13.11.12

Auktion

Erzherzog-Joseph-Diamant kommt unter den Hammer

Der berühmte Stein wird vom Auktionshaus Christie's in Genf versteigert. Er könnte Gebote von mindestens 15 Millionen Dollar erzielen.

Foto: REUTERS

Einzigartig: Perfekt geschliffen, bestmögliche Farbe: Ein Mitarbeiter von Christie’s zeigt den Erzherzog-Joseph-Diamanten
Einzigartig: Perfekt geschliffen, bestmögliche Farbe: Ein Mitarbeiter von Christie's zeigt den Erzherzog-Joseph-Diamanten

Er ist strahlend und makellos und von einer Größe, die dem Betrachter den Atem raubt: Der Erzherzog-Joseph-Diamant gehört zu den berühmtesten Edelsteinen der Welt, und wenn er an diesem Dienstag bei Christie's in Genf unter den Hammer kommt, könnte er einen Preis erzielen, der ihn auch aus monetärer Sicht zu den kostbarsten macht.

François Curiel, internationaler Chef der Schmuckabteilung des Auktionshauses, erwartet Gebote von mindestens 15 Millionen Dollar für den berühmten Stein.

Ein Rekordpreis wäre das zwar nicht – Sotheby's hat erst vor zwei Jahren in Genf einen pinkfarbenen Diamanten für 46 Millionen Dollar versteigert. Der Erzherzog-Joseph-Diamant ist dennoch einzigartig. Er verkörpert die perfekte Mischung aus Größe, Farbe und Reinheit. 76,02 Karat ist er schwer – und er wog ursprünglich noch mehr.

Der US-amerikanische Juwelier Alfred J. Molina, der den Stein 1999 von einem privaten anonymen Eigentümer gekauft hatte, ließ den ursprünglich 78,54 Karäter umschleifen, um kleine Einschlüsse zu beseitigen und ihn in eine lupenreine Kostbarkeit zu verwandeln, die von einer Farbe ist, die das Gemological Institute of America (GIA) als die bestmögliche Stufe D beurteilte.

Céline Dion glänzte mit dem Stein

Wen wundert es da, dass die Sängerin Céline Dion 2002 diesen Edelstein wählte, um ihrem Comeback besonderen Glanz zu verleihen. Molina hatte ihr den Stein für ihren ersten Fernsehauftritt nach Jahren geliehen. Er funkelte als abnehmbarer Anhänger in ihrem ohnehin hochkarätigen Collier. Schön und rein, wie ihre Stimme, schwärmte Molina, der auch Schauspielerin Laura Harring den Diamanten 2002 für einen Auftritt bei der Oscar-Verleihung auslieh.

Seit wann der Diamant zu den Schätzen der Habsburger gehörte, ist nicht bekannt. Als gesichert gilt, dass der Namensgeber Erzherzog Joseph August von Österreich den Stein besaß. Vielleicht war der Diamant ein Familienstück. Der Blick auf den Stammbaum legt die Vermutung nahe. Joseph Augusts Vater war Erzherzog Joseph Karl Ludwig von Österreich, seine Mutter Prinzessin Clotilde von Sachsen-Coburg und Gotha, sein Urgroßvater war der französische König Louis-Phillippe I. Gut möglich, dass in einer dieser Familien der Diamant ohne viel Aufsehen von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Einst im Besitz von Sisi?

Oder gehörte der Stein Kaiserin Sisi? Schließlich war Auguste, die Gattin des Erzherzogs, eine Enkelin der Monarchin, die nicht nur für ihre Schönheit berühmt war, sondern auch für ihre Schwäche für Juwelen. In der Schmucksammlung der Gemahlin von Kaiser Franz Joseph fanden sich nicht zuletzt 27 mit Juwelen besetzte Sterne, die sie gerne in ihr Haar flechten ließ. Ein Stein vom Format des Erzherzog-Joseph-Diamants hätte sich in ihrer Kollektion sicher gut gemacht.

Erzherzog Joseph August indes war weniger bekannt für einen luxuriösen Lebensstil als für sein ausgeprägtes kulturelles Interesse. Die Universitäten Budapest und Kolozsvar hatten ihn mit Ehrendoktortiteln bedacht, der Ungarischen Akademie der Wissenschaften stand er von 1936 bis 1944 als Präsident vor. In Hörsälen sah man ihn häufiger als bei rauschenden Festen.

Und auch Ehefrau Auguste Maria Luise von Bayern galt als bodenständig und war nicht gerade als Dame bekannt, die dem Luxus frönte und sich überaus häufig in teuren Roben und glänzend geschmückt zeigte. Sie engagierte sich in der Wohlfahrtspflege und warb während des Ersten Weltkriegs für die "Gold für Eisen"-Aktion, welche die Bevölkerung motivieren sollte, ihre Edelmetalle in kriegswichtiges Metall einzutauschen.

Jahrzehntelang in der Versenkung

Gut möglich, dass sich die beiden nicht wirklich viel aus dem Klunker machten. Joseph August jedenfalls vererbte ihn schon in jungen Jahren an seinen Sohn Joseph Franz. Der hinterlegte ihn im Juni 1933 in einer ungarischen Bank. Nach dem Zweiten Weltkrieg soll der Stein in den Besitz eines Bankiers übergegangen sein.

Jahrzehntelang blieb der Diamant in der Versenkung, bis er am 22. Juni 1961 bei einer Auktion in London auftauchte. Doch der Stein fand keinen Käufer – und verschwand wieder für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit. Als er 1993 von einem anonymen Eigentümer bei Christie's angeboten wurde, sorgte er für das sensationelle Ergebnis von 6,5 Millionen Dollar. Auch damals blieb der Käufer namenlos, von dem schließlich Alfred J. Molina, der Schmuckhändler aus Phoenix, den Stein erwarb, um ihn wieder an einen der Öffentlichkeit namentlich Unbekannten zu verkaufen.

Es liegt so vieles im Dunkeln. Aber das macht den Reiz eines Diamanten aus. Je geheimnisvoller die Herkunft, desto faszinierender ist er.

Von Flüchen und Todesopfern

Und bisweilen schreiben Menschen Diamanten magische Fähigkeiten zu. Er soll Kraft verleihen, vor Feinden schützen. Manchmal soll er sogar verflucht sein. So wie der blaue "Hope", der angeblich aus der Statue der indischen Gottheit Vishnu gestohlen wurde. Marie-Antoinette, so die Anhänger des Diamanten-Aberglaubens, soll dem Fluch zum Opfer gefallen sein, als die Guillotine ihren Hals zerschnitt, den einst der "Hope"-Diamant schmückte. Gruselgeschichten. Sie ändern nichts daran, dass Menschen heute in Diamantenminen ihr Leben lassen. Blutdiamanten nennt man die Steine, mit denen Demagogen Bürgerkriege finanzieren.

Der Erzherzog-Joseph-Diamant wurde vermutlich in den indischen Minen von Golkonda entdeckt. Dort, wo der blaue "Hope" gefunden wurde. Und der Dresdener grüne Diamant, der Regent und der Koh-i-Noor aus den britischen Kronjuwelen. Im 16. oder 17. Jahrhundert soll der Erzherzog-Joseph-Diamant gefunden worden sein, als Indien der einzige Diamanten-Fundort war. Sagenumwoben sind die Steine, die hier aus der Erde geholt wurden. Hoffen wir, dass der Diamant seinem neuen Besitzer Glück bringt. Ärmer wird er ihn auf jeden Fall machen.

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