23.11.12

ESC-Vorentscheid

ARD macht aus Castingreihe eine einzige Live-Show

Adé Castingshows. Zur Kür des deutschen Teilnehmerns für den ESC in Malmö wird es nur noch eine Show geben. Lena Meyer-Landrut soll in die Jury. Ob auch Stefan Raab mitmacht, ist unklar.

Von Holger Kreitling
Foto: dapd

Zwei Gewinner, eine Siegerin: Lena und Roman Lob vertraten Deutschland beim ESC in den letzten drei Jahren.
Zwei Gewinner, eine Siegerin: Lena und Roman Lob vertraten Deutschland beim ESC in den letzten drei Jahren.

Als Roman Lob im vergangenen Mai bei Eurovision Song Contest (ESC) in Baku den achten Platz ersang, waren alle Beteiligten froh und glücklich. Juchu und Heißa. Alles richtig gemacht. Noch mal gut gegangen. Der lange Weg dorthin mit Roman Lob als Sieger und mit mehreren Castingshows lag den Sendern ARD und Pro7 aber schwer im Magen.

Jetzt ist die Kehrtwende bekannt gegeben worden, alles wird anders. Am 14. Februar wird es zur Kür des Kandidaten für den ESC in Malmö eine Live-Show in Hannover geben. Raus aus dem Fernsehstudio ist die Losung, die ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber ausgegeben hat. Er will zu den Fans in eine Arena. Der Vorentscheid wird also deutlich gestrafft, im Grunde zurückgeführt in die Tage, als der NDR noch Herr des Verfahrens war und nicht Stefan Raab.

Zirkusdirektor Stefan Raab

Der Sender Pro7, der wegen Stefan Raab als Zirkusdirektor und primus inter pares mit im Spiel war, ist nun raus. Was mit Raab selbst sein wird, bleibt vorerst offen. Die Firma Brainpool ist auf jeden Fall mit dabei. Brainpool hatte zuletzt Roman Lob betreut und zuvor natürlich Lena Meyer-Landrut, auch organisierte und inszenierte die Kölner Firma die komplette Veranstaltung in Aserbaidschan, bei der die Schwedin Loreen siegte.

"Acht bis zwölf namhafte Acts" sollen bei "Unser Song für Malmö" mit eigenen Songs auftreten, teilte der NDR mit. "Wir freuen uns auf ein paar namhafte Bands, setzen aber auch auf Newcomer", sagte Schreiber der "Frankfurter Allgemeinen". Die Kandidaten sollten "das ganze Spektrum zeitgenössischer deutscher Popmusik" abbilden.

Seit 2010, als Heilsbringer Stefan Raab, eingestiegen war, hatte es eine ganze Reihe von Castingshows gegeben, um den Kandidaten zu küren. Im ersten Jahr triumphierte Lena Meyer-Landrut erst national und dann international in Oslo mit "Satellite". Die zweite Lena-Reihe für 2011 in Düsseldorf war schon weniger erfolgreich bei den Zuschauern, 2012 fielen die Quoten bei der Kür von Roman Lob unter der Moderation von HipHopper Thomas D. zur besten Sendezeit bescheiden aus. Insgesamt acht Shows, Kurve nach unten.

Radiosender spielen die Songs

Es sei zu viel gewesen, räumt jetzt auch ESC-Koordinator Schreiber ein. Das Casting-Format ist nun Vergangenheit. Stattdessen soll es wieder eine Jury geben, besetzt "aus bekannten Unterhaltungs- und Musikexperten".

Im Dezember sollen die Namen veröffentlicht werden. Die ARD will die Lieder im Februar auf ihren Popwellen senden, etwa NDR2, EinsLive, Fritz oder Bayern 3 bestimmen. Hörer können online abstimmen, zu einem Drittel wird das mitgewertet. Zu einem Drittel wertet die Jury, ein Drittel wird live durch das Fernsehpublikum ermittelt.

In die Jury wünscht sich Thomas Schreiber auch Lena, die nach wie vor Quote bringen kann, aber als Sängerin nicht mehr zu den Pop-Granden der Republik zu zählen ist. "Ich würde mich aber auf jeden Fall freuen, wenn Lena – nicht als Kandidatin und nicht nur als Sängerin – am 14. Februar bei unserer Show in ihrer Heimatstadt auch auf der Bühne steht", so Schreiber. Da klingt ein Buhlen durch.

Das bisherige Modell war vom Ergebnis her gesehen ein großer Erfolg. Die ARD erweckt den Eindruck, nach den Raab-Jahren wieder alleine entscheiden zu wollen. Allerdings darf daran erinnert werden, dass vor 2010 der Zuspruch zum ESC gegen Null ging. Die Aspiranten hießen Alex Swing Oscar Sings! (2009), No Angels (2008) Roger Cicero (2007), Texas Lightning (2006), sie alle landeten im letzten Drittel oder auf dem letzten Platz wie Gracia 2005.

Entscheidung am Valentinstag

Ob die ARD eine Show auf die Beine stellt, die das Land motiviert, sich für den Kandidaten und sein Lied zu interessieren, ist fraglich. Der 14. Februar ist ein Dienstag, Valentinstag. Kein großer Fernsehabend. Nach der Euphorie ist die neue Bescheidenheit ein Mittel zum Zweck. Der Sender spricht derzeit mit Thomas Gottschalk über die Rückkehr auf die Bühne. Sie könnten auf die Idee kommen, den 62-Jährigen da einzusetzen.

Der Eurovision Song Contest selbst findet am 18. Mai in Malmö statt.

Foto: DAPD

Zum Sieg beim Eurovision Song Contest in Baku hat es nicht gereicht: Roman Lob (M.) und Produzent Thomas D. (l.) während der Punktevergabe.

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