langer Einkaufstag. Silvester könnte am 3. Januar sein, zur ordentlichen Weihnachtsbewältigung. So viel Zeit muss sein.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Rehearsals - 58th Eurovision Song Contest
22:29Live-Ticker
Rumäniens Dracula-Kastrat malträtiert ESC-Publikum

Beim Eurovision Song Contest im schwedischen Malmö geht es heute Abend um die internationale Schlagerkrone. Deutschland schickt mit "Glorious" von "Cascada" einen aussichtsreichen Titel ins Rennen. mehr...

Die Norwegerin Margaret Berger gilt als Favorit
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Stimmen Sie für Ihren Favoriten

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Tod im Badeparadies: Ein 15-Jähriger starb in „Tropical Island“
18:28Badeunfall
15-Jähriger stirbt beim Baden im Freizeitparadies "Tropical Islands"

Im Freizeitbad "Tropical Islands" ist ein Jugendlicher leblos im Wasser gefunden worden. Der Junge wurde noch in eine Klinik gebracht. Doch alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
17:35Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote