29.11.12

US-Lotto

Zwei Gewinner teilen sich Jackpot über 449 Millionen Euro

Es war der zweitgrößte Jackpot aller Zeiten: Zwei Glückspilze haben die Powerball-Lotterie geknackt. Doch ihnen droht auch die Pleite.

Foto: AFP

An einem One Stop Mart in Chicago werden die Gewinnsummen der verschiedenen Lotterien angezeigt. Beim Powerball belief sich der Jackpot auf 550 Millionen US-Dollar
An einem One Stop Mart in Chicago werden die Gewinnsummen der verschiedenen Lotterien angezeigt. Beim Powerball belief sich der Jackpot auf 550 Millionen US-Dollar

Glückpilze in zwei US-Staaten dürfen sich auf den gigantischen Geldsegen des zweithöchsten Lotto-Jackpots der Geschichte des Landes freuen: Auf die beiden Gewinner-Lose, die in Arizona und Missouri gekauft worden waren und nun den Jackpot knackten, entfallen insgesamt umgerechnet rund 449 Millionen Euro, wie die Powerball-Lotterie am Donnerstag mitteilte.

Der bislang größte Lotto-Jackpot des Landes hatte sich im März angesammelt: Die Mega-Millions-Lotterie schüttete damals umgerechnet 508 Millionen Euro aus. Drei Parteien teilten sich den Gewinn.

Die Aussicht auf einen Mega-Gewinn in der Powerball-Lotterie hatte einen Massenansturm auf die Lose ausgelöst. In den letzten Stunden vor der Ziehung am Mittwoch wurden im Durchschnitt pro Minute 130.000 Stück verkauft, also fast acht Millionen pro Stunde. "Der Verkauf verlief so schnell und so heftig, dass Schätzungen schwer wurden", sagte Powerball-Sprecherin Mary Neubauer im US-Staat Iowa.

Die USA im Lotto-Fieber

Lamar Fallie, ein Arbeitsloser aus Chicago, hatte gleich sechs Lose gekauft – und dann gehofft. Sollte er gewinnen, gab er zu Protokoll, wolle er seiner Kirchengemeinde und Schulen spenden "und mich von der Arbeitslosigkeit pensionieren lassen".

Yvette Gavion, die Fallie die Lose verkauft hatte, ließ sich vom Lotto-Fieber anstecken und spielte gegen ihre Gewohnheit selbst. "Viele Kunden haben mir versprochen, mir etwas abzugeben, sollten sie gewinnen. Aber das will ich mal abwarten", sagte sie.

16 Ziehungen lang gab es bei Powerball keinen Gewinner

Bei der Powerball-Lotterie war es in 16 Ziehungen nicht gelungen, den Jackpot zu knacken. Wegen des Ansturms auf die Lose musste die Lotto-Gesellschaft zweimal binnen zwei Tagen den Jackpot erhöhen. Experten waren davon ausgegangen, dass es bei der Ziehung am Mittwochabend (Ortszeit) immerhin eine 75-prozentige Chance gab, endlich einen oder mehrere Gewinner zu ermitteln.

Überall im Land hatten Lottospieler der Ziehung entgegengefiebert. "Man geht ins Bett und wünscht sich, als Millionär aufzuwachen", sagte Fischhändler Billy Fulginiti in Philadelphia, der zusammen mit anderen mehr als 50 Lose gekauft hatte. Sollte er gewinnen, stehe erst einmal für ihn selbst ein langer Urlaub an "und dann will ich vielen Menschen helfen".

Ceejay Johnson, Analystin in Detroit im US-Staat Michigan, will ihrer Schwester ein Haus kaufen, sollte sie gewinnen. Dann würde sie sich verstecken "auch vor dem Finanzamt", scherzt sie. Die Glückszahlen der Lotterie waren 5, 16, 22, 23, 29 und die Powerball-Zahl 6.

Mit dem Geldsegen kam der Fluch

Doch was tun mit dem Geldsegen? Vielleicht ein ausgedehnter Urlaub in den Tropen oder ein neues Auto? Glückspilze, die das alles bereits hinter sich haben, und Finanzexperten wissen es besser. Ihr Rat: gut haushalten, weise investieren, lernen, auch einmal "Nein" zu sagen – und darauf vorbereitet sein, auf der Gefühls-Achterbahn aus Freude, Angst, Schuldgefühlen und Misstrauen Freunde zu verlieren.

