31.10.12

Gruseliger Brauch

Halloween - wenn Zombies und Zauberer die Nacht bevölkern

Hexen waren gestern, heute marschieren Monster durch Berlin zu Halloween. Auch in den USA wollen sie trotz "Sandy" von Haus zu Haus ziehen.

Foto: dapd

Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten
Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten

Furchterregende Fratzen, Zombies, Vampire, Mutanten – und immer wieder Blut. Die Maskerade kann gar nicht gruselig genug sein. Hexen, Zauberer und Monster sind zu Halloween unterwegs. Längst auch in Deutschland.

Halloween wird am heutigen 31. Oktober gefeiert, dem Vorabend des Allerheiligentages (englisch: "(All) Hallows" Eve(ning)". Und längst haben sich Einzelhandel und Gastronomie darauf eingestellt.

In Amerika, wo Halloween traditionell ausgiebig zelebriert wird, hat Sturm "Sandy" mit seinen verheerenden Schäden die Pläne vieler Amerikaner an der Ostküste für ihr Halloween-Fest durcheinandergewirbelt.

Die große New Yorker Halloween-Parade, zu der am Mittwochabend im Viertel Greenwich Village rund 40.000 Menschen erwartet worden waren, wurde zum ersten Mal in ihrer fast 40-jährigen Geschichte abgesagt. Die Entscheidung sei mit dem Bürgermeister und der Polizei getroffen worden, schrieben die Veranstalter auf ihrer Webseite.

US-Präsident Barack Obama (51) hat ebenfalls das traditionelle Halloween-Fest für Kinder im Weißen Haus abgesagt. Im vergangenen Jahr hatte er mit seiner Frau Michelle (48) noch etwa 2000 Schulkinder aus der Umgebung Washingtons zu Gast und verteilte – wie Millionen andere - Süßigkeiten.

Auch Supermodel Heidi Klum (39) sagte ihre alljährliche Halloween-Party in New York ab. Sie bat ihre prominenten Gäste um Verständnis. Sie wolle die Party aber bald nachholen.

Viele Familien mit Kindern wollten sich aber am Mittwoch trotz "Sandy" zum traditionellen "trick or treating" – dem von Haus-zu-Haus-Ziehen und um Süßigkeiten betteln – aufmachen. Verkleidungen und Gruselmasken gehören zum Halloween-Spaß dazu.

Grundsätzlich spreche nichts dagegen, dass die New Yorker das Halloween-Fest trotzdem feierten, hatte Bürgermeister Michael Bloomberg bereits am Dienstag gesagt. "Die meisten Straßen sind sicher. Aber seien Sie vorsichtig! Die Eltern sollten bei jedem Weg kritisch entscheiden, ob er geeignet ist."

Woher kommt Halloween?

Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten, dem Samhain ("Ende des Sommers"). In der irischen Mythologie kommen im Jahr zuvor Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück. Geister und Dämonen ziehen mit ihnen umher. Opfer sollen böse Wesen besänftigen, Masken erschrecken und Feuer vertreiben.

Einwanderer aus Irland brachten Ende des 19. Jahrhunderts den Brauch in ihre neue Heimat USA. Halloween wird dort mit Umzügen, gruseligem Schabernack und makaberen Partys gefeiert. Aus Amerika kam der Brauch nach Europa zurück.

War Halloween vor einigen Jahren hierzulande noch nahezu unbekannt, fordern inzwischen auch in Deutschland viele verkleidete Kinder an den Türen Geschenke und drohen mit Streichen ("Süßes oder Saures"). Erwachsene feiern Gruselpartys.

200 Millionen Euro geben die Deutschen aus

Für die Verwandlung in Monster, Zombies, Mutanten oder Außerirdische bedarf es aber nicht zwingend eines Profis. Dank aufklebbarer Narben, diversen Bluteffekten oder Kontaktlinsen und speziellem Make up gelingt auch Laien der Gruseleffekt. "Das Sortiment ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren enorm gewachsen", berichtet Jörg Reisemann, Geschäftsführer von Deko Behrendt in Berlin. "Der Trend geht zum Blutigen. Früher waren Hexen und Zauberer zu Halloween gefragt – heute eher der Zombie." Auf knapp 45 Prozent der Ladenfläche finden sich Kostüme und Utensilien zur Halloween-Saison, die am 31. Oktober ihren Höhepunkt hat. "Die Weihnachtsartikel lassen wir dafür noch im Lager stehen – Halloween ist wichtiger für uns", sagt Reisemann.

Rund 200 Millionen Euro geben die Deutschen inzwischen dafür aus, so eine Schätzung der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. Das Konzept der Kostümhersteller, die das besonders in den USA populäre Ereignis 1994 in Deutschland einführten, zeigt Erfolg. 2011 erlösten zur Fachgruppe zählende Unternehmen 30,75 Millionen Euro mit Halloween-Kleidung – 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kirchen stehen dem Geister-Boom kritisch gegenüber. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen einer Spaßkultur zum Opfer fällt. Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

Quelle: dpa/jkw
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