Wenn Eltern sterben
"Ich kann jetzt leichter 'Ich liebe Dich' sagen"
Der Tod von Vater oder Mutter macht erwachsene Menschen wieder zum Kind. "Abschied für immer" aus der ZDF-Doku-Reihe "37 Grad" zeigt, wie unterschiedlich Trauer empfunden wird.
Vater und Mutter prägen das Leben ihrer Kinder maßgeblich. Sie tragen dazu bei, welche Wege wir gehen, was für eine Persönlichkeit wir entwickeln und wie selbstständig wir später einmal sind. Doch auf ihren eigenen Tod können sie uns nur bedingt vorbereiten.
Regisseur Manuel Fenn hat in seinem Film "Abschied für immer – Wenn die Eltern sterben" (Dienstag, 18. September, 22.15 Uhr in der ZDF-Doku-Reihe "37 Grad") zwei Menschen auf ihrem Weg in ein Leben ohne Eltern begleitet, und dabei auf den ersten Blick nur eine Binsenweisheit festgestellt: Jeder Mensch verarbeitet den Verlust der längsten und wichtigsten Bezugspersonen in seinem Leben ganz unterschiedlich.
Lars, 42, und Katharina, 18, stellen fest, dass zur Konfrontation mit dem Sterben mehr gehört, als sich nur von einem geliebten Menschen zu verabschieden.
Lars hebt die alte Wanduhr seiner Mutter in den Kofferraum seines Autos. Er möchte ihr Zimmer im Hospiz etwas vertrauter machen. Die 74-Jährige hat Krebs und könnte schon bald sterben.
Für Lars ist es eine Zeit, in der er nicht nur trauert, sondern auch über sich hinauswächst: "Ich kann jetzt viel leichter 'Ich liebe Dich' sagen." Es ist die Krankheit, die die Beziehung zwischen Mutter und Sohn intensiviert hat.
Katharina war gerade erst 18 Jahre alt, als ihr Vater an Krebs starb. Katharina erzählt, wie sehr das Pflegen ihres Vaters ihr geholfen hat, sich von ihm zu verabschieden. "Man versucht, jemanden zu finden, den man dafür verantwortlich machen kann. Aber es gibt keinen. Ich bin froh, dass mein Vater so offen mit seiner Krankheit umgegangen ist."
Offenheit versus Diskretion
Hier unterscheiden sich die beiden Geschichten voneinander. Wo bei Katharina große Offenheit herrscht, setzt Lars auf Zurückhaltung. Er möchte um jeden Preis verhindern, dass seine Tochter mitbekommt, wie sehr ihr Vater, aber auch ihre Großmutter leiden.
Die Dokumentation von Manuel Fenn setzt auf distanzierte Nähe zwischen Zuschauer und Interviewpartnern. Lars und Katharina sprechen zwar äußerst offen über die Gefühle und Eindrücke, doch zu intime Details werden diskret zurückgehalten.
Kleine Hinweise füllen die Lücken, Fotos aus glücklicheren Zeiten sind im Hintergrund zu sehen, manchmal flackert eine Kerze. Immer wieder aber sieht der Zuschauer auch, wie Lars sich die Tränen zurückhalten muss oder Katharina nach Worten sucht.
Dennoch geht das Leben weiter, und in dieser Einsicht kommen sich die beiden Protagonisten nah: Katharina geht zum Joggen und trifft Freunde im Café, Lars ist beim Spielen mit Frau und Tochter zu sehen.
"Abschied für immer" zeigt, dass der Tod manchmal helfen kann, den Kindern die Angst vor dem Leben zu nehmen. Oder um es mit Katharinas Worten zu sagen: "Das Leben ist ein Geschenk, welches man intensiv und furchtlos leben sollte".
"Abschied für immer – Wenn die Eltern sterben", Dienstag, 18. September, 22.15 Uhr im ZDF


















