Kubicki bei Raab
"Vorbereitung? Gar nicht. Ich schlafe aus"
Erst eine Ausladung, dann eine Absage: Die Gästeliste von Raabs Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" sorgt für Wirbel. Wolfgang Kubicki kommt auf jeden Fall – und will notfalls allein diskutieren.
Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ist dafür bekannt, in markigen Worten zu sagen, was er denkt. So ist er ein willkommener Gast in politischen Talkshows. Auch bei der Premiere von Stefan Raabs neuem Polit-Talk "Absolute Mehrheit" am Sonntag wird er dabei sein, auch wenn er die kurzfristige Absage von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bedauert. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost verrät er, wie er sich auf seinen Auftritt vorbereitet.
Berliner Morgenpost: Herr Kubicki, sind Sie enttäuscht, dass Umweltminister Peter Altmaier nicht zur Raab-Talkshow kommt?
Kubicki: Das ist schade. Peter Altmaier ist ein interessanter Gesprächspartner. Wir hätten schnell eine sprachliche Ebene gefunden, angeregt miteinander zu streiten. Ich messe mich gern in Auseinandersetzungen.
Berliner Morgenpost: Sie bleiben also bei Ihrer Zusage?
Kubicki: Na klar. Ich würde auch mit Stefan Raab allein diskutieren.
Berliner Morgenpost: Was versprechen Sie sich von der Talkshow?
Kubicki: Ich werde für die liberale Sache werben. Die Raab-Sendungen werden vor allem von jungen Leuten gesehen. Da erreiche ich ein ganz anderes Publikum.
Berliner Morgenpost: Glauben Sie wirklich, dass eine Talkshow das Interesse an Politik wecken kann?
Kubicki: Das hängt natürlich sehr stark vom Thema und den Gästen ab ....
Berliner Morgenpost: Aber Sie trauen sich zu, mit Ihrem Auftritt Menschen für Politik zu begeistern?
Kubicki: Ja, sonst würde ich mich ja nicht in eine Talkshow setzen. Manchmal ist die Runde zu groß, um einen Gedanken wirklich zu Ende zu bringen. Thematisch bewegt man sich dann an der Oberfläche. Aber es gibt Ausnahmen.
Berliner Morgenpost: Zum Beispiel?
Kubicki: Kürzlich wurde in einer Talkshow der Pirat Johannes Ponader nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Das habe ich interessiert verfolgt.
Berliner Morgenpost: Stefan Raab versteht es, zu provozieren. Haben Sie nicht ein kleines bisschen Furcht?
Kubicki: Stefan Raab diskutiert in der Tat anders als Anne Will, Günther Jauch oder Maybrit Illner. Wir werden sehen, wie ich mich schlage.
Berliner Morgenpost: Schon in den neunziger Jahren haben Politiker beklagt, dass Polit-Talks die Wähler stärker beeinflussen als Parlamentsdebatten. Was läuft da schief?
Kubicki: Ich schaue mir gern Bundestagsdebatten aus den sechziger und siebziger Jahren an. Da wurde noch Klartext geredet. Oft mussten die Redner zur Ordnung gerufen werden. Das wäre doch heute undenkbar. Die meisten Politiker verstecken sich hinter abstrakten Begrifflichkeiten und Allgemeinplätzen.
Berliner Morgenpost: Da sind Sie ganz anders?
Kubicki. Stefan Raab hat vermutliche gute Gründe, warum er mich in seine Talkshow eingeladen hat. Ich sage klar und deutlich, was ich denke. Und ich behaupte, dass ich über ein vernünftiges Maß an Humor und Selbstironie verfüge.
Berliner Morgenpost: Wie bereiten Sie sich auf die Talkshow am Sonntag vor?
Kubicki: Gar nicht. Ich schlafe aus.
Berliner Morgenpost: Um welche Themen wird es gehen?
Kubicki: Steuergerechtigkeit, Energiewende, soziale Netzwerke....
Berliner Morgenpost: Apropos soziale Netzwerke. Twittern Sie eigentlich?
Kubicki: Das ist viel zu gefährlich für mich. Twitter ist ein sehr schnelles Medium, und ich würde möglicherweise Dinge schreiben, die missverstanden werden könnten.
Berliner Morgenpost: Das macht es doch gerade interessant!
Kubicki: Ralf Stegner hat gezeigt, wohin das führen kann. Er hat mit einer Twitter-Nachricht die schwarz-rote Koalition in Schleswig-Holstein gesprengt. Wortwitz und freche Sprüche leben von der richtigen Betonung.
Berliner Morgenpost: Die neue Raab-Sendung wird von den Zuschauern wohl auch auf Twitter begleitet und kommentiert werden. Und Sie haben wirklich keine Ahnung, was auf Sie zukommt?
Kubicki: Ich soll zwei Anzüge mitbringen.
Berliner Morgenpost: Also ist zu befürchten, dass Sie bei einem Spiel baden gehen?
Kubicki: Da gibt es eine Grenze. Klamauk findet mit mir nicht statt.
Berliner Morgenpost: Und wenn Sie die 100.000 Euro gewinnen?
Kubicki: Ich werde das Geld auf jeden Fall nicht für mich verwenden.


















