Alpen-Morde
Getöteter Radfahrer rückt ins Visier der Ermittler
Neue Theorien zum Vierfachmord in den Alpen: War nicht die britische Familie, sondern der französische Radfahrer das Hauptziel des Mörders? Ermittler vermuten ein Doppelleben von Sylvain Mollier.
Zwei Wochen nach dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen präsentieren die Ermittler neue Thesen zum Vorfall. Nicht der Vater der getöteten britischen Familie könnte Ziel des Täters gewesen sein, sondern der 45-jährige Radfahrer Sylvain Mollier, berichtet die britische Zeitung "Daily Mail".
Der Franzose Mollier, der mit fünf Kopfschüssen niedergestreckt wurde, stammt aus einer Ortschaft in der Nähe des Waldparkplatzes, auf dem die Opfer gefunden wurden. Seine Frau hatte erst im Juni das letzte gemeinsame Kind zur Welt gebracht. Mollier befand sich zum Zeitpunkt des Mordes in Elternschaft und nutzte seine freie Zeit zum Radfahren.
Arbeit für Nuklearfirma
Bisher waren die Ermittler davon ausgegangen, dass der Fahrradfahrer nur durch einen unglücklichen Zufall gestorben war. Doch nun fokussieren die Ermittlungen auf den Franzosen.
Mollier arbeitete für die Nuklearfirma Cezus, eine Tochterfirma der international tätigen Areva-Gruppe, die Hüllen für atomare Brennstäbe herstellt. In Deutschland arbeiten etwa 5900 Mitarbeiter für die Konzerngruppe. Wichtigster Produktionsort ist Erlangen mit 3500 Mitarbeitern.
Der französische Ermittler Benoît Vinnemann spekulierte nun gegenüber Journalisten über ein eventuelles Doppelleben des dreifachen Familienvaters.
Ein Verdacht, der auch Auswirkungen auf die Begräbnisfeierlichkeiten hatte: Sylvain Mollier wurde mittels Erdbestattung in seiner französischen Heimatgemeinde beigesetzt, jedoch nicht, wie die Familie es eigentlich wünschte, verbrannt. Damit ließen sich die Forensiker eine weitere Untersuchung des Leichnams offen.
Bei dem Mord wurden neben Sylvain Mollier der 50-jährige Ingenieur Saad al-Hilli, ein Brite irakischer Abstammung, al-Hillis Frau sowie die 74-jährige Schwiegermutter getötet. Die beiden Töchter des Briten überlebten.
Überlebende spricht von Einzeltäter
Von der Befragung der siebenjährigen Tochter Zainab erhoffen sich die Ermittler nach wie vor wichtige Hinweise zum Täter. Sie überlebte schwer verletzt und musste kurzzeitig ins Koma versetzt werden. Mittlerweile ist das Mädchen erwacht und sprach nach Angaben der Ermittler von einem Einzeltäter.
Das würde auch die Angaben bestätigen, dass die 25 auf dem Parkplatz abgegebenen Schüsse alle aus einem Gewehr stammen.
Zainab wurde am Freitag nach Großbritannien ausgeflogen, wo sich auch schon ihre vierjährige Schwester Zeena aufhält. Diese hatte in der ersten kurzen Befragung nach dem Mord von Schreien und Schüssen gesprochen. Die beiden Mädchen befänden sich mittlerweile streng bewacht in einem Ort nahe London.
Viele Fragen, kaum Antworten
Die Ermittler waren davon ausgegangen, dass Saad al-Hilli Opfer eines Auftragsmordes wurde. Al-Hilli arbeitete für einen Rüstungskonzern, der Satelliten entwickelte, die zu Spionagezwecken eingesetzt werden.
Doch die Reihe möglicher Mordszenarien erweitert sich: Auch die im Auto erschossene Schwiegermutter des Briten al-Hilli hatte offenbar Morddrohungen erhalten – allerdings von al-Hilli selbst, berichtet die britische Zeitschrift "The Telegraph".
Eine weitere Variante, der die Ermittler ebenfalls seit längerem nachgehen, ist ein Erbschaftsstreit zwischen Saad al-Hilli und seinem Bruder. Die Angaben bleiben widersprüchlich. Beweise stehen aus.



