"Ich musste mich an ein neues Leben gewöhnen", sagte Sandra Heyes, die sich 2006 einen Lotto-Gewinn über 224 Millionen Dollar (heute umgerechnet 174 Millionen Euro) mit einem Dutzend Kollegen teilte. Nach Abzug der Steuern kassierte sie auf einmal sechs Millionen Dollar. "Ich musste es aushalten, dass Menschen gierig sind und versuchen, an dein Geld zu kommen. Das hat sehr weh getan.", so die frühere Sozialarbeiterin. "Das waren Menschen, die ich sehr liebte, und die sich dann in Vampire verwandelt haben."

Die Millionärin kauft immer noch in Billigläden ein

Die alleinerziehende Mutter behielt ihren Job beim Staat, zahlte einen Studentenkredit über 100.000 Dollar und eine Hypothek über 70.000 Dollar zurück, verbrachte eine Woche auf Hawaii und kaufte sich einen Lexus. Aber sechs Jahre nach dem Millionengewinn kauft sie immer noch in Billigläden ein und lebt von den Zinsen.

"Ich kenne eine Menge Leute, die im Lotto gewonnen haben und heute pleite sind", so Heyes. "Wer nicht diszipliniert ist, geht pleite. Da ist es völlig egal, wie viel Geld man gewonnen hat."

Gerne zeigen die Lotto-Gesellschaften die glücklichen Gewinner auf Pressekonferenzen vor, wie sie überdimensionierte Schecks herzen. Doch häufen sich die Berichte über vermeintliche Glückspilze, die in den finanziellen Ruin schlittern und verzweifelt scheitern.

Bis zu 70 Prozent der Lottogewinner verdaddeln ihren Gewinn

Da ist die zweimalige Lotto-Gewinnerin aus New Jersey, der ihre 5,4 Millionen Dollar nur so durch die Finger gerieselt sind. Ein Mann aus West-Virginia, der vor zehn Jahren 315 Millionen Dollar kassierte, macht den Mega-Gewinn für den Drogentod seiner Enkelin, seine Scheidung, Hunderte Gerichtsverfahren und den Umstand verantwortlich, dass er keine echten Freunde hat.

Nach Schätzung einer US-Stiftung, die sich um die Bildung der US-Bürger in Finanzdingen kümmert, verdaddeln bis zu 70 Prozent der Lottogewinner ihren Geldsegen binnen weniger Jahre. "Seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen ist eine der größten Herausforderungen", sagt der Sprecher des National Endowment for Financial Education, Paul Golden. "Wer nie zuvor Gelddinge gemanagt hat, für den kann es sehr verwirrend werden. Es ist falsch zu glauben, man müsse sich nie wieder um Geld Sorgen machen."

Viele habe es aber auch richtig gemacht. Wie David Gehle. Mit Kollegen seiner Fleisch verarbeitenden Firma in Nebraska hatte er vor sechs Jahren 365 Millionen Dollar eingestrichen. Seinen Job hängte er an den Nagel, heute verbringt er seine Zeit mit Holzbasteleien und Freizeitsport. Der größte Teil seines Gewinns ist investiert, sein altes Auto hat der 59-Jährige aber immer noch. "Ich bin ein ganz normaler Typ. Ich war nie dafür, Geld für große, teure Wagen auszugeben. Hauptsache, er läuft."

Konservativ investieren und von den Zinsen leben

Im ersten Jahr nach seinem Lotto-Gewinn waren für Michael Terpstra vor allem die Nächte hart. "Ich bin immer wieder aufgewacht und dachte, das ist alles nur ein Traum", erzählt der 54-Jährige. "Dann bin ich umher gewandert und habe mir gesagt: Ja, ich habe gewonnen." Zuerst war er von Angst beherrscht – dass er all das Geld wieder verlieren würde und wieder arbeiten müsste.

Deshalb steckte er den Gewinn in konservative Investitionen und lässt Fachleute darüber wachen. Ein neues Haus gönnte er sich, auch einen neuen Wagen. Aber von Extravaganzen hielt er sich fern.

Sandra Heyes hat auch nach ihrem Millionengewinn das Lotto-Fieber nicht verlassen. Vor der Ziehung vom Mittwoch kaufte sie sich zehn Lose. Aber sie sieht ihre Mission auch darin, anderen dabei zu helfen, mit dem Geldsegen zurechtzukommen. "Wenn bei dieser Ziehung jemand gewinnt, möge Gott ihm beistehen. Er wird es brauchen."

Quelle: dapd/alu
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