23.09.12

Blutiges Fieber

Das Virus, das man zu Recht "den Killer" nennt

Kaum ein Erreger ist so tödlich wie das Ebola-Virus: Zurzeit wütet es in der Demokratischen Republik Kongo. Nur mit strikten Schutzmaßnahmen können weitere Todesopfer verhindert werden.

Foto: CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND

Das Ebola-Virus ist hochansteckend und wird durch Blut und Auswurf überragen
Das Ebola-Virus ist hochansteckend und wird durch Blut und Auswurf überragen

Nicht jeder Erreger hat den Titel "Killer" tatsächlich verdient. Die Bezeichnung wird mittlerweile gern und oft gebraucht, selbst wenn die Krankheitsfolgen nur in Ausnahmefällen tödlich sind. Nicht so bei Ebola.

Das Virus verdient die Bezeichnung zu recht: Es kostet bis zu neun von zehn Infizierten das Leben, dazu auf sehr qualvolle Art und Weise. Erst fühlt es sich an wie eine Grippe, dann kommt es zu schmerzhaften äußeren und inneren Blutungen, bald darauf stirbt der Patient an Multiorganversagen.

Die charakteristischen Blutungen, die der Krankheit auch die Bezeichnung "hämorrhagisches Fieber" eingebracht haben, entstehen aufgrund einer ganz bestimmten Eigenschaft des Virus: Es greift bevorzugt Gefäßwandzellen an. Infolgedessen werden die Gefäßwände siebartig durchlöchert. Blut tritt durch diese Lücken ins Gewebe aus.

Ein Organ versagt nach dem anderen

Je mehr Blut dabei verloren geht, umso schlechter sind die Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Nach und nach versagt ein Organ nach dem nächsten, ohne dass die Ärzte etwas dagegen tun könnten. Gegen Ebola gibt es immer noch keine spezifische Therapie.

Wie wenig bei einer Infektion getan werden kann, zeigt sich derzeit leider wieder in Zentralafrika. In diesen Tagen breitet sich das Ebolavirus in der Demokratischen Republik Kongo aus. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet von 46 Infektionsfällen, 26 weitere Patienten stehen unter Krankheitsverdacht. Erst ein paar Wochen zuvor hatte der Erreger im benachbarten Uganda 16 Menschen das Leben gekostet.

Ebola wird auch im Rest der welt gefürchtet

Das Ebolavirus ist zwar in Afrika heimisch, wird allerdings auch im Rest der Welt gefürchtet. Ein Grund dafür dürfte der Seuchen-Thriller "Outbreak" von Regisseur Wolfgang Peteresen sein, der Mitte der 90er-Jahre vielen Kinozuschauern eine Gänsehaut bescherte.

In dem Film sorgt ein importiertes infiziertes Äffchen dafür, dass ein dem Ebola sehr ähnliches Virus plötzlich auch in den Vereinigten Staaten wütet. Die weit entfernte Tropenkrankheit, die schon damals Hunderte von Afrikanern das Leben kostete, scheint vielen Zuschauern seitdem furchtbar nahe.

Glücklicherweise wird es wohl bei einer Scheinbedrohung bleiben. Denn selbst wenn das Virus einmal hierzulande eingeschleppt werden würde, müsste dies noch lange nicht in einer landesübergreifenden Epidemie enden.

Weniger ansteckend als Grippe-Viren

Im Vergleich zu manch anderen gefährlichen Viren – wie beispielsweise der saisonalen Grippe – ist das Ebolavirus nämlich wesentlich weniger infektiös. "Die Ansteckung erfolgt nicht über die Luft, sondern hauptsächlich beim direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten wie Blut und Speichel", sagt Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität in Marburg.

Doch wie kommt es dann, dass sich das Ebolavirus in Afrika dennoch weiter verbreitet? Ein Grund ist sicherlich, dass es in vielen entlegenen Dörfern an den einfachsten medizinischen Mitteln fehlt, an Einmal-Handschuhen, OP-Kitteln und einem Mundschutz.

Denn auch wenn das Virus nicht durch die Luft schwebt, wird es natürlich aus jeder blutenden Wunde freigesetzt – von denen der Ebolapatient typischerweise viele hat. Jede ungeschützte, direkte Berührung birgt deshalb das große Risiko einer Ansteckung.

Verstorbene werden nicht einfach begraben

Ein anderer Grund sind die in Zentralafrika praktizierten Bestattungsriten. Verstorbene werden dort nicht einfach nur begraben. Die Leichnam zu waschen und mehrfach zu berühren ist fester Bestandteil jeder Beerdigung. Deshalb können bei einer Bestattung gleich viele Dorfbewohner infiziert werden.

Entwicklungshelfer und sogar die eigene Regierung fordern deshalb zum Bruch mit den Traditionen auf. Allerdings fast ohne Erfolg. "Die überlieferten Bestattungstraditionen sind für die Hinterbliebenen sehr bedeutsam. Auch intensive Aufklärungskampagnen sind daher nur selten erfolgreich", sagt Becker.

Wahrscheinlich sind auch die immer wiederkehrenden Ebola-Epidemien Folge von unvorsichtigem Verhalten. Denn die Viren werden auch bei der Zubereitung von Affenfleisch auf den Menschen übertragen. Die infizierten Tiere sind für die Dorfbewohner eine leichte Beute.

Tödlicher Keim im Affenfleisch

Dass sie mit dem schnell erlegten Mahl aber auch einen tödlichen Keim mit nach Hause tragen, das ist den Dorfbewohnern oft nicht bewusst. Einmal dort angekommen, ist die Ausbreitung des Virus nur schwer aufzuhalten.

Der Hauptwirt des Ebolavirus ist allerdings nicht der Affe, sondern der Flughund. Im Gegensatz zu Affen und Mensch trägt dieser das infektiöse Virus zwar in sich, erkrankt dabei aber nicht. Der Erreger kann ihm nichts anhaben. Infizierte Flughunde können deshalb ihr Leben lang die gefährlichen Viren auf andere Tiere übertragen.

Zur Ansteckung kommt es womöglich an der Futterstelle

Die Übertragung auf Affen scheint dabei besonders häufig zu sein. "Sowohl Flughunde als auch Affen fressen Früchte. Es ist denkbar, dass es an der Futterstelle zu einer Ansteckung kommt", erklärt der Marburger Virologe Becker.

Natürlich ist aber auch die direkte Übertragung auf den Menschen denkbar. Wer das tödliche Virus fürchtet, sollte deshalb nicht nur Affenfleisch und Infizierte meiden, sondern auch Höhlen, den Lebensraum von Flughunden. Wenn es auch noch leider kein Heilmittel gegen das Killervirus gibt, so können zumindest weitere Opfer durch Vorsicht und Bedacht verhindert werden.

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