25.11.12

"Tatort"

Boerne und Thiel gegen Ziegen, Pfau und Rinder

Ein toter Heilpraktiker in Münster: Im "Tatort" beharken sich Boerne und Thiel wie eh und je. Dennoch kommt die Geschichte nur langsam in Schwung – sie ist um Überraschungen bemüht.

Foto: WDR
Mord am Sonntag Tatort.IMG

Das Verdauungssystem der Ziege hat mehrere Vormägen. Darin kann einiges verschwinden, auch ein Beweismittel. Das ist nicht die einzige Information aus der Fauna, die der Tatort "Das Wunder von Wolbeck" bereithält.

Auch Besamungspraktiken für Rinder spielen eine Rolle, wenn der Münsteraner Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und sein Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) diesmal ermitteln. Um das Positive vorwegzunehmen: Ein Wiederkäuer ist dieser "Tatort" nicht. Er ist um Überraschungen bemüht.

Der Tote war auf Frauen spezialisiert

Auf einem restaurierten Hof wird ein Heilpraktiker tot aufgefunden. Schnell finden Thiel und Boerne heraus, dass der Mann auf weibliche Patienten spezialisiert war. Unklar bleibt zunächst, wie viel die verstörte Ehefrau (etwas zu theaterhaft: Lina Beckmann) von der Spezialisierung wusste und was es mit der geheimnisvollen Rothaarigen vom Nachbarhof auf sich hat. Und dann sind da noch die drei Brüder Krien, die mit dem Toten befreundet waren und den Ermittlern mit ihrer Maulfaulheit das Leben schwer machen.

Anton Tschechow hat für das Theater einmal die "Gewehr-Regel" formuliert: Wenn im ersten Akt ein Gewehr zu sehen ist, muss im letzten Akt damit geschossen werden. Die Macher von "Das Wunder von Wolbeck" scheren sich wenig um diese Regel. Ein Pfau wird darin so aufdringlich oft gezeigt, dass man ihn am Ende am liebsten mit Tschechows Gewehr erschießen möchte.

Zur Aufklärung des Falls trägt das Tier aber nicht bei und im Gegensatz zu den Rindern auch nicht zur Symbolik. Eine andere Tschechow-Fährte erweist sich als Irrweg. Immerhin ist das Ganze visuell elegant inszeniert (kämpfende Ziegenböcke vor Boernes Auto!) und mit einigen hübschen Einfällen durchsetzt.

Die Brüder Krien wirken wie eine Mischung aus den Ludolfs und den Protagonisten einer Bierwerbung. Der Jüngste von ihnen (Jan-Peter Kampwirth) ist dabei im wirklichen Leben der Bruder des Rinderzüchters Moritz Kintrup (Stephan Kampwirth), der wie seine Mutter zum Kreis der Verdächtigen zählt.

Thiel und Boerne bringen ihre Zuneigung wie gewohnt mit bissigen Wortwechseln zum Ausdruck, wobei der Rechtsmediziner noch für ein anderes Wesen entflammt. "Das Wunder von Wolbeck" ist zwar erholsam frei von Gesellschaftskritik. Aber die Geschichte kommt dennoch nur schwerfällig voran. Um bei der Ziege zu bleiben: Der Verdauungsprozess dieses Tatorts führt durch so viele Vormägen, dass sich der Geschmack erst spät einstellt.

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