Kita-Skandal
Ließ Erzieherin in Herne Kinder Erbrochenes essen?
Weitere Vorwürfe im Kita-Skandal in Herne: Die Erzieherin soll Kinder gezwungen haben, Erbrochenes zu essen. Eltern wurden offenbar wochenlang nicht informiert. Die Staatsanwaltschaft schweigt.
Die Vorwürfe gegen eine Erzieherin in einem katholischen Kindergarten in Herne werden immer ungeheuerlicher: Die 29-jährige Erzieherin soll Kinder nicht nur im Schrank eingesperrt haben, sondern auch gezwungen haben, Erbrochenes zu essen. Das berichten die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) und die "Bild" übereinstimmend.
Die "Bild" berichtet weiter, dass die Eltern wochenland nicht über die Vorwürfe und die Suspendierung der Kita-Mitarbeiterin informiert worden seien. "Wir wissen, das war ein Fehler. Aber wir waren sprachlos, wurden von den schlimmen Details überrannt", wird Pfarrer Christian Gröne zitiert.
"Diese Frau", so Gröne weiter, "wird nie mehr einen Fuß in den Kindergarten setzen." Auf Berliner Morgenpost-Anfrage war Gröne nicht erreichbar.
"Er war völlig verschüchtert"
Die "Bild" zitiert die Mutter eines Kindes, das mit ansehen haben müsse, wie seine Freunde von der Erzieherin zuvor Erbrochenes mit einem Löffel eingetrichtert bekamen. "Er wollte nicht mehr essen, war völlig verschüchtert", zitiert das Blatt die Mutter. Auch die WAZ berichtet, dass viele Kinder völlig aufgelöst und verängstigt seien.
Die Erzieherin soll die Kinder zudem gezwungen haben, sich auszuziehen und zur Strafe stundenlang in eine Ecke zu stellen, berichtet die "Bild".
Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich auf Anfrage der Berliner Morgenpost am Freitagvormittag bedeckt, bestätigen nur eine Strafanzeige und den Vorwurf, dass die Erzieherin "psychische und auch körperliche Gewalt gegen Kinder" ausgeübt habe.
Offenbar Anzeige von Kollegin
Die Kindergartenleitung habe sich auf eigenen Wunsch beurlauben lassen, sagte der von der Gemeinde beauftragte Anwalt für die arbeitsrechtlichen Fragen in diesem Fall. Nach seinen Angaben sind die Ermittlungen offenbar durch die Anzeige einer Kollegin ins Rollen gekommen.
Betreuung an anderem Standort?
Die Träger-Aufsicht liegt beim Landesjugendamt. Dort diskutiert man derzeit, ob ein "Weiter so" im Kindergarten in Herne überhaupt möglich ist – oder ob vorübergehend für die rund 70 Kinder ein Neuanfang in räumlicher Distanz nötig ist. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte Klaus-Heinrich Dreyer, Referatsleiter "Tagesbetreuung von Kindern" der Berliner Morgenpost.
Denn noch ist völlig unklar, ob erstens die Erzieherin überhaupt Kinder gequält hat oder ob zweitens möglicherweise sogar Kolleginnen etwas von den Vorwürfen wussten, diese aber stillschweigend duldeten.
Im zweiten Szenario sei eine Betreuung am gleichen Standort äußerst schwierig, da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich sei, so Referatsleiter Dreyer.


















