12.11.12

TV-Skandal

BBC-Nachrichtenchefs lassen ihre Ämter ruhen

Nach dem Rücktritt des BBC-Generaldirektors am Wochenende legen nun zwei weitere hochrangige Mitarbeiter ihre Ämter nieder. Der Medienkonzern steckt in einer der größten Krisen seiner Geschichte.

Foto: Getty Images
Die altehrwürdige BBC wird zur Zeit von einem der größten Skandale in ihrer Geschichte erschüttert. Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell ziehen sich vorerst zurück
Die altehrwürdige BBC wird zur Zeit von einem der größten Skandale in ihrer Geschichte erschüttert. Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell ziehen sich vorerst zurück

Die Krise beim britischen Rundfunksender BBC zieht weitere Kreise: Nach dem Rücktritt von Generaldirektor George Entwistle lassen die Nachrichtenchefin des britischen Senders sowie deren Stellvertreter ihre Ämter ruhen. Das teilte der BBC-Medienkorrespondent Torin Douglas am Montag in London mit.

Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell hätten ihre Aufgaben bis auf weiteres an Kollegen übertragen. Hintergrund ist ein unzutreffender Bericht über einen Missbrauchsskandal. Entwistle hatte deswegen am Samstag seinen Rücktritt erklärt.

Schatzmeister als Kinderschänder bezeichnet

Entwistle übernahm damit die journalistische Verantwortung für einen Film in der Sendung "Newsnight", der den früheren Schatzmeister der britischen Konservativen, Alistair McAlpine, fälschlicherweise als Kinderschänder darstellte. Das war ein schwerer Recherchefehler. "Der Film hätte nie ausgestrahlt werden dürfen", sagte Entwistle.

Zuvor war bekannt geworden, dass die BBC 2011 eine Sendung mit Vorwürfen gegen ihren eigenen Musikmoderator Jimmy Savile unter den Teppich gekehrt hatte. Erst der Konkurrenzsender ITV strahlte die Vorwürfe gegen den im vergangenen Jahr im Alter von 84 Jahren gestorbenen Savile vor wenigen Wochen aus.

"Es waren zwei Fehler innerhalb sehr kurzer Zeit", sagte die britische Medienexpertin Claire Enders. "Man hat das Gefühl eines systematischen Versagens", sagte sie. "Die BBC muss sehr ernste Fragen beantworten."

BBC benötigt grundlegende Reformen

Der Vorsitzende des BBC-Rundfunkrates, Chris Patten, verlangte grundlegende Reformen. "Es bedarf einer sorgfältigen, radikalen, strukturellen Überarbeitung", sagte Patten, Präsident des BBC Trust. Ein neuer Generaldirektor werde in den nächsten Wochen bestimmt, sagte Patten.

In der britischen Politik und der Medienwelt wurden Rufe nach einem Kandidaten von außen laut. Kommissarisch hat Hörfunk-Chef Tim Davie auf dem BBC-Chefsessel Platz genommen.

Patten gab zu, auch seine eigene Position als Vorsitzender des Rundfunkrates stehe unter Beobachtung. Er sehe es jedoch als seine Aufgabe an, das Vertrauen in die Sendeanstalt zurückzugewinnen.

Die BBC hat mit zehn Fernsehsendern und der weitaus größten Reichweite bei Nachrichten- und Informationsprogrammen eine herausragende Stellung auf dem Fernsehsektor in Großbritannien.

"Für die Menschen von diesem Land ist diese Thema von immenser Wichtigkeit", sagte Medienexpertin Enders. "Es handelt sich um die größte Kultur-Organisation Großbritanniens." Die Zahlen zeigten, dass die Zuschauer dem Sender bisher nicht den Rücken gekehrt hätten.

Quelle: dpa/oje
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