27.08.12

Kölner Zoo

Tierschützer fordern Tiger-Verbot in deutschen Zoos

Die Tiger-Attacke auf eine Pflegerin im Kