24.11.12

Karl Lagerfeld

"Wenn ich geradeaus gucken muss, schlafe ich ein"

Auch wenn sich Karl Lagerfeld für einen schlechten Fahrer hält, mit der Kamera ist er ein Rolls-Royce unter den Kreativen. Jetzt hat er die Schönheit seines Luxusmobils entdeckt und in Szene gesetzt.

Foto: ROLLS-ROYCE
Karl Lagerfeld und sein Rolls-Royce. Im Rückspiegel: Die südfranzösische Küste
Karl Lagerfeld und sein Rolls-Royce. Im Rückspiegel: Die südfranzösische Küste

Die Straße schlängelt sich durch ein herrschaftliches Doppelflügeltor auf ein sehr grünes Gelände mit einem typisch englischen, top gepflegten Rasen. Das Wetter ist wie erwartet: neblig trüb. Das Anwesen des Earl of March and Kinrara beeindruckend. Willkommen in Goodwood, idyllisch im südenglischen Sussex gelegen.

Nachdem BMW vor gut 14 Jahren die kriselnde britische Kultmarke Rolls-Royce übernommen hatte, wurde auch gleich der Sitz des Unternehmens verlegt und in Goodwood, dem Mekka der Liebhaber von historischen Autos und Fluggeräten, eine ganz neue Fabrik gebaut. Und so zog das 1904 von dem Konstrukteur Frederick Henry Royce gemeinsam mit dem Autohändler Charles Rolls gegründete Unternehmen aus dem industriellen Manchester in den grünen Süden in gläserne, unter ökologischen Aspekten geplante Werkhallen.

Zum coolen, zeitgemäßen Auftritt gehört auch Kunst-Sinn. Das ganze Jahr über sah Rolls-Royce sich als Partner für Icons of Art – dabei interpretierten zeitgenössische Künstler die Kunstfertigkeit der Automobile. Zu den vorangegangenen Veranstaltungen gehörten Ausstellungen von John Zinsser, Marie-Jo Lafontaine und Isaac Julien. Die Reihe endet im Dezember auf der Art Basel Miami.

Der Höhepunkt an Aufmerksamkeit wurde allerdings wohl vergangene Woche erreicht. Denn wenige Tage bevor Karl Lagerfeld seine Ausstellung "Little Black Jacket" in Berlin eröffnete, präsentierte der umtriebige Designer, prämierte Fotograf und Rolls-Royce Besitzer in Goodwood die Ausstellung "A Different View" mit Aufnahmen seiner eigenen Luxuskarossen. Berliner Morgenpost war dabei, als Karl der Große, einer schweren Erkältung trotzend, moderiert von Peter York, sein Publikum unterhielt:

Berliner Morgenpost: Wann haben Sie begonnen, zu fotografieren?

Karl Lagerfeld: Vor genau 25 Jahren. Ich habe Fotografie immer geliebt und Fotografen verehrt. Aber ich hätte nie geglaubt, dass ich es selbst könnte. Da war ich eher bescheiden. Ich dachte mir: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Aber dann, ganz am Anfang meiner Zeit bei Chanel, brauchten wir Fotos für die Pressemappen, die nach den Schauen an Journalisten verteilt werden sollten.

Das Problem war: Die Fotos mussten gemacht werden, lang bevor die Kollektion fertig war. Ich war mit den Ergebnissen ziemlich unzufrieden, sodass der Fotochef von Chanel zu mir sagte: Wenn Sie so schwierig sind, dann machen Sie es doch einfach selbst. Ich besorgte mir also einen Assistenten und lieh mir eine Hasselblad Kamera und fotografierte damit Inès de la Fressange. Sie war damals das Chanel-Mädchen. So hat das alles angefangen.

Von dort gingen wir weiter zur Werbung, Bilderstrecken für Magazine und Bildbände. Dann haben wir Gerhard Steidl getroffen, was die Sache noch besser machte. Denn er ist ein Genie, was Druckqualität angeht und macht aus Fotos Kunstwerke.

Berliner Morgenpost: Aber Sie fotografieren nicht nur für Chanel?

Lagerfeld: Ich kann ja nicht immer nur mein eigenes Zeug fotografieren, ich wollte auch andere Dinge sehen. Ich glaube, es tut jedem Designer gut, auch Fotograf zu sein. Ansonsten ist man ja in seinem Atelier isoliert. Über Fotografie bekam ich Einblicke in die Werbebranche und redaktionelle Arbeit. Für mich ist das sehr gesund.

