08.11.12

Putz-Strampler

Lassen Sie Ihr Baby doch den Boden wischen!

Eine amerikanische Firma macht Werbung für Kinderarbeit: Mit dem "Baby Mop" wird der Nachwuchs zum lebenden Lappen. Sein Produkt sei gut für die Erziehung, sagt Geschäftsführer Mike Parker.

Foto: betterthanpants.com

Die Idee für den umstrittenen „Baby Mop“ stammt aus einer japanischen Comedy-Sendung.

4 Bilder

Berliner Morgenpost: Herr Parker, wer putzt bei Ihnen zu Hause die Böden?

Mike Parker: Leider nicht meine Kinder, falls Sie darauf anspielen. Die sind mit fünf und neun Jahren zu alt für den Strampelanzug.

Berliner Morgenpost: Wie sind Sie darauf gekommen, Babys zu lebenden Wischmopps zu machen?

Parker: Meine Kollegen und ich haben einen ähnlichen Anzug mal vor ein paar Jahren in einer japanischen Comedy-Sendung gesehen. Klasse Idee, dachten wir und haben sie in die Tat umgesetzt. Eigentlich verkaufen wir nur T-Shirts. Seit sechs Wochen bieten wir den "Baby Mop" für 40 Dollar pro Stück auf unserer Homepage an. Langsam nimmt der Verkauf Dimensionen an, mit denen wir nie gerechnet hätten.

Berliner Morgenpost: Inwiefern?

Parker: In der ersten Zeit haben wir ein bis zwei Strampler die Woche verkauft. Dann wurde plötzlich auf Facebook über unser Produkt diskutiert. Seit zwei Wochen bekommen wir 30 bis 50 Bestellungen pro Tag.

Berliner Morgenpost: "Bringen Sie Ihrem Kind schon früh eine starke Arbeitsmoral bei" – so bewerben Sie den Strampler auf Ihrer Homepage. Viele Leute sind außer sich: "Widerliche Kinderarbeit", kommentiert einer, "Ihr Produkt ist eine Beleidigung", ein anderer.

Parker: Wir hatten ziemlichen Spaß, als wir uns die Produktbeschreibung ausgedacht haben. Wir stellten uns das als Gag vor, als Scherzgeschenk für junge Eltern. Manche Leute haben offenbar nicht verstanden, dass die Sache nicht ernst gemeint ist. Einige beschimpfen uns, ja. Aber wir bekommen auch viele witzige Anregungen.

Berliner Morgenpost: Zum Beispiel?

Parker: Eine Frau bat uns, eine Erwachsenen-Version des Stramplers herauszubringen, damit Ihr Ehemann, wenn er nachts betrunken aus dem Pub kommt, darin heim ins Bett kriechen kann. Jemand anders schrieb uns, er wolle den Anzug für seine Katze umschneidern...

Berliner Morgenpost: Auf ihrer Facebook-Seite schlägt jemand vor, ein Modell mit Stiel zu entwerfen.

Parker: Ja, ein paar Leute wollen ihr Baby offenbar wie einen richtigen Mopp über den Boden schrubben.

Berliner Morgenpost: Wird das die nächste Version?

Parker: Nein, so weit wollen wir es nicht treiben. Wie gesagt, der "Baby Mop" ist ja auch bloß ein Witz, wir glauben nicht, dass den wirklich jemand benutzt.

Berliner Morgenpost: Wo produzieren Sie denn den Anzug?

Parker: Hier bei uns in New York.

Berliner Morgenpost: Frei von Kinderarbeit?

Parker: Ja natürlich!

Berliner Morgenpost: Und wer ist das Kind auf den Werbefotos?

Parker: Ach, das ist nur ein Model. Wir haben in unserem Warenhaus keine Babys, die wir auf ihre Putzqualitäten prüfen, ehrlich.

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