23.11.12

Prozess in Wien

Mörderische "Eisprinzessin" muss lebenslang in Haft

Eine Ex-Berlinerin tötete zwei Männer und betonierte sie ein. Sie muss lebenslang in Haft – und hofft dennoch auf ein Familienleben.

Foto: dpa

Die wegen Doppelmordes verurteilte 34-Jährige stand in Wien vor Gericht
Die wegen Doppelmordes verurteilte 34-Jährige stand in Wien vor Gericht

Es war der Prozess des Jahres in Österreich: Die Geschichte der so schönen wie kaltblütigen Wiener Doppelmörderin Estibaliz C. toppt jede Krimiserie: Ein unerfüllter Kinderwunsch und unglückliche Beziehungen ließen der zierlichen 34-Jährigen nach eigener Aussage keine andere Wahl, als zwei Ex-Partner umzubringen. Am Donnerstag wurde die Besitzerin eines Eissalons nun wegen Doppelmordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ihr Blick war während der Prozesstage starr, die dünnen Beine wackelten unruhig unter ihrem Stuhl und das graue, eng anliegende Etuikleid hat sie an allen vier Verhandlungstagen vor Gericht an: Die "Eisprinzessin", wie sie in Österreichs Boulevardmedien auch genannt wird, verhielt sich ganz und gar nicht wie eine Doppelmörderin.

Immer wieder bricht die Frau mit der spanisch-mexikanischen Doppelstaatsbürgerschaft in Tränen aus. Sie scheint abwesend, ist blass und gibt an, Beruhigungsmittel zu nehmen. Die Staatsanwältin Petra Freh warnte die Geschworenen vor der "brandgefährlichen" Frau mit den zwei Gesichtern: "Sie ist eine tickende Zeitbombe."

2008 war ihr deutscher Ex-Mann, mit dem sie zuvor in Berlin lebte, ihr erstes Opfer: Weil der 130-Kilo-Mann nicht aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte, schoss sie ihm von hinten mehrfach in den Kopf, sagte sie vor Gericht. Danach versuchte sie zuerst die Leiche anzuzünden, bevor sie diese mit einer Motorsäge zerstückelte und in ihrem Keller einbetonierte.

Zwei Jahre später ging sie bei ihrem damaligen Lebensgefährten ähnlich vor – sie hatte bereits Beton und eine neue Kettensäge vorbereitet: Er sollte wegen angeblicher Untreue sterben. Bereits bei ihrem ersten Freund hatte sie konkrete Mordfantasien, weil er kein Kind wollte, erzählte sie.

Mord war einzige Möglichkeit für Trennung

Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner hielt die geständige Frau für voll zurechnungsfähig: "Es war ihr immer klar, was Recht und Unrecht ist." Die Gutachterin attestierte ihr aber eine gravierende Persönlichkeitsstörung. Auch die Rückfallgefahr sei hoch, betroffen davon wären "hauptsächlich Partner, aber auch sämtliche missliebigen Anderen". Sie hätte nie gelernt, sich von einem Partner zu trennen. Da blieb ein Mord die einzige Möglichkeit für sie.

Trotzdem heiratete der aktuelle Lebensgefährte die Eissalon-Besitzerin im Frühjahr 2012, als sie bereits seit Monaten in Untersuchungshaft saß. Kurz zuvor bekam sie ihr lang ersehntes erstes Kind, das ihr nach der Geburt sofort von den Behörden abgenommen wurde. Der Sohn lebt nun bei ihren Eltern in Spanien.

Dabei soll die Familie dort sie maßgeblich zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute ist, wie sie selbst vor Gericht sagte. Das Verhältnis zu ihrem dominanten Vater habe ihr Frauenbild geprägt. "Frauen waren die, die zu gehorchen hatten. Die Männer bestimmten, was geschah", gab Kastner vor Gericht an. So habe sich die Eissalon-Besitzerin für ihr zweites Opfer auch Botox spritzen und die Lippen vergrößern lassen. Eine Brust-OP habe sie wegen möglicher Gefahren aber ausgeschlossen.

Auf das Urteil reagierte die Frau nach außen hin völlig gefasst: Sie blickte zu Boden, die Anwälte wollen Berufung einlegen. Um ihren Traum nach einer eigenen Familie trotz der Verurteilung nicht ganz abschreiben zu müssen, würde sie ihre Strafe gerne in Barcelona verbüßen. Dort könnte sie ihren Sohn öfter sehen. Rechtsanspruch auf eine Verlegung gibt es allerdings nicht.

Quelle: dpa/sei
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