24.11.12

Promiskuitäts-Ranking

Hannover bis Schanghai – Wo die Sexprotze wohnen

Eine Umfrage unter 25.000 Männern des Partnerschaftsportals Seekingarrangement.com zeigt: Hannover, Paris, Madrid liegen am untersten Ende der Sexualaktivitäten, Nordengland dagegen an der Spitze.

Foto: Getty Images/Vetta

Mehr als eine Eroberung im Monat? Alle sexuellen Erhebungen haben einen wesentlichen Mangel: Wieviel über- oder untertrieben wird, ist kaum verlässlich feststellbar
Mehr als eine Eroberung im Monat? Alle sexuellen Erhebungen haben einen wesentlichen Mangel: Wieviel über- oder untertrieben wird, ist kaum verlässlich feststellbar

Die berühmteste Bilanz eines Sexprotzes liegt leider nicht schriftlich vor – die Liste gibt es nur gesungen. Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, Text: Lorenzo da Ponte. Don Giovannis Rechnung, lakonisch aufgemacht vom Diener Leporello, wirft nicht gerade ein gutes Licht auf Spanien: Mit 1003 Frauen im Bett. Deutschland war mit 230 nicht schlecht, in Frankreich mussten 100 genügen. 46 Signoras gaben alles im katholischen Italien.

Nicht auszuschließen ist, dass einige Jahrhunderte später praktisch jeder Mann mit Stolz auf die Kraft und Herrlichkeit in der Hose einen "Leporello" führt, die meisten insgeheim, manche zur Vorlage und zum Vergleich mit anderen Leistungsträgern. Die US-amerikanischen Online-Partnerschaftsseite Seekingarrangement.com hat diesen Contest jetzt mit einer demoskopischen Bestandsaufnahme auf ein weltläufiges Vergleichsniveau gebracht.

Ans unterste Ende abgerutscht: Madrid

Die neue Erhebung deckt einen historischen Wandel auf: Danach liegt die ödeste Landschaft für Frauenjäger in und um Hannover und in Madrid – was ein krasser Gegensatz ist zum historischen Beuterevier Don Giovannis (Sevilla, 17. Jahrhundert). In Madrid, ans unterste Ende der Sexualaktivitäten abgerutscht, schafft es ein mittelmäßig versierter Mann mit durchschnittlich drei bis vier Frauen im Jahr ins Bett.

Die erfolgreichsten Trophäensammler – was aber auch umgekehrt stimmen kann: Die fleißigsten unter den aktiv verführerischen Frauen – leben dagegen laut Internet-Umfrage im hohen englischen Norden. Die 70.000-Seelen-Gemeinde Carlisle ist die letzte Stadt vor der schottischen Grenze. Dort, wo die Römer einst den Hadrianwall bauten (und König Artus laut alter englischer Sage ein zweites Camelot gegründet haben soll), werfen im Jahr 2012 die männlichen Einwohner eine stattliche Zahl in den Ring: Mit 14 oder mehr verschiedenen Frauen im Jahr will jeder der befragten Männer dort Sex gehabt haben.

Mehr als eine Eroberung im Monat

Auf den Monat gerechnet bedeutet das für jeden der befragten Don Giovannis aus Carlisle mehr als eine Eroberung. Macht statistisch viermal so viele Geschlechtspartnerinnen wie bei einem durchschnittlich polygamen Franzosen in Paris, das in den Reiseführern – irrtümlich, wie sich jetzt herausstellt – unter "Hauptstadt der Liebe" läuft.

Mit seiner abwechslungsreichen Liebeskultur verweist das Städtchen Carlisle die tschechische Haupststadt Prag sowie Wien und das griechische Mykonos auf die Plätze. Auch in diesen Städten gibt es Männer, die behaupten, mit 14 Frauen im Jahr zu schlafen – allerdings sind es durchschnittlich nur zwischen 70 und 80 Prozent.

Die sportlichen Männer aus Carlisle haben auf ihren Internetfragebögen nicht nur signifikant mehr Sexualpartner als alle anderen Mitbürger in Großbritannien mit durchschnittlich 9,3 Eroberungen im Jahr notiert – sondern auch mehr als doppelt so viele Sexualpartner wie die meisten deutschen Männer (7,4 Frauen im Jahr).

Gold in der Promiskuitäts-WM: China

Nach einer anderen und bislang unwiderlegten und umfangreichen Erhebung aus dem Jahr 2008, präsentiert vom führenden Kondomhersteller Durex, geht die Goldmedaille in der Weltmeisterschaft der Promiskuität allerdings an die Chinesen. Mit einem souveränem Vorsprung bei durchschnittlich 19,3 Sexualpartnern legen sie einen Respektsabstand zwischen sich und die zweitplatzierten Brasilianer, die im Schnitt die Bettbelegung durchschnittlich 15,2 Mal im Jahr wechseln.

Inder sind besonders treu

Demgegenüber waren die Vietnamesen mit 2,5 Sexpartnern besonders treu, und auch die Inder halten deutlich mehr von Monogamie als die meisten anderen Nationen.

Doch wie verlässlich sind Erhebungen wie diese? "Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht." Diesen Satz soll der Kabarettist und Schriftsteller Joachim Ringelnatz gesagt haben – und es ist dieser Satz, den seriöse Sexualwissenschaftler weltweit zu ihrem Motto erhoben haben. Denn das Sexualverhalten des Menschen ist trotz Aufklärung und sexueller Revolution in den westlichen Ländern keineswegs zuverlässig erforscht. Die Erkenntnisse aus den Erhebungen sind durch einen prinzipiellen Mangel eingeschränkt: Die Zahlen beziehen sich fast immer auf Mitteilungen von Befragten – schwer zu sagen, wieviel dabei gelogen und unter- oder übertrieben wird.

"Die Erhebung der Primärdaten", klagt der Kölner Mathematikprofessor Jürgen Weyer, "ist ein fast unlösbares Problem." Der Naturwissenschaftler betreibt eine "Unternehmensberatung für Mathematische Modellbildung", die vor allem den privaten Krankenkassen behilflich ist. Weyer gilt unter anderem als ein verlässlicher Experte für die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten. Weyer weiß: Wer als seriöser Forscher eine Statistik zur durchschnittlichen Zahl von Sexualpartnern und deren Beischlaffrequenz zitiert, gerät in Gefahr, den Gesamt-Leporello alle großspurigen Möchtegern-Don Giovannis vorzutragen.

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