19.11.12

Dänischer Astronom

Der mysteriöse Tod des legendären Tycho Brahe

Pathologen haben die Knochen von Tycho Brahe untersucht. Bisher nahm man an, der große dänische Astronom des 16. Jahrhunderts sei mit Quecksilber ermordet worden. Doch es war wohl alles ganz anders.

Foto: picture alliance / Mary Evans Pi

Zeitgenössische Abbildung des dänischen Astronoms Tycho Brahe (1546-1601)
Zeitgenössische Abbildung des dänischen Astronoms Tycho Brahe (1546-1601)

Hatte jener Schüler im Film "Die Feuerzangenbowle" (1944) doch Recht, als ihm der Lehrer im Unterricht den Toilettengang verbot? Der Schüler verwies warnend auf Tycho Brahe, den eine "Harnverhaltung" hingerafft habe.

Doch der Lehrer konterte, ganz pauschal: "Es ist noch nie jemand an Harnverhaltung gestorben." Jetzt hat eine tschechisch-dänische Gruppe von Pathologen die Knochen des großen dänischen Astronomen des 16. Jahrhunderts untersucht, und ihr Ergebnis lässt die Version jenes Pennälers in höchsten Nöten zumindest wieder zu.

Zwischenzeitlich nahm man an, Brahe sei an einer Überdosis Quecksilber gestorben, verabreicht womöglich von einem gedungenen Mörder.

Seit im Jahr 1901 dem Grab in der Prager Teynkirche ein Haar des Verstorbenen entnommen wurde und man daran Spuren des hochgiftigen Metalls fand, geisterte die Mord-These durch die Wissenschaftsgeschichte.

Quecksilber-Menge reichte nicht als Todesursache

Jetzt steht fest: Die Menge an Quecksilber hätte den Tod nicht herbeiführen können. Also gilt - bis auf Weiteres – wieder die alte Lesart: Brahe war bei Kaiser Rudolf II. zum Bankett geladen, bei dem reichlich Bier floss.

Er traute sich – anders als jener Schüler – aus Anstand nicht auf die Toilette, und als er dann doch ging, war es zu spät. Unfähig zum Harnlassen, starb er wenige Tage später. Bewiesen ist nichts, Mediziner halten eine ohne äußere Einwirkungen gerissene Blase eher für unwahrscheinlich, und so dürfte dies nicht die letzte Obduktion der sterblichen Überreste Brahes gewesen sein.

An Verdächtigen für einen Mord mangelt es den Historikern nicht. Da wäre der dänische König, dem Brahe ein Nebenbuhler gewesen sei könnte, aber auch sein Kollege Johannes Kepler, der es womöglich auf Brahes Tabellen über den Sternenlauf abgesehen hatte.

Brahe galt als äußerst präziser Beobachter – auch wenn er der alten Lesart anhing, dass sich die Sonne um die Erde dreht.

Quelle: ulk
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