16.10.12

Niedersachsen

Chemieunfall bei Kraft Foods noch nicht unter Kontrolle

Salpetersäure war in einen Tank mit Natronlauge gefüllt worden. Beim Abpumpen entstand über einem Lebensmittelwerk eine giftige Wolke.

Foto: dpa

Vier Feuerwehrmänner mit Atemschutz kehren von ihrem Einsatzort auf dem Werksgelände von Kraft Foods in Bad Fallingbostel (Niedersachsen) zurück
Vier Feuerwehrmänner mit Atemschutz kehren von ihrem Einsatzort auf dem Werksgelände von Kraft Foods in Bad Fallingbostel (Niedersachsen) zurück

Nach dem Chemieunfall in einem Werk des Lebensmittelkonzerns Kraft Foods im niedersächsischen Bad Fallingbostel hat sich die Lage am Dienstagmorgen wieder zugespitzt.

In dem Reinigungstank, in dem am Montag versehentlich Säure und Natronlauge zusammengemischt wurden, sei am Morgen ein starker Temperaturanstieg festgestellt worden. Dies deute daraufhin, dass in dem Tank eine Reaktion stattfinde, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Ein Sprecher der Feuerwehr bestätigte den Temperaturanstieg. Es sei nicht auszuschließen, dass noch einmal eine Gaswolke aufsteige. Derzeit bestehe ein Gefahrenradius von 50 Metern. Man versuche nun, die Lauge über den Reinigungsbereich abfließen zu lassen.

Der Katastrophenalarm soll deshalb vorerst nicht aufgehoben werden. Schulen und Kindertagesstätten sollten am Dienstag geschlossen bleiben. Die Autobahn 7 war zwischen dem Dreieck Walsrode und Soltau-Süd voll gesperrt.

Am Montagabend hatte sich durch das versehentliche Mischen von Säure und Lauge in einem Nebengebäude eine Giftwolke gebildet. Verletzt wurde niemand.

Am Dienstagmorgen hatte es geheißen, die giftige Gaswolke habe sich aufgelöst. "Es tritt kein Gas mehr aus", wurde ein Sprecher der Feuerwehr zitiert.

Säure war am Montag versehentlich in einen Behälter mit Natronlauge gekippt worden, wie der Sprecher sagte. Beim Versuch die beiden Stoffe wieder voneinander zu trennen, sei gegen Abend eine Gaswolke ausgetreten. Die gefährliche Säurenmischung im Werk werde derzeit abgepumpt. Das könne noch einige Stunden dauern.

Der Einsatz könne sich laut Feuerwehr auch weiter in die Länge ziehen, da die Einsatzkräfte sehr vorsichtig vorgehen müssten. Insgesamt seien derzeit 700 Menschen vor Ort, darunter auch Soldaten. Auch aus Hamburg sei Personal nach Bad Fallingbostel beordert worden.

Anwohner rund um das Werk wurden vorsorglich aus ihren Häusern geholt. Laut Feuerwehr betraf die Evakuierung einen Umkreis von 500 Metern. Rund 1800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Quelle: dpa/dapd/sei
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