05.10.12

Grausame Eltern

Mitch C. – 18 Jahre lang eingesperrt und gehungert

Als Mitch C. an einer Bushaltestelle aufgefunden wurde, war er völlig ausgemergelt. Sein Stiefvater und seine Mutter hatten in jahrelang systematisch misshandelt. Nun stehen sie vor Gericht.

Foto: dapd

Paul und Sheila C. stehen in Dallas wegen Misshandlung ihres Sohnes Mitch vor Gericht. Sie hatten ihn bis zu seinem 18. Lebensjahr eingesperrt und hungern lassen
Paul und Sheila C. stehen in Dallas wegen Misshandlung ihres Sohnes Mitch vor Gericht. Sie hatten ihn bis zu seinem 18. Lebensjahr eingesperrt und hungern lassen

Dünn und ausgemergelt stand der 18-Jährige an der Bushaltestelle in Los Angeles. Einem Sicherheitsmann fiel der Jugendliche sofort auf – zu Recht, wie Ermittler berichteten.

Mitch C. wurde nach eigenen Aussagen jahrelang eingesperrt und misshandelt. Er war so unterernährt, dass ihm sogar die Nährstoffe für die zweiten Zähne fehlten und er mit 18 noch immer Milchzähne hatte.

Seine 11 und 13 Jahre alten Schwestern hätten keinen Kontakt zu ihm gehabt und ihren Bruder nur von seinen Schreien gekannt, erklärten die Ermittler. "Er ruft nach Essen und wenn er auf die Toilette muss. Das ist alles, was sie von ihrem Bruder kennen", sagte Kyle Shelton bei einer Anhörung vor Gericht.

Ausgesetzt an Bushaltestelle

Mitch C. habe ausgesagt, an seinem 18. Geburtstag vom Stiefvater in einen Bus gesetzt worden zu sein, ausgestattet mit einigen Hundert Dollar und einer Liste von Unterkünften für Obdachlose. Jahrelang sei er in ein Zimmer mit Bad eingesperrt gewesen, Sonne habe er keine mehr gesehen, sodass seine Haut ganz durchsichtig geworden sei.

Der Stiefvater und die Mutter des jungen Mannes gaben den Aussagen zufolge zu, den Sohn zur Strafe eingesperrt zu haben, wiesen Vorwürfe der Misshandlung jedoch zurück. Mitch habe das gleiche Essen bekommen wie der Rest der Familie, drei Mal täglich, erklärte der Stiefvater. Außerdem habe er den Sohn immer mal wieder ermutigt, nach draußen zu gehen, was dieser aber abgelehnt habe.

Eine Anwältin der Eltern betonte weiter, es gebe keine Hinweise, dass das Zimmer wie behauptet mit einem Kühlschrank vor der Tür blockiert gewesen sei. Die Fahrt von Mitch nach Los Angeles begründete der Stiefvater damit, dass der Junge Schauspieler habe werden wollen.

"Dachte, ich hätte es mit einem zu tun"

Zunächst soll Mitch rund ein Jahr lang im Badezimmer gefangen gewesen sein – einem makellos sauberen. Er habe oft geputzt, um der Langeweile zu entgehen, sagte der Junge laut den Berichten der Ermittler. Dann sei Mitch in das daneben liegende Zimmer umgezogen. Auf die Frage, warum er nicht aus dem Fenster geflüchtet sei, habe er geantwortet: "Ich habe Angst vor Krabbeltieren."

Mitch habe erzählt, er habe nur wenig zu essen bekommen. Der Junge sei extrem blass und dünn gewesen, sagte Detective Kevin Morgan aus. "Ich dachte, ich hätte es mit einem Zwölfjährigen zu tun", fügte er hinzu.

Die Eltern hätten ihn manchmal gezwungen, sich auf den Boden zu knien, die Stirn an die Wand zu legen und die Füße hoch zu heben, sagte der Junge den Behörden. In dieser Position habe er gelegentlich sechs bis acht Stunden verharren müssen.

Der Stiefvater, der ebenso wie die Mutter festgenommen wurde, hingegen betonte, es seien nur 40 Minuten gewesen, und wehrte sich gegen weitere Vorwürfe. Eine Freilassung der Eltern auf Kaution lehnte das Gericht aber zunächst ab.

Quelle: dpa/cor
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