09.11.12

Anne Will

"Schraubstock-Technik" für ausweichende Politiker

Eigentlich wollte die Fernsehmoderatorin Anne Will als Kind einen echten Männerberuf erlernen, doch daraus wurde nichts. In einem Buch erzählt Anne Will über ihren Weg in den Journalismus.

Foto: NDR/Andreas Rehmann

Die Sendung von Anne Will ist immer mittwochs in der ARD zu sehen
Die Sendung von Anne Will ist immer mittwochs in der ARD zu sehen

Millionen Fernsehzuschauer sind jede Woche dabei, wenn Anne Will in ihrer gleichnamigen ARD-Sendung Deutschlands wichtigste Politiker ins Kreuzverhör nimmt und die Themen diskutiert, die die Bundesrepublik bewegen. Nun kommt ein Buch raus, in dem die Moderatorin und weitere Top-Journalisten ihre Geheimnisse verraten. Auszug eines Interviews, das die Autoren für ihr Buch geführt haben:

Frage: War es für Sie ein Kindheitstraum, Journalistin zu werden?

Anne Will: Nein, als Kind wollte ich eigentlich Schreinerin werden.

Frage: Schreinerin? Nicht gerade ein typischer Traumberuf für ein Mädchen...

Will: Mit diesem Berufswunsch wollte ich wohl vor allem meinen Vater beeindrucken, der eine Schreinerlehre gemacht hatte, bevor er Architekt wurde. Daraufhin hat er mir einen Werkzeugkasten geschenkt, mit dem ich auch nach Kräften herumgespielt habe. Er hat unwahrscheinlich schöne Modelle für seine Bauten gebastelt - und es roch immer gut nach dem Leim und dem Holz. Aber irgendwann hatte der Werkzeugkasten als Spielzeug ausgedient.

Frage: Wann kristallisierte sich denn heraus, dass Sie Journalistin werden möchten?

Will: Ungefähr mit 16. Ich habe gern Artikel über Journalisten und ihre Arbeit gelesen. Für mich klang das wie ein Traumberuf. Allerdings hatte ich damals überhaupt keine Vorstellung davon, wie er funktioniert. Ich wollte als Journalistin die große weite Welt entdecken, im Team arbeiten und viele spannende Menschen treffen.

Frage: Das hat ja alles geklappt. Heute empfangen Sie in Ihrem Fernsehstudio sogar die Bundeskanzlerin zum Interview. Was muss man draufhaben, um Top-Politiker ins Kreuzverhör zu nehmen?

Will: Man muss inhaltlich sehr gut vorbereitet sein und eine genaue Idee haben, was das Interviewziel ist. Im Gespräch selbst sollte man klare, einfache Fragen stellen und die Frageform immer mal wieder wechseln. Manchmal hilft auch die "Schraubstock-Technik".

Frage: Diese Technik müssen Sie uns erklären...

Will: Wenn ein Politiker ausweicht, wiederhole ich dieselbe Frage notfalls drei- oder viermal, bis alle merken, dass sich mein Gesprächspartner um die Antwort drückt. Das sollte man aber nicht inflationär betreiben, und auf keinen Fall als lustige Spielerei, sondern dann, wenn es wirklich um etwas geht.

Frage: Wie reagiert der Befragte in der Regel, wenn Sie den Schraubstock immer weiter drehen?

Will: Irgendwann wird dann auch dem Befragten klar, dass er jetzt etwas anders sagen muss als das, was er gemeinhin auf diese Frage antwortet. Besonders, wenn ich abschließe, indem ich sage: "Ich habe Sie jetzt viermal gefragt aber Sie haben viermal nicht geantwortet." Das ist bitter für denjenigen, der da sitzt, wenn man das mit Fug und Recht konstatieren kann.

Frage: War die Bundeskanzlerin Ihre bisher größte Interview-Herausforderung?

Will: Das war sicher eine große Herausforderung. Das Gespräch mit Angela Merkel war das erste Einzelinterview, das wir über 60 Minuten gemacht haben. Das ist eine extrem lange Zeit. In dieser Stunde kann man ganz viel falsch machen! (lacht) Man kann aber auch ganz viel richtig machen. Ich habe vor dem Interview schon eine hohe Anspannung gespürt, eine hohe Intensität, die mich wirklich herausgefordert hat. Aber ich würde nicht sagen, dass es die größte Herausforderung meines Berufslebens war. Die größte Herausforderung war, glaube ich, das Talk-Format für mich zu erobern.

Frage: Ist der Journalismus noch ein Traumberuf für Sie?

Will: Ja! Journalismus ist und bleibt mein Traumberuf. Allerdings gebe ich gerne zu, dass das was ich jetzt mache, nämlich Fernsehmoderation, natürlich nur ein Ausschnitt dieses Berufes ist. Mir hat es auch irrsinnig viel Spaß gemacht, als Reporterin zu arbeiten. Rauszufahren, Geschichten aufzutun, mit Menschen zu sprechen, die ich dann erst kennenlernte.

Quelle: DWK
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