27.11.12

Untersuchung

Mineralöl verdirbt Freude am Schoko-Adventskalender

Die Stiftung Warentest warnt: In 24 Adventskalendern wurden Mineralöl oder ähnlich gefährliche Substanzen nachgewiesen.

Von Nina Dinkelmeyer
Quelle: dapd
26.11.12 0:56 min.
Die Stiftung Warentest konnte in der Schokolade von Adventskalendern vieler Hersteller Rückstände von Mineralöl und ähnlich giftigen Substanzen nachweisen. Die Schokolade sollte nicht verzehrt werden.

Für viele Kinder schmeckt die Vorweihnachtszeit süß und nach Vollmilchschokolade. Für sie gibt es nicht nur eine große Bescherung an Heiligabend, sondern auch viele kleine, wenn sie ab dem 1. Dezember jeden Tag ein Türchen in ihrem Schoko-Adventskalender öffnen dürfen. Dann wissen sie: noch 24 Mal schlafen bis Weihnachten oder eben auch nur noch ein einziges Mal.

Viele Eltern sehen in der Adventszeit gerne darüber hinweg, dass ihre Kinder deswegen jeden Tag – häufig noch morgens vor der Schule – eine kleine Süßigkeit naschen. Doch ein neuer Test der Stiftung Warentest in Berlin dürfte sie beunruhigen. In der Schokolade einiger Adventskalender sollen giftige Ölreste enthalten sein.

Die Stiftung Warentest überprüfte in der Untersuchung, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden, 24 Exemplare von Weihnachtskalendern mit Schokolade und wies in Schokostücken von allen Rückstände von Mineralöl und ähnlichen chemischen Substanzen nach. Die Ölreste stammen laut des Tests vermutlich vorrangig aus den Kartonverpackungen. Die werden meist aus recyceltem Altpapier hergestellt und können mineralölhaltige Farben aus dem Zeitungsdruck enthalten. "Sie sind der Hauptübeltäter", sagte Ina Bockholt von der Stiftung Warentest Morgenpost Online am Montag.

In der Schokolade angereichert

Zudem können die Öle aber auch aus Farben stammen, die neu aufgedruckt wurden: Weihnachtsmänner mit roter Montur, Winterlandschaften, bunte Sterne – auch die typischen Adventskalendermotive könnten aus mineralölhaltigen Farben bestehen. Da die Schokolade häufig ungeschützt im Karton liege, könnten die Mineralölbestandteile so in die Süßigkeiten übergehen. "Schokolade hat einen hohen Fettgehalt, deswegen können sich die Öle darin gut anreichern", sagte Bockholt.

Neun der 24 getesteten Adventskalender enthielten sogar besonders kritische Mineralölbestandteile in den Schokostückchen, sogenannte aromatische Mineralöle. "Aromaten" sind ringförmige Kohlenwasserstoffe, die oft besonders stabil sind. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln relevant ist ihr Gesundheitsrisiko: "Ein Teil von ihnen steht in Verdacht, Krebs zu erregen", sagte Bockholt. Deshalb hätten sie nichts in Adventskalen dern für Kinder verloren. Besonders schlecht haben hierbei nicht nur Billighersteller abgeschnitten, sondern auch Confiserien mit hochpreisiger Schokolade: Bei den neun Produkten handelt es sich um Adventskalender der Marken Rausch, Confiserie Heilemann, Arko, Riegelein "The Simpsons", Feodora Vollmilch-Hochfein Chocolade, Smarties, Hachez Adventskalender "Schöne Weihnachtszeit", Friedel Adventskalender und Lindt "Adventskalender für Kinder". Hier rät die Stiftung Warentest aus vorsorglichem Verbraucherschutz, dass insbesondere Kin der die Schokolade nicht essen sollten.

Zudem fanden die Prüfer noch andere Mineralöltypen in der Adventskalender-Schokolade, sogenannte nicht-aromatische Mineralöle. Deren Wirkung auf den Menschen sei ungeklärt, und es gebe noch keine Grenzwerte. "Man weiß aber, dass sie in menschliches Gewebe übergehen können", so Bockholt. Außerdem hätten Tierversuche einen Zusammenhang mit Entzündungen in der Leber gezeigt. Zwölf Kalender waren zum Zeitpunkt der Analyse nur gering mit nicht-aromatischen Mineralölen belastet und frei von aromatischen Mineralölrückständen.

Ein Teil des Problems besteht laut Stiftung Warentest auch darin, dass viele der schätzungsweise 50 Millionen Adventskalender, die in Deutschland jedes Jahr verkauft werden, bereits viele Wochen vor dem 1. Dezember im Handel lägen. Je länger ein Lebensmittel Mineralölen ausgesetzt sei, desto mehr würden aus dem Recyclingpapier auch in das Produkt eindringen. "Hier ist auch die Druckfarbenindustrie gefragt, auf mineralölfreie Farben umzusteigen", sagte Bockholt.

Bundesinstitut sieht geringe Gefahr

Der Bundesverband der Süßwarenindustrie erklärte hingegen, die Messwerte der Stiftung Warentest seien keine Grundlage für die Bewertung der Schokolade. Einen gesetzlichen Grenzwert für Mineralölbestandteile in Lebensmitteln gibt es laut Süßwarenindustrie nicht, weil die enthaltenen Spuren auch für Kinder gesundheitlich nicht relevant seien. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärte, dass man ohnehin täglich aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe über die Nahrung aufnehme. Esse man ein Schokostück aus den Adventskalendern, ergebe sich daraus nur ein sehr geringer zusätzlicher Anteil. Der Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen aus der Verpackung in die Schokolade sei jedoch "wegen des nicht auszuschließenden kanzerogenen Risikos grundsätzlich unerwünscht".

Vonseiten der Hersteller reagierte man bereits auf den Test: Die Süßwarenkette Arko nimmt ihren beanstandeten Kalender aus dem Sortiment. "Wir haben rein vorsorglich entschieden, den betroffenen Artikel sofort aus dem Verkauf zu nehmen", sagte Geschäftsführer Torsten Teufert. Reklamierenden Kunden werde der Kaufpreis erstatten. Arko gehe aber zunächst davon aus, dass keine Gefährdung von dem Produkt ausgehe. Das Unternehmen werde den Adventskalender nun in eigenen Tests untersuchen lassen.

Die Firma Rausch hat ihren Adventskalender an verschiedene Institute zur Untersuchung geschickt. Allerdings würden die von der Stiftung Warentest genannten Werte keine Gesundheitsgefährdung darstellen. Der Adventskalender sei "voll verkehrsfähig" und entspreche "lebensmittelrechtlichen Normen".

Auch der Geschäftsführer der Confiserie Heilemann, Peter Schrage, reagierte: "An unserer Schokolade liegt es nicht. Offenbar hat sich ein Zulieferer nicht an unsere Spezifikationen gehalten." Normalerweise verwende Heilemann keine Recyclingmaterialien für die Verpackung. Ein anderer Kalender, den die Firma für einen Kunden hergestellt habe, sei sehr gut bewertet worden.

Die im Test untersuchten Kalender könnten Verbraucher anhand der Motivfotos auf der Internetseite identifizieren.

Quelle: mit dapd
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