18.11.12

Bei Offenburg

Geisterfahrt auf der A5 kostet sechs Menschen das Leben

Ein 20-Jähriger hat am Sonntagmorgen auf der Autobahn A5 in Baden-Württemberg einen schweren Unfall mit sechs Toten verursacht.

Quelle: Reuters
18.11.2012 0:48 min.
Bei einem Unfall auf der Autobahn 5 in Südbaden kamen sechs Menschen ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Ursache war offenbar ein Falschfahrer. Wegen starken Nebels kam es auch zu Folgeunfällen.

Blaulichter scheinen im Nebel auf, die Autobahn 5 bei Offenburg in Baden-Württemberg gleicht auf 100 Meter Länge einem Schlachtfeld. Den Helfern bietet sich ein unvorstellbar grausiger Anblick. Überall auf der Fahrbahn liegen Leichenteile und die Trümmer von vier Autowracks.

Kurz zuvor hatte ein 20 Jahre alter Geisterfahrer mit seinem weißen BMW gegen 6 Uhr einen voll besetzten Minivan mit hoher Geschwindigkeit frontal gerammt. Alle fünf Insassen des Minivans und der Unfallverursacher kamen ums Leben. Eine Ersthelferin wurde anschließend angefahren und schwer verletzt. Vier weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Noch am Nachmittag stand der BMW des Geisterfahrers vollständig deformiert an der Leitplanke. Der Motorblock des VW Touran wurde bei der Kollision herausgerissen. Die beiden junge Frauen und die drei Männer wurden aus dem Wagen herauskatapultiert. Alle fünf starben sofort an ihren schweren Verletzungen.

Zunächst hatte stundenlang Unklarheit über den Unfallhergang geherrscht. Etwa fünf Minuten vor dem Unfall seien Hinweise auf einen Falschfahrer bei der Polizeidirektion Offenburg eingegangen.

Erst gegen 8 Uhr, als die Morgensonne den wabernden Nebel durchdringt, wird den Feuerwehrmännern, den Helfern des Roten Kreuzes und den vier Notärzten das ganze Ausmaß des Unglücks bewusst. Die Leichen liegen auf etwa 100 Meter Strecke in einem dichten Teppich aus Fahrzeugteilen.

Ein Polizeihubschrauber versucht am Vormittag zweimal vergeblich, Übersichtsaufnahmen aus der Luft zu machen. Erst gegen 13 Uhr ist die Sicht so klar, dass die Fotos gemacht werden können.

Akustische Warnmeldungen

Die Autobahn ist stundenlang komplett gesperrt. Auch die nicht betroffene Gegenfahrbahn ist abgeriegelt, um mögliche Gaffer fernzuhalten.

Mit ernsten Gesichtern stehen die Polizeibeamten auf der Fahrbahn und stellen sich die Frage nach dem "Warum". Es kann sich keiner von ihnen an einen ähnlich schlimmen Unfall in der Gegend erinnern.

Im Oktober hatten Falschfahrer in Deutschland schon mehrere schwere Unfälle auf Autobahnen verursacht. Zuletzt hatte ein Geisterfahrer im Sauerland einen Unfall mit fünf Toten herbeigeführt. Der Mann hatte bei einem Suizid auf der Autobahn bei Meschede sich und vier weitere Menschen in den Tod gerissen – auch an einem frühen Sonntagmorgen. In Rheinland-Pfalz waren bei einem Falschfahrerunfall ein Vater und zwei seiner Kinder getötet worden. In Bayern kamen bei einem Geisterfahrerunfall Anfang Oktober fünf Menschen ums Leben. Damals hatte eine vermutlich psychisch kranke Frau den Unfall verursacht.

Der saarländische Verkehrsminister Heiko Maas (SPD) erneuerte angesichts der abermaligen Tragödie seine Forderung nach akustischen und optischen Warnmeldern. Warnschilder könnten deutlich auf das falsche Auffahren auf die Autobahn hinweisen, sagte Maas am Sonntag in Saarbrücken. Zusätzlich schlug er vor, akustische Melder zu entwickeln, "die über Sensoren eigenständig einen Falschfahrer bei der Auffahrt auf die Autobahn erkennen und entsprechend Alarm geben".

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwägte zuletzt, durch neongelbe Warnschilder die Auffahrten besser zu kennzeichnen. Es gibt auch Forderungen, an den Auffahrten Krallen zu installieren, die Fahrzeuge, die in falscher Richtung auffahren wollen, stoppen würden.

Quelle: BMO
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