Aber: Schöne Fotos machen ist die eine, sie dann auch gut zu drucken, das ist eine andere Sache. Wissen Sie, ich bin ein Papierfreak. Ich liebe auf der Welt nichts so sehr, wie schönes Papier. Meine Skizzen sind der Ausgangspunkt für meine Kollektionen. Und die Drucke von Herrn Steidl für Kataloge und Werbung geben ihr den letzten Schliff. Was mit Papier beginnt, ist am Ende wieder Papier.

Berliner Morgenpost: Was ist speziell an der Drucktechnik?

Lagerfeld: Da fragen Sie lieber Herrn Steidl selbst. Ich habe eher eine physische, als eine technische Herangehensweise. Das gilt auch für Kameras. Mir gefällt der Blick durch die Linse, ich will aber gar nicht wissen, wie das alles funktioniert. Für mich bleibt es ein Wunder.

Berliner Morgenpost: Sprechen wir über diese Fotografien (der Moderator deutet auf die großen schwarz-weißen Abzüge), die ja sehr einzigartig sind...

Lagerfeld: ... Ja, natürlich. Wenn sie nicht einzigartig wären, dann hätte es auch keinen Grund gegeben, sie zu machen. Ich wurde ja nicht gebeten einen Katalog zu schießen. Hier ging es eher um ungewöhnliche Objekte. Die Wagen waren nicht von Rolls-Royce geliehen, ich habe meine eigenen Autos fotografiert.

Berliner Morgenpost: Sie erzählen also eine Geschichte?

Lagerfeld: Es ist eher eine Vorstellung, ein Blickwinkel. Vielleicht abstrakte Kunst und gleichzeitig etwas sehr konkretes. Es ist ein Spiel mit Linien. Es geht um einen graphischen Effekt. Ich möchte mit den Bildern keine Rolls-Royce verkaufen, sondern mit ihrer Schönheit spielen. Denn offenkundig sind Rolls-Royce sehr schöne Autos. Und das sage ich nicht aus Höflichkeit. Ich würde das gleiche nicht über französische Autos sagen.

Berliner Morgenpost: Wieso haben Sie die Ausstellung "A Different View" genannt?

Lagerfeld: Weil man normalerweise ein Auto immer so direkt anschaut. Mein Blickwinkel entstammt meiner persönlichen Ästhetik, die geprägt ist von verschiedenen Kunsteinflüssen, die ich wiederum in die technischen Details eines Rolls-Royce übersetzt habe. Es geht in den Bildern aber nicht nur um Technik, sondern auch um Natur. Denn das Auto wurde ja von Menschen, also von der Natur erschaffen. Ich habe auch mal ein Buch über Bäume und den Eiffelturm gemacht...

Berliner Morgenpost: Sie besitzen zwei Rolls-Royce.

Lagerfeld: Ja, das Cabrio, das benutze ich in Südfrankreich, den anderen in Paris. Aber manchmal habe ich auch beide in Südfrankreich – einer reicht oft nicht aus. Wegen der Gäste. Aber ich war nie ein Rolls-Royce Fahrer, denn als ich den ersten kaufte, hatte ich das Fahren bereits aufgegeben. Ich hatte zwei schlimme Unfälle mit Sportwagen. Zweimal bin ich am Steuer eingeschlafen.

Ich war nie ein guter Fahrer, weil ich immer in der Gegend herumschaute. Ich wollte alles sehen, nur nicht nach vorn auf die Straße. Das war mir einfach zu langweilig. Wenn ich geradeaus gucken muss, schlafe ich ein. Einmal war das mitten in der Nacht. Das Auto drehte sich, mir passierte aber nichts. Dann, ein paar Jahre später, ich fuhr von Paris nach Baden-Baden, raste ich in einen Baum mit etwa 120 Kilometer pro Stunde. Daraufhin beschloss ich, das Fahren vielleicht doch lieber sein zu lassen. Ich habe heute noch Albträume davon.

Es gab noch einen weiteren Unfall: Meine Eltern hatten ein Haus in Baden-Baden mit einer Garage für zwei Autos. Etwas weiter oben gelegen stand das Haus, vor dessen Tür ich immer parkte. Eines Tages, wir waren alle im Haus, hörten wir ein entsetzliches Geräusch. Meine Mutter fragte gleich: Wo ist Dein Auto? Ich sagte, ich hätte es vor der Tür abgestellt. Da war es nun allerdings nicht mehr.

Ich hatte wohl vergessen die Handbremse anzuziehen. Und in der Garage für zwei Autos, standen auf einmal drei. Meine Mutter und ich haben uns totgelacht. Mein Vater hat uns nie verziehen, dass wir uns so sehr darüber amüsierten. Es war mir schließlich gelungen, drei Autos auf einen Schlag zu zerstören.

Foto: spotpress

Auch wenn der Mini Riley Elf nur 3,30 Meter misst, hat er große Präsenz.

7 Bilder
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