26.11.12

Nach Warentest-Urteil

Erste Firma zieht belastete Schoko-Adventskalender zurück

Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass die Schokolade in einigen Adventskalendern Mineralöl enthält. Die ersten Firmen reagieren.

Foto: dpa

Die Stiftung Warentest teilte mit, Schokostückchen von neun Produkten hätten besonders kritische Stoffe enthalten, sogenannte aromatische Mineralöle
Die Stiftung Warentest teilte mit, Schokostückchen von neun Produkten hätten besonders kritische Stoffe enthalten, sogenannte aromatische Mineralöle

Die Süßwarenkette Arko hat einen Adventskalender für Kinder zurückgezogen, bei dem die Stiftung Warentest Mineralöl in der Schokolade gefunden hatte. "Wir haben rein vorsorglich entschieden, den betroffenen Artikel sofort aus dem Verkauf zu nehmen", sagte Geschäftsführer Torsten Teufert am Montag. Arko werde Kunden den Kaufpreis erstatten.

Der Geschäftsführer der Confiserie Heilemann, Peter Schrage, sagte auf Anfrage, der gesamte Produktionsprozess werde nun im Labor untersucht. Eine Sprecherin von Riegelein Confiserie erklärte, Analysen des "Simpsons"-Adventskalenders seien in Auftrag gegeben worden.

Die Stiftung Warentest hatte zuvor in der Schokolade von Adventskalendern für Kinder Mineralöl und ähnliche Substanzen nachgewiesen, von denen einige im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Verbraucher, besonders Kinder, sollten diese Schokolade nicht essen, riet die Stiftung.

Die Öle stammten wahrscheinlich aus dem Karton. Er werde häufig aus Recyclingpapier hergestellt, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt sei. Die Stoffe seien vermutlich während der Lagerzeit in die Schokolade eingedrungen, weil diese direkt im Karton liege, sagte eine Sprecherin der Stiftung auf dapd-Anfrage.

Auch Risikobewerter raten vom Verzehr ab

Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärte, unter der Annahme des Verzehrs von einem Schokoladenstück pro Tag ergebe sich nur ein sehr geringer zusätzlicher Anteil zu der ohnehin erwarteten täglichen Aufnahme von aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffen über die Nahrung. Der Übergang von Kohlenwasserstoffen aus der Verpackung in die Schokolade sei jedoch "wegen des nicht auszuschließenden kanzerogenen Risikos grundsätzlich unerwünscht und sollte vermieden werden".

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie erklärte in Bonn, die Messwerte der Stiftung Warentest seien "keine geeignete Grundlage für die Bewertung der Schokolade, denn derzeit gibt es kein analytisches Verfahren, welches die Analyse von Mineralöl-Bestandteilen verlässlich erlaubt". Der Gesetzgeber habe bislang ausdrücklich auf einen Grenzwert in Lebensmitteln verzichtet, da die enthaltenen Spuren auch für Kinder gesundheitlich nicht bedeutsam seien.

Verpackungszulieferer im Verdacht

Heilemann-Geschäftsführer Schrage sagte: "An unserer Schokolade liegt es nicht. Offenbar hat sich ein Zulieferer nicht an unsere Spezifikationen gehalten." Normalerweise verwende Heilemann keine Recyclingmaterialien für die Verpackung. Ein anderer Kalender, den die Firma für einen Kunden hergestellt habe, sei sehr gut bewertet worden. Anders als von der Stiftung dargestellt sei der Verzehr der Schokolade aus den Kalendern aber unbedenklich.

Die Stiftung Warentest teilte mit, Schokostückchen von neun Produkten hätten besonders kritische Stoffe enthalten, sogenannte aromatische Mineralöle. Die Tester hätten die Stoffe bei Kalendern mit Kindermotiven nachgewiesen, und zwar der Marken Rausch, Confiserie Heilemann, Arko, Riegelein "The Simpsons", Feodora Vollmilch-Hochfein Chocolade, Smarties, Hachez Adventskalender "Schöne Weihnachtszeit" sowie Friedel Adventskalender und Lindt "Adventskalender für Kinder".

Darüber hinaus hätten die Tester noch andere Mineralöltypen in der Schokolade gefunden. Deren Wirkung auf den Menschen sei noch nicht geklärt. Allerdings hätten Tierversuche einen Zusammenhang mit Entzündungserscheinungen in der Leber gezeigt.

Die im Test untersuchten Kalender könnten Verbraucher anhand der Motivfotos auf der Internetseite identifizieren.

Quelle: dapd/sei
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