11.11.12

Bluttat in Fabrik

Hildener Schütze wollte seinen Chef erschießen

Die Schießerei mit vier Verletzten und dem Selbstmord des Täters in einer Hildener Fabrik bleibt mysteriös: Der Mann klagte nie über den Job, dennoch ist unter den Opfern sein direkter Vorgesetzter.

Quelle: Reuters
10.11.12 2:03 min.
Auf dem Gelände eines Technologiekonzerns im nordrhein-westfälischen Hilden hatte ein Arbeiter am Freitagabend auf Kollegen geschossen und vier von ihnen verletzt. Danach tötete der Mann sich selbst.

Blutiges Ende einer Nachtschicht: Im nordrhein-westfälischen Hilden hat auf einem Fabrikgelände ein Mann auf seine Kollegen geschossen und sich danach selbst hingerichtet. Die Polizei rätselt über die Hintergründe der Bluttat am Freitagabend und tappt im Dunkeln.

Ein Motiv des Mannes sei nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen nicht erkennbar, sagte der Leiter der zuständigen Mordkommission Düsseldorf, Rainer Zöllner, am Wochenende in Mettmann. Einen Abschiedsbrief habe der Täter nicht hinterlassen.

Durch die Schüsse wurden zwei Männer im Alter von 42 und 54 Jahren schwer verletzt. Nach einer Notoperation waren sie am Samstag wieder außer Lebensgefahr und in einem stabilen Zustand, berichtete Zöllner.

Zwei weitere Mitarbeiter wurden durch umherfliegende Glassplitter leicht verletzt, nachdem der 38 Jahre alte Schütze in der Betriebskantine durch eine Glaswand auf eine Gruppe von Kollegen geschossen hatte. Der Mann hatte vor Beginn seiner Nachtschicht in der Technologiefirma 3M aus zwei Pistolen bis zu zehn Schüsse abgegeben.

Opfer war unmittelbarer Vorgesetzter

Die Ermittler gehen nach Zeugenberichten davon aus, dass er die beiden schwer verletzten Opfer nicht zufällig getroffen hat. "Es deutet alles daraufhin, dass es gezielt war", sagte Staatsanwalt Matthias Ridder. Den 42-Jährigen hatte er demnach auf dem Parkplatz der Firma zunächst nach seinem Namen gefragt und dann vier Schüsse auf ihn abgegeben.

Den 54-Jährigen nahm der Täter in der Umkleidekabine mit zwei Schüssen aus nächster Nähe unter Feuer. Bei dem zweiten Opfer handelte es sich um den unmittelbaren Vorgesetzten des Täters.

Ärger mit seinen Kollegen soll der Schütze aber nicht gehabt haben, wie die Befragung seiner Kollegen durch die Polizei ergab. "Er galt als ruhiger Mensch und war nicht unbeliebt", sagte Zöllner. Auch habe er mit einigen Kollegen oft Motorradtouren unternommen. Über Konflikte oder Vorfälle sei nichts bekannt geworden.

Der aus Bosnien stammende Schütze habe seit 15 Jahren in der Firma als Maschinenführer gearbeitet und sei nicht vorbestraft gewesen. Woher er die beiden Waffen hatte, konnte die Polizei bislang nicht feststellen.

Produktion soll wieder aufgenommen werden

Auch die Familienangehörigen des Täters zeigten sich laut Polizei über die Tat schockiert. Der in Düsseldorf wohnende Mann selbst war ledig und kinderlos, hatte aber engen Kontakt zu seiner ebenfalls in der Stadt lebenden Mutter und seinen drei Geschwistern. Auch sie konnten den Ermittlern keine Hinweise auf mögliche Hintergründe geben. Beschwerden über seine Arbeit habe er nie geäußert.

Beim Arbeitgeber des 38-Jährigen herrschte Fassungslosigkeit. "Er hat bisher immer gute Beurteilungen bekommen und uns ist seine Verhaltensweise absolut unverständlich", sagte Unternehmenssprecher Manfred Kremer.

Während am Samstag die Produktion noch teilweise unterbrochen war, sollten die Arbeiten am Sonntagnachmittag wieder aufgenommen werden. Die Bluttat stieß dennoch auf Unverständnis. "Wir sind hier alle geschockt und wissen nicht, wie wir uns das erklären sollen", sagte der Firmensprecher.

In dem Werk arbeiten rund 900 Menschen im Schichtbetrieb. Das amerikanische Unternehmen produziert dort unter anderem Hygieneprodukte und Spezialkleber.

Quelle: dapd/kami
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