27.11.12

Marine

Segelschulschiff "Gorch Fock" sticht wieder in See

Zwei Jahre nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage fährt die "Gorch Fock" wieder zur See. Ziel sind die Kanaren.

Foto: dpa

Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ ist in Richtung Kanarische Inseln aufgebrochen
Das Segelschulschiff "Gorch Fock" ist in Richtung Kanarische Inseln aufgebrochen

Zwei Jahre nach dem Todessturz einer Kadettin aus der Takelage ist die "Gorch Fock" am Dienstag wieder zu einer Ausbildungsreise ausgelaufen. Erstmals nach der Affäre um die Ausbildungsmethoden an Bord startete das Segelschulschiff zu einem neuen Ausbildungstörn. Um 9.57 Uhr hieß es an der Tirpitzmole im Heimathafen Kiel: "Leinen los".

Abschied in Kiel

Unter dem neuen Kommandanten Helge Risch nimmt das Schiff Kurs auf die Kanarischen Inseln. "Ich weiß, was dieses Schiff kann, und dass ich eine tolle Besatzung habe", sagte der 49-Jährige. An Land verabschiedeten zahlreiche Angehörige die 150 Mann starke Besatzung. Das Marinemusikkorps Ostsee spielte Shantys, als die Crew in olivgrünen Anzügen in die Wanten stieg, um die weißen Segel des Dreimasters zu setzen. "Die "Gorch Fock" ist und bleibt ein maritimes Wahrzeichen Deutschlands", sagte Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU).

Ausbildungsstart im Januar

Neben den rund 90 Mann der Stammbesatzung ist für den ersten Teil der Reise eine Segelcrew aus Rekruten an Bord. Im Januar sollen erstmals wieder Kadetten auf der "Gorch Fock" das seemännische Handwerk erlernen. Nach dem tödlichen Sturz einer Soldatin während der Segelvorausbildung an Bord im November 2010 war das Ausbildungskonzept auf dem Schiff in die Kritik geraten. Eine weitere Offiziersanwärterin war 2008 aus bislang ungeklärter Ursache von Bord gefallen und ertrunken.

Im Zuge der Affäre waren Vorwürfe über unmenschliche Ausbildungsmethoden und sexuelle Belästigung laut geworden. Auch ein mögliches Ende der Ausbildung an Bord wurde damals diskutiert. Kommandant Norbert Schatz musste schließlich gehen. Nach Ansicht seines Nachfolgers Risch sind sowohl das Schiff nach knapp zehn Millionen Euro teurer Reparatur als auch die Besatzung "gut vorbereitet". Das Ausbildungskonzept der Marine wurde überarbeitet. Künftig verbringen die Kadetten sieben statt bislang sechs Wochen an Bord der Bark.

Neuer Übungsmast

Für 1,4 Millionen Euro ließ die Marine an der Marineschule Mürwik in Flensburg einen 28 Meter hohen Übungsmast aufstellen. Die Kadetten der aktuellen Crew haben dort bereits die Grundkenntnisse zum sicheren Arbeiten in der Takelage erlernt, bevor sie Ende Januar das erste Mal an Bord gehen. Aber auch die Stammbesatzung hat dort trainiert.

"Die Marine hat ganz bewusst an bewährten Dingen festgehalten, aber auch ganz bewusst analysiert, welche Teile der Ausbildung nicht mehr zeitgemäß sind und welche Teile Veränderungen bedürfen", sagte Kommandant Risch. So gibt es nun zusätzliche Sicherungen in der Takelage. "Das Aufentern dauert dadurch etwas länger", sagte Bernd Abshagen. Der 32-Jährige gehört zur Stammbesatzung des Schiffs. Die neuen Systeme seien "alle gut und wohldurchdacht".

"Eine risikolose Takelage gibt es nicht"

Kommandant Risch ist überzeugt, dass die erfolgten Veränderungen erforderlich waren. "Es ist genau an den Stellschrauben verändert worden, wo es notwendig ist", sagte er. Durch neue Sicherungen sei die Gefährdung der Soldaten in der Takelage erheblich reduziert worden. "Eine risikolose Takelage gibt es jedoch nicht", sagte er. Nun gehe es für die Marine darum, praktische Erfahrungen sammeln.

Die "Gorch Fock" setzt zunächst Kurs auf den Skagerrak. Am 19. Dezember soll das Schiff in Las Palmas ankommen. Dann stehen in den dortigen Gewässern zunächst Segelübungen für die Stammbesatzung auf dem Programm. Über Weihnachten und den Jahreswechsel wird das Schiff im Hafen der Hauptstadt von Gran Canaria liegen.

Am 20. Januar werden die ersten von insgesamt 220 Offiziersanwärtern an Bord gehen. Dann wolle er sich zunächst augenscheinlich davon überzeugen, ob die Veränderungen zum Erfolg geführt hätten, sagte Risch. "Davon ist auch meine Entscheidung abhängig, inwieweit ich die Kadetten sofort in allen Bereichen des Schiffes einsetzen kann oder nicht."

Rund 35 Mal um die Erde

Seit Indienststellung 1958 erlernten 15.000 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter auf dem Schiff ihr seemännisches Rüstzeug. Bislang legte die Bark bereits mehr als 750 000 Seemeilen zurück. Das entspricht umgerechnet circa 35 Erdumrundungen.

Von den Kanaren soll es im kommenden Jahr unter anderem über Lissabon nach London gehen. Dort endet die Ausbildungsphase. Von der britischen Hauptstadt aus soll das Schiff Kurs auf seine Patenstadt Hamburg nehmen. Nach dem Hamburger Hafengeburtstag wird das Schiff dann am 18. Mai 2013 wieder in Kiel zurückerwartet.

Quelle: ddp/pas
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