23.11.2012, 01:20

Bambi-Verleihung Als Ruth Pfau die Bühne betritt, schweigt der Saal

Wenn sich die Medienbranche trifft, geht es zumeist glamourös und lustig zu. Bei der Bambi-Verleihung gab es aber auch stille Momente und Auszeichnungen für weniger bekannte Persönlichkeiten.

Es gab viel Glitzer und Glamour, aber es ging auch um Themen wie Gewalt und Integration: Ebenso wie Schauspieler und Musiker standen beim diesjährigen Medienpreis Bambi zwei Gewaltopfer aus Berlin im Mittelpunkt.

In der Kategorie "Integration" ausgezeichnet wurde der Rabbiner Daniel Alter, der Ende August überfallen worden war. Auch die Schwester des Berliner Prügelopfers Jonny K. bekam am Donnerstagabend in Düsseldorf ein goldenes Rehkitz. Der 20-Jährige war Opfer einer tödlichen Attacke auf dem Berliner Alexanderplatz geworden.

Stille, als Ruth Pfau sprach

Nicht weniger bewegte der Auftritt einer 83 Jahre alten Lepra-Ärztin. Die deutsche Nonne Ruth Pfau erhielt die Trophäe in der Kategorie "Stille Helden" und bekam stehende Ovationen. Sie gilt als "Mutter Teresa der Lepra-Kranken" in Pakistan. Und tatsächlich wurde es bei den rund tausend festlich gekleideten Gästen im Düsseldorfer Congress Center ganz leise, als Ruth Pfau auf die Bühne trat.

Diesmal ging die Bambi-Gala deutlich harmonischer über die Bühne als im vergangenen Jahr. In Wiesbaden hatte sich an der Vergabe des Integrations-Bambis an Skandal-Rapper Bushido ein heftiger Streit entzündet. Ihm war Frauen- und Schwulenfeindlichkeit vorgeworfen worden.

Fuchsberger für Lebenswerk ausgezeichnet

"Weltraumspringer" Felix Baumgartner bekam in der in der ARD gezeigten Live-Sendung das goldene Rehlein in der Kategorie "Millennium". Altmeister Joachim "Blacky" Fuchsberger wurde für sein Lebenswerk geehrt. Seine Frau Gundel erhielt einen Überraschungs-Bambi.

Die Boyband One Direction wurde in der Sparte "Pop International" mit dem ältesten deutschen Medienpreis ausgezeichnet. Draußen vor der Halle hatten die Anhänger der fünf britischen Boys stundenlang ihren Idolen entgegengefiebert.

Bambi für Salma Hayek

Das "Entertainment"-Bambi ging an die kanadische Sängerin Céline Dion, die den Abend eröffnete. Der Hollywood-Star Salma Hayek bekam eine Trophäe – ebenso wie Alina Levshin als beste Schauspielerin national. Im Neonazi-Drama "Kriegerin" spielte Levshin, die 1984 in der Ukraine zur Welt kam und in Berlin aufwuchs, ihre erste Kino-Hauptrolle. Bei den männlichen Schauspielern gewann Ulrich Tukur. Er war zuletzt in der Rolle des den legendären Generalfeldmarschalls Erwin Rommel zu sehen.

Der "Talent"-Bambi ging an die siebenjährige Mercan-Fatima Türkoglu, die an der Seite von Elmar Wepper im Spielfilm "Dreiviertelmond" zu sehen war. Nachdem sie die 2,5 Kilogramm schwere Trophäe bekommen hatte, bedankte sie sich brav – bei ihrer Mama, ihrer Schule und bei einer Lehrerin. In der Kategorie "Film national" konnte sich "Türkisch für Anfänger" durchsetzen.

Der Bambi ist der älteste und einer der wichtigsten deutschen Medienpreise und wird von Hubert Burda Media vergeben. Im vorigen Jahr hatten sechs Millionen Zuschauer die Gala an den Bildschirmen verfolgt.

(dpa/tts)
Do, 22.11.2012, 23.39 Uhr

Großer Starauflauf anlässlich der 64. Verleihung des Medienpreises „Bambi”: Salma Hayek und Co. posierten auf einem schier endlosen Roten Teppich.

Video: Reuters
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