09.11.12

Kindergartenskandal

Eltern protestieren gegen feige Erzieherinnen

In einer Kita in Herne sollen Kinder gequält worden sein. Die Erzieherinnen, die die Taten einer Kollegin vorwerfen, arbeiten weiter - obwohl sie alles beobachtet haben wollen. Eltern sind empört.

Foto: dpa

Hort brutaler Quälereien oder ein ganz normaler Kindergarten? In Herne werden einer Erzieherin schlimme Dinge vorgeworfen. Angeblich wurde sie von zwei Kolleginnen dabei beobachtet, wie sie Schützlinge quält. Noch steht ein Ergebnis der Ermittlungen gegen sie aus
Hort brutaler Quälereien oder ein ganz normaler Kindergarten? In Herne werden einer Erzieherin schlimme Dinge vorgeworfen. Angeblich wurde sie von zwei Kolleginnen dabei beobachtet, wie sie Schützlinge quält. Noch steht ein Ergebnis der Ermittlungen gegen sie aus

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, wiegen schwer: Eine Erzieherin des katholischen Kindergartens St. Elisabeth in Herne soll ihre Schützlinge mehr als ein Jahr lang misshandelt und gequält haben. Zwei ihrer Kolleginnen berichteten, die 29-jährige Frau habe Kinder beschimpft, geschubst, eingesperrt und gezwungen, ihr Erbrochenes zu essen.

Angesichts dieser Darstellungen, die Ende Oktober öffentlich wurden, war die Aufregung in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt groß – was auch am zweifelhaften Krisenmanagement des Kindergartens und dessen Träger, der katholischen Kirche Herne, lag.

Erst über einen Monat nachdem die zwei Kindergarten-Angestellten einen Brief mit den Vorwürfen an den Kirchenvorstand geschickt hatten, wurden die Eltern auf einem Elternabend informiert. Bis dahin war nur die Beschuldigte suspendiert. Darüber hinaus war angeblich versucht worden, die Geschehnisse intern aufzuklären. Die Eltern wandten sich nach dem Informationsabend an die Presse, zeigten die beschuldigte Erzieherin bei der Polizei an und forderten die Freistellung der Kindergarten-Leiterin. Diese Forderung wurde erfüllt.

Bemerkenswert ist, dass die anklagenden Erzieherinnen in einem Brief an die Elternschaft der "Pinguin"-Gruppe schreiben, sie hätten die Quälereien über Monate tatenlos beobachtet. Ihnen habe der Mut und die Kraft gefehlt, einzuschreiten.

Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten sie sich krankgemeldet. Dass sie nun nach Informationen der Berliner Morgenpost seit Anfang der Woche wieder arbeiten dürfen, ist für viele Eltern ein großes Ärgernis. Denn klar ist: Entweder haben sich die Erzieherinnen der unterlassenen Hilfeleistung strafbar gemacht, oder sie haben die Vorwürfe frei erfunden.

Eltern sind total verunsichert

"Ich finde die Vorgehensweise der Gemeinde nicht richtig. Wir als Eltern haben ein ganz ungutes Gefühl, unsere Kinder jetzt weiter in den Kindergarten zu bringen", sagt Angelique Czajdler. Die Mutter von drei Kindern bringt ihre Zwillingstöchter jeden Morgen in die Kita, "aber ich bin dabei total unsicher." Eine andere Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagte: "Wenn die beschuldigte Erzieherin suspendiert wurde, dann dürften auch die beiden anderen Erzieherinnen so lange nicht arbeiten, bis alles aufgeklärt ist. Stattdessen herrscht da jetzt Friede, Freude, Eierkuchen."

Schon unmittelbar nach den ersten Berichten über die angebliche Kindesmisshandlung gab es Gerüchte, nach denen ein Komplott Hintergrund der Vorwürfe sei. Aus Polizeikreisen hieß es, es gebe Aussagen, die in diese Richtung deuteten, man solle aber niemanden vorverurteilen.

Mehrere Eltern hatten zudem berichtet, die Beschuldigte sei "die beliebteste Erzieherin" und die beiden anderen seien möglicherweise neidisch gewesen. Eine Mutter sagte nun der Berliner Morgenpost, ihr Kind habe ihr erzählt, dass nicht die 29-Jährige ihre Schützlinge in die Turnhalle gesperrt habe, sondern eine der Erzieherinnen, die nun die Vorwürfe erhebt. Eine Stellungnahme der Mitarbeiterinnen hierzu lehnt der Kindergarten ab, während der laufenden Ermittlungen wolle man sich nicht äußern, heißt es. Auch der Anwalt der Beschuldigten teilte der Berliner Morgenpost mit, nicht für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Angstzustände bei den Kindern

Nach Berliner Morgenpost-Informationen hat die Beschuldigte in den vergangenen Wochen gegenüber mehreren Müttern und Vätern schriftlich versichert, Kinder nicht falsch behandelt zu haben. Auch im Gespräch mit dem Kirchenvorstand Ende September soll sie die Vorwürfe bestritten haben. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die sich sicher sind, dass die Erzieherin zurecht verdächtigt wird und juristisch belangt werden muss.

Sie berichten unter anderem von Essstörungen ihrer Kinder, die durch die Qualen, denen sie angeblich ausgesetzt waren, entstanden sein sollen. Eigenartig mutet allerdings an, dass die Vorwürfe erst durch die beiden Erzieherinnen bekannt wurden. Warum haben Eltern, denen Angstzustände ihrer Kinder bekannt waren, nicht selbst die Initiative ergriffen?

Es sind Fragen, die die Staatsanwaltschaft Bochum derzeit zu beantworten versucht. "Die Vernehmungen laufen. Zum Stand der Ermittlungen können wir noch nichts sagen. Auch wir versuchen, herauszufinden, ob die Vorwürfe wahr sind", sagt Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert.

Die Herner Kirche will sich ebenfalls zu dem Fall und der Frage, warum die beiden Erzieherinnen weiterarbeiten dürfen, nicht äußern. Nur Karl-Albrecht Engelhart, den die Herner Kirche als Anwalt beauftragt hat, sagt, juristisch gebe es bislang keine Handhabe gegen die beiden Erzieherinnen, die die Vorwürfe erheben. Daher seien sie wieder im Dienst. Sobald er von der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsakte bekomme, werde die Gemeinde über weitere Schritte entscheiden.

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