18.09.12

Gesundheitsgefährung

Bundesamt warnt vor Pansch-Alkohol aus Tschechien

In Tschechien sind bereits 20 Menschen an gepanschtem Alkohol gestorben, jetzt warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz vor Spirituosen ohne Herkunftsnachweis: Sie können giftiges Methanol enthalten.

Quelle: Reuters
18.09.12 1:13 min.
Verbraucherschützer warnen vor dem Konsum von Spirituosen aus Tschechien. Dort und in Polen ist schwarz gebrannter Alkohol für den Tod von 20 Menschen und zahlreiche Erblindungen verantwortlich.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat vor gepanschtem Alkohol aus Tschechien gewarnt. Diese Produkte könnten methanolhaltigen Alkohol enthalten, der zur Erblindung und in größeren Mengen auch zum Tod führen kann, wie die Behörde in Berlin mitteilte.

Bislang gebe es noch "keinerlei Hinweise", dass gepanschter Alkohol nach Deutschland gelangt sein könnte, sagte ein BVL-Sprecher am Dienstag. Es sei auch "sehr unwahrscheinlich", dass dies über legale Vertriebswege geschehe. Wer sich in Tschechien aufhalte, sollte aber "besonders sensibilisiert" sein.

Bei den verdächtigen Spirituosen handelt es sich um hochprozentigen Wodka und Rum ohne Herkunftsnachweis, der aus unetikettierten Plastikfässern abgefüllt und an kleine Geschäfte und Verkaufsstände in der tschechischen Region Ostrava im Osten des Landes abgegeben wurden.

Verkauf hochprozentiger Getränke verboten

In Tschechien starben nach Angaben der dortigen Behörden bislang mindestens 20 Menschen, nachdem sie gepanschten Alkohol getrunken hatten. Dutzende mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die tschechische Regierung hatte am Wochenende den Verkauf hochprozentiger Getränke verboten und landesweite Razzien angeordnet.

Nach Angaben der tschechischen Behörden gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass methanolhaltige Spirituosen außerhalb von Tschechien auf legalem Wege vertrieben worden sind. Es könne aber nicht ganz ausgeschlossen werden, dass auch deutsche Verbraucher betroffene Spirituosen erworben haben und damit einer akuten Gesundheitsgefahr ausgesetzt sind.

Schwarzmarkt brummt in Tschechien

Der Schwarzmarkt mit Hochprozentigem brummt in Tschechien, warnen Experten seit langem. Am Kiosk, an mobilen Verkaufsständen, auf Asienmärkten und in Tausenden 24-Stunden-Läden ist der Billig-Fusel zu haben.

Etwa ein Fünftel allen Alkohols wird unter der Ladentheke verkauft, wie der Prager Biotechnologie-Professor Karel Melzoch sagte. In den verarmten Industrie-Regionen im Nordosten Tschechiens dürfte es die Hälfte sein.

Das Schockierende: Der Schwarzmarkt-Fusel wird nicht mehr gebrannt, sondern wie im Chemielabor gemischt. Nun müsse es bei der illegalen Produktion zu einem fatalen Fehler gekommen sein, sagte Melzoch: "Jemand hat ein Fass vertauscht."

Statt Trinkalkohols landete das gefährliche Methanol im selbstgemischten Pseudo-Wodka. Nur so sei die enorme Gift-Dosis in den Getränken überhaupt zu erklären. Bei einem Patienten wurden nach Angaben von Ärzten im Blut 7 Promille reinen Methanols gemessen.

Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen

Der Pansch-Skandal könnte weit größere Ausmaße haben als bekannt. "Wenn man früher auf der Straße einen Toten mit einer Alkoholfahne gefunden hat, dann wurde nicht lange nachgeforscht, ob er zu viel Methanol im Blut hatte", sagte Melzoch. Die Menschen seien nun durch die zahlreichen Medienberichte stärker sensibilisiert.

Zunächst hatten Opfer des Pansch-Skandals Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit noch für Zeichen eines gewöhnlichen Katers gehalten. Sie kamen zu spät in die Klinik, erblindeten oder starben an Atemlähmung

"Wenn jemand Sehstörungen bekommt, dann hält er es nicht mehr für einen Kater und geht ins Krankenhaus." Der Zustrom an Verdachtsfällen komme inzwischen einer Lawine gleich, erläuterte ein Chefarzt aus Ostrava.

Methanol deutlich billiger

Tschechien liegt weltweit im Alkoholkonsum auf dem zweiten Platz hinter der Ex-Sowjetrepublik Moldau, wie aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation hervorgeht. Hinter der Gift-Pfuscherei könnte daher pure Gewinn-Sucht stehen.

Reiner Alkohol kostet in Tschechien einschließlich Branntweinsteuer umgerechnet 12,50 Euro pro Liter. Methanol ist mit einem Einkaufspreis von 24 bis 40 Cent deutlich billiger. Mit der Chemikalie könnten Spirituosen nach Meinung von Experten gestreckt worden sein. Seit 1999 hat sich der Import von Methanol jedenfalls verdreifacht.

Nach Angaben des sächsischen Verbraucherschutzministeriums wurden vom tschechischen Gesundheitsministerium folgende Spirituosenmarken im Zusammenhang mit den Methanolvergiftungen in Tschechien genannt: Lassky Tuzemak, Tuzemak, Svestkova Vodka, Vodka Lunar, Hanacka Vodka, Merunka Borovicka.

Quelle: AFP/dpa/mak
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