23.11.12

TV-Doku

Neue rätselhafte Theorie zum Fall O. J. Simpson

Hat O. J. Simpson seine Frau und ihren Geliebten getötet oder nicht? Eine TV-Doku in den USA verbreitet nun eine ganz neue Tätertheorie. Angeblich wurde das Paar Opfer eines Massenmörders.

Von Uwe Schmitt
Foto: pa/dpa/Polizei

Dieser Mordfall ist bis heute nicht richtig aufgeklärt worden: Ronald Goldman und seine Freundin Nicole Brown wurden am 12. Juni 1994 in Los Angeles getötet. Während der Tat schliefen Simpsons Kinder im Haus in ihren Betten.

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Wenn die Geschwister eines zum Tode verurteilten Serienmörders plötzlich in einem Dokumentarfilm behaupten, O. J. Simpson sei unschuldig und ihr Bruder habe stattdessen Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman auf dem Gewissen, ist größte Zurückhaltung geboten. Was hat die Familie von Glen Rogers (50), dem seit 1995 inhaftierten "Cross Country Killer", zu gewinnen: Buchverträge, Filmrechte, Honorare der amerikanischen Boulevardpresse?

Es gibt jede Menge Krimineller, die sich mit den berühmteren Taten anderer aufspielen wollen. Zumal mit den Morden, die 1995 zum "Jahrhundert-Mordprozess" gegen den früheren Footballstar O. J. Simpson und zu dessen umstrittenen Freispruch führten. Simpson, der allein es wissen muss, verbüßt in Nevada seit 2008 eine Haftstrafe wegen bewaffneten Raubes.

Ein mögliches Motiv des Bruders Clay Rogers, in dem Film "My Brother The Serial Killer" (ausgestrahlt am Mittwoch im Kabelkanal Investigation Discovery), könnte neben Geltungssucht und Profitgier die Verzögerung der Hinrichtung von Glen sein.

Er sitzt in Tampa in einer Todeszelle, wurde aber auch in Kalifornien zum Tode verurteilt, wo die Vollstreckungen oft um Jahrzehnte verzögert werden. Würden in Kalifornien Ermittlungen zum Mord an Simpsons Ex-Frau und ihrem Freund wieder aufgenommen, müsste Florida eventuell die Hinrichtung aufschieben. Soweit die Spekulation.

"Vielleicht musst Du die Schlampe töten"

Viel mehr Plausibles hat Clay Rogers nicht zu bieten, der einst mit seinem Bruder Einbrüche beging und selbst im Gefängnis saß. O. J. Simpson soll Clay Rogers gedungen haben, im Haus seiner früheren Frau Schmuck zu stehlen: "Vielleicht musst Du die Schlampe töten", soll der Footballstar zu Clay Rogers gesagt haben. Sagt der Bruder in Freiheit, der es von seinem Bruder in der Todeszelle gehört haben will.

Fast nichts passt schlüssig zusammen an der Geschichte. Der Film erklärt nicht, wie Clay Rogers, der von Gelegenheitsjobs als Anstreicher lebte, O. J. Simpson kennengelernt haben soll und warum jener ihm hätte trauen sollen. Zudem passen die Simpson-Morde nicht zu Rogers' Täterprofil: Er pflegte seine Opfer – einsame Frauen – zu bezirzen, mit ihnen zusammenzuziehen und sie eines Tages ohne ersichtlichen Grund zu erstechen.

Nach diesem Muster verübte er Morde in mehreren Bundesstaaten, auch in Kalifornien. Clay Rogers wiederholt in dem Film die Behauptung, sein Bruder habe mehr als 70 Morde gestanden. Er erwähnt nicht, dass Glen Rogers die Geständnisse 1995 sämtlich widerrief.

Die Leiche im Ferienhaus

Übrig bleiben von den Sensationen in "My Brother the Serial Killer" nur die Geschichten des Bruders, der 1993 die Polizei auf die Spur von Glen setzte, nachdem er eine Leiche im Ferienhaus der Familie entdeckt hatte.

Allein auf Hörensagen, ohne die geringsten Indizien oder gar Beweise zu Tage zu fördern, stützt sich der Film. Selbst der Präsident von "Investigation Discovery", Henry Schleiff, glaubt nicht an die Mordtheorie. Dennoch verteidigt er den Film, dessen Irreführungen und Auslassungen "von unserem smarten Publikum" durchschaut würden.

Entsetzt und angewidert von dem jüngsten Versuch, Kapital aus dem berüchtigsten US-Kapitalverbrechen der 90er-Jahre zu schlagen, äußerte sich Kim, die Schwester des Mordopfers Goldman.

Ihre Familie, die von O. J. Simpsons Schuld überzeugt ist, habe von dem Film erst Tage zuvor erfahren. Der Footballstar war in dem Mordprozess freigesprochen worden, in einem Zivilverfahren später jedoch zur Zahlung von mehreren Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt worden.

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