13.10.12

Fundstück

Zwei Spuren zum mysteriösen Riesenauge von Florida

Seit dem Fund des ungewöhnlich großen blauen Auges am Strand von Florida rätseln die Wissenschaftler über dessen Ursprung. Zwei Theorien scheinen inzwischen als wahrscheinlich.

Foto: DAPD
APTOPIX Huge Eyeball Beach
Am Strand gefunden: Wissenschaftler der "Florida Fish and Wildlife Conservation Commission" untersuchen jetzt das Auge

Das blaue Riesenauge, das ein Spaziergänger am Strand von Florida entdeckt hat, gibt den Wissenschaftlern weiter Rätsel auf. Doch jetzt haben die Meeresforscher und Biologen erste Hinweise, von dem das "Blue-Eye" stammen könnte.

So will die Biologin Heather Bracken-Grissom von der Universität in Miami die besondere Form der Linse und Pupille auf dem Foto wiedererkannt haben. Sie identifizierte den Besitzer als einen Riesen-Kalmaren, wie unter anderem das US-Blatt "Washington Post" berichtet.

Doch nicht alle sind mit dieser These einverstanden: Auch Trevor Wardill von dem "Marine Biological Laboratory" behauptet, er kenne den Ursprung des Auges. "Ich habe nie einen Riesen-Kalmar mit blauen Augen gesehen", sagte er dem Online-Portal "LiveScience".

Seiner Meinung nach könne es auch von einem Wirbeltier stammen. Dem stimmen auch andere Wissenschaftler zu. Für sie passt das Auge aufgrund seiner Form eher zu einem großen Schwertfisch.

Allerdings stellt sich dann die Frage, wie es an den Strand gespült wurde. Der Knochenfisch nähert sich nur sehr selten den Küsten, weil der Räuber auf offener See jagt, aber auch selbst als beliebter Speisefisch gilt. Er kann eine Größe von bis zu viereinhalb Metern erreichen und 650 Kilogramm schwer werden.

Größer als ein Baseball

Ein gesichertes Ergebnis über den Ursprung des Auges wird es vermutlich erst nächste Woche geben, teilte der Sprecher der "Florida Fish and Wildlife Conservation Commission" mit, die auch das Bild des Auges auf der Facebook-Seite veröffentlicht hatte.

Von der Größe war aber auch er begeistert: "Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, es ist größer als ein Baseball – ungefähr die Größe eines Softballs", sagte Carli Segelson.

Das ominöse Objekt wird zurzeit an der Universität in St. Petersberg obduziert. Dorthin kam es, nachdem der Spaziergänger Gino Covacci das noch blutige Auge gefunden, sofort in eine Plastiktüte gesteckt und schließlich zu den Wissenschaftlern gebracht hat.

Auch er hat eine Theorie: "Für mich stammt es von einem Tintenfisch. Die sind riesig hier vor der Küste", sagte er in einem Interview, das bei YouTube veröffentlicht wurde.

Seemannsgarn der Schiffbrüchigen

Bis heute gibt es nur äußerst wenige Erkenntnisse über die Riesen-Kalmare, die vermutlich in 300 bis 1000 Metern in der Tiefsee leben und deren Existenz lange als Mythos galt. Der erste wissenschaftliche Beweis für ihre Existenz stammt aus dem Jahr 1854. Damals wurde der Horn-Schnabel eines toten Tieres an einem dänischen Strand entdeckt.

Seitdem sind ihm die Forscher auf den Fersen. Erst 2003 konnte ein Exemplar lebend gefangen werden, das aber sehr bald darauf verendete. 2005 tappte ein Tier in 900 Metern Tiefe in eine Futterfalle und wurde fotografiert. Ansonsten sind die Wissenschaftler auf Kadaver angewiesen, die angespült werden oder sich in Schleppnetzen der Fischer verheddern.

Zum Seemannsgarn gehört jedenfalls, dass Riesen-Kalmare angriffslustig seien. Im Zweiten Weltkrieg behaupteten Überlebende, ihr Schiff – der Truppentransporter "Britannia" – sei von einem dieser Tiere in die Tiefe gezogen worden, während sie sich an ein Rettungsboot klammern konnten. Tatsächlich betrug die Länge der Tentakel mit den so markanten Saugnäpfen bei den bisher sichergestellten Tieren bis zu 14 Meter. Echte Beweise für Attacken fehlen aber.

Lebt das Tier noch?

Eines ist aber sicher: Das Auge des Riesen-Kalmars gehört zu den größten im Tierreich. Laut Bracken-Grissom könnte es die Größe eines Fußballs annehmen, was sich vor allem durch den Lebensraum erklärt. Das bestätigt auch der schwedische Biologe Dan-Eric Nilsson von der Lund Universität. In einer Studie schreiben er und sein Team, dass das Auge des Riesen- und Koloss-Kalmares bis zu 27 Zentimeter groß werden könne – vermutlich um damit Pottwale auszumachen, auf deren Speiseplan sie stehen sollen.

Alle Kraken - und damit wohl auch der Riesen-Kalmar - verfügen über eine weiteres biologisches Kuriosum außer Riesenaugen: Manche Körperteile wie ihre Tentakel wachsen nach. Vielleicht lebt der Besitzer des "Blue-Eye" also noch.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Karneval der Kulturen der Welt
19.05.13Umzug
Karneval der Kulturen – 700.000 feiern in Kreuzberg

In Berlin-Kreuzberg ist es wieder bunt und voll: Tausende Tänzer, Musiker und andere Akteure inszenieren den Karneval der Kulturen. 75 Gruppen sind bei dem Multikulti-Umzug dabei. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Herthas blau-weißer Feiertag

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...

VfL Bochum - 1. FC Union Berlin
19.05.13Zweite Liga
Union gelingt mit Auswärtssieg versöhnlicher Saisonabschluss

Mit Tabellenrang sieben und dem ersten Auswärtserfolg nach acht sieglosen Spielen auf fremden Plätzen beendet der 1. FC Union die Zweitliga-Saison. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftGriechenlandDas Selbstbewusstsein ist zurück in Athen
  2. 2. Deutschland„Grünes Band“Landwirte fürchten kalte Enteignung ihrer Felder
  3. 3. Henryk M. BroderUmweltbundesamtEine Behörde erklärt die Klimadebatte für beendet
  4. 4. WirtschaftBDI-ChefGrillo kritisiert EU-Verfahren gegen Solar-Dumping
  5. 5. AuslandNachrichtenagenturAP hat seit Bespitzelung Probleme mit Recherchen
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote