28.08.2012, 14:51

Belgien Komplizin von Kindermörder Dutroux verlässt Gefängnis

Ex-Frau des Kindermörders Dutroux darf ins Kloster

Foto: DPA

Michelle Martin ließ zwei Mädchen qualvoll verhungern. Nun wird die Ex-Frau von Marc Dutroux vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kindermörders Marc Dutroux darf nach 16 Jahren Haft das Gefängnis unter Auflagen vorzeitig verlassen. Das entschied das höchste belgische Gericht am Dienstag in Brüssel. Michelle Martin war 1996 mit Dutroux festgenommen und im Jahr 2004 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden, sie will künftig in einem Frauenkloster in Malonne nahe der südbelgischen Stadt Namur leben.

Zuvor hatte sich Staatsanwalt Raymond Loop dafür ausgesprochen, die 52-Jährigen vorzeitig auf freien Fuß zu setzen. Er hatte dem Gericht empfohlen, die Widersprüche von Opferfamilien zurückzuweisen.

Michelle Martin war als Mittäterin ihres Ehemannes verurteilt worden. In Belgien ist eine vorzeitige Entlassung möglich, wenn mindestens ein Drittel der Strafe verbüßt ist. Künftig soll dies in besonders schweren Fällen nicht mehr möglich sein.

Die Affäre Dutroux hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien traumatisiert. Marc Dutroux hatte sechs Mädchen entführt, missbraucht und in einem geheimen Verlies eingekerkert. Dort starben vier der Mädchen. Seine Ehefrau trug eine Mitschuld, weil sie die beiden Kinder Julie und Mélissa verhungern ließ. Das Verbrechen hatte zu landesweiter Empörung geführt, weil Dutroux ebenso wie seine Frau schon zuvor wegen Entführung und Vergewaltigung von Mädchen im Gefängnis waren.

Gegen die geplante Entlassung Martins hatten bereits 5000 Menschen in Brüssel protestiert. Am Dienstag blieb es vor dem Justizpalast ruhig. Nur wenige Demonstranten hielten Plakate hoch mit Aufschriften wie: "Hängt die Kinderschänder" oder "Sie war nicht alleine schuldig." Der Vater eines der ermordeten Mädchen, Jean-Denis Lejeune, war im Gerichtssaal und wandte sich hinterher gegen die geplante Freilassung Martins: "Diese Frau ist verantwortlich für das Schlimmste. Sie ist eine Wiederholungstäterin."

Die Freilassung ist an ein Dutzend Auflagen zum Aufenthaltsort, dem Verbot von Reisen und einer Psychotherapie geknüpft. Martin hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Anträge auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Erst jetzt genehmigte die belgische Justiz den Antrag, weil der Resozialisierungsplan vorsieht, dass sie künftig im Kloster lebt – ohne aber selbst Nonne zu werden.

Nun will sich die 52-Jährige direkt in das Kloster der "Armen Schwestern der heiligen Klara von Assisi" in Malonne bei Namur begeben. Auch dort hatten Anwohner bereits protestiert. Um Übergriffe zu vermeiden, sollen 30 Polizisten künftig rund um die Uhr das Kloster bewachen.

Der Anwalt zweier Opferfamilien kündigte am Dienstag erneut an, im Fall des Scheiterns vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu klagen. "Wir wollen vor ein Tribunal ziehen, das diesen Namen verdient, das uns zuhört und wo wir reden können", sagte Anwalt Georges-Henri Beauthier nach der Anhörung vor Gericht. Die Opfer seien nicht gehört worden.

Dutroux selbst sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab. Sein Anwalt, Ronny Baudewijn, sagte der Zeitung "Het Niuewsblad" auch sein Mandant hoffe, eines Tages das Gefängnis verlassen zu können.

(AFP/sei)
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