13.11.2012, 18:17

Delikt Dieb stiehlt Schlüsselbund für Tower of London

Foto: OLIVIA HARRIS / Reuters

Ein Dieb brach in den Tower of London ein und ließ einen Schlüsselbund mitgehen. Der Unbekannte konnte flüchten. Zuletzt versuchte jemand vor 341 Jahren in das Gebäude einzubrechen.

Wo immer man sie sieht, wünscht man ihnen, dass mal etwas los ist; dass sie, statt sich die Beine in den Bauch zu stehen, endlich zeigen dürfen, was sie können: die Torwächter königlicher Schlösser oder präsidialer Paläste.

Zu den berühmtesten zählen die Beefeaters in London, vor dem Tower etwa, Inbegriff eines behüteten Bauwerks, mit den Kronjuwelen in seinem Innern. Nie passiert etwas.

Und jetzt das: Einbruch im Tower, am Wochenende. Ein Dieb übersprang einen Zaun, entwendete den Schlüssel der Zugbrücke und verschwand. Wie reagierten die Beefeaters, die unmittelbar danebenstanden? Sie taten nichts, durften nichts tun.

Strammstehen gilt auch für den Ernstfall

Denn der Befehl zum andauernden Strammstehen galt, wie sich jetzt herausstellte, auch für den Ernstfall. Es gab Geschrei, auch hektisches Gefummel in den Taschen, um per Handy Wachen mit Lizenz zum Einschreiten herbeizurufen. Aber der Dieb entkam, unbehelligt.

Für den Besucher, der die Wächter Ihrer Majestät stets voller Ehrfurcht ansah, ihnen Nahkampftechniken unterstellte, ist das desillusionierend. Wie auch das Weitere, was jetzt ans Tageslicht kam: Die Beefeaters sind gar keine Angestellten Ihrer Majestät, sondern längst "outgesourced", auf der Lohnliste eines privaten Wachschutzes, Leiharbeiter wahrscheinlich.

An die Kronjuwelen ist der Dieb nicht herangekommen

Jetzt ist der Ärger da. Die Tower-Verwaltung kündigte eine Untersuchung an, weil "die Sicherheit nicht den nötigen Standards entspricht". An die Kronjuwelen, sagte eine Sprecherin, wäre der Dieb nicht herangekommen.

Oberst Thomas Blood war der letzte Einbrecher im Tower. Im Jahr 1671 er stach er einen Wachmann, schlug die Krone von Charles II. platt, damit er sie unter dem Mantel verstecken konnte, und flüchtete. Man fasste ihn später, aber Charles begnadigte ihn. Vielleicht ja aus Freude darüber, dass er damals eine neue Krone bekommen musste.

(ulk)
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