27.08.12

Kölner Zoo

Pflegerin wurde bereits 2005 von einer Großkatze attackiert

Die getötete Zoowärterin wurde schon einmal von einem Leoparden schwer verletzt. Jetzt werden Rufe nach einem Haltungsverbot für Tiger laut.

Quelle: Reuters
25.08.12 1:31 min.
Im Kölner Zoo hat sich ein dramatisches Unglück ereignet. Ein Tiger fiel eine Tierpflegerin in seinem Gehege an und tötet sie. Daraufhin musste das Tier vom Zoodirektor erschossen werden.

Zwei Tage nach der tödlichen Tigerattacke lässt die Staatsanwaltschaft die Leiche der 43 Jahre alten Pflegerin Ruth K. obduzieren. Dies sei üblich, wenn die genaue Todesursache ungeklärt sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bislang geht die Zooleitung davon aus, dass die Pflegerin versäumt hatte, eine oder zwei Verbindungstüren im Inneren des Tigergeheges zu schließen, bevor sie einen Teilbereich dieses Innengeheges vom sogenannten Wirtschaftsraum aus betrat.

Nach Recherchen von Morgenpost Online war die Pflegerin Ruth K. schon einmal Opfer einer Großkatzenattacke. 2005 wurde sie von einem Leoparden angegriffen, als sie dessen Gehege reinigen wollte. Das Tier fügte ihr damals schwere Verwundungen am Hals zu, an deren Folgen sie lange litt. Unter anderem waren auch ihr Kehlkopf und ihre Stimmbänder verletzt worden, was ihr noch Jahre später Schwierigkeiten beim Sprechen bereitete. Damals hatte ein anderer Pfleger Ruth K. aus dem Gehege ziehen und in Sicherheit bringen können.

Dieser Vorfall war vom Kölner Zoo nie öffentlich gemacht geworden, er taucht auch nicht in den Übersichten über Zwischenfälle in deutschen Zoos auf – wurde aber nun vom Kölner Zoo bestätigt. Wie es zu diesem früheren Leopardenangriff auf Ruth K. kam und welche betriebsinternen Konsequenzen aus diesem Vorfall gezogen wurden – darüber schweigt der Kölner Zoo bislang. Zoodirektor Theo Pagel beantworte vorerst keine Fragen, hieß es.

Tötung des Tigers galt als alternativlos

Dass der Zoochef Theo Pagel den Sibirischen Tiger nach der Attacke auf die Pflegerin erschoss, ist nicht Gegenstand der derzeitigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. In Internetforen hatte Pagels Handeln teilweise zu empörten Reaktionen geführt. Der Zoo begründete die Erschießung damit, dass der Tiger unmittelbar neben der schwerverletzten Pflegerin gesessen habe und es zu viel Zeit gekostet hätte, ihn zu betäuben. Eine Tötung war also alternativlos.

Einige Tierschützer fordern nun ein Verbot der Tigerhaltung in Zoos. Ein hundertprozentig sicheres Gehege gebe es nicht, sagte Peter Höffken von der Organisation Peta. "Wenn ein Tiger die Möglichkeit hat, einen Menschen anzufallen oder zu entkommen, dann nutzt er diese auch. Allein in diesem Jahr sind schon drei mal Geparden aus ihrem Gehege entkommen, einmal im Kölner Zoo, zwei mal im Tiergarten Nürnberg. Daran sieht man doch: Diese Tiere wollen einfach nur raus."

"Absoluter Blödsinn!", sagte dazu Peter Dollinger, Generalsekretär des Verbands Deutscher Zoodirektoren in Bern. "Wir führen keine Statistik, aber ich denke, wenn es in den letzten zehn Jahren zwei, drei Unfälle mit tödlichem Ausgang in Deutschland gab, dann ist das viel. Und das gibt es natürlich in anderen Branchen genauso."

Der Direktor des Frankfurter Zoos, Manfred Niekisch, bezeichnete derweil die Erschießung des Tigers durch seinen Kölner Kollegen als unausweichlich. "Man musste nach dem Angriff davon ausgehen, dass die Pflegerin noch lebte", sagte Niekisch dem Sender HR-Info. "Eine Betäubung des Tigers hätte etwa 15 Minuten gedauert. Der Kölner Kollege hatte keine andere Wahl." Generelle Forderungen von Tierschutzorganisationen nach Abschaffung der Raubtierhaltung in Zoos oder gar einer Schließung aller Tierparks wies der Frankfurter Zoodirektor mit Nachdruck zurück. mit AFP

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Kölner Zoo

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    Der Sibirische Tiger gilt als einer der größten Katzen der Welt. Er kann eine Körperlänge von 2,80 Meter und ein Gewicht von über 250 Kilogramm erreichen und hat eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren. Wie alle Unterarten des Tigers ist auch der Sibirische Tiger in freier Wildbahn von der Ausrottung durch den Menschen bedroht. Nachdem sein Bestand im Jahre 1940 auf lediglich 20 bis 30 Tiere gesunken war, wurde er unter strengen Schutz gestellt. Heute überleben etwa 200 Sibirische Tiger in einem einzigen Schutzreservat im Amur-Ussuri Gebiet in Sibirien. In Zoos sind Sibirische Tiger jedoch häufig vertreten. Durch gezielte Zuchtprogramme wird die Zoopopulation weiter aufgebaut. Die Zahl der in den Zoos der Welt gehaltenen Sibirischen Tiger übersteigt heute 1000 Tiere.

     

    Quelle: dpa

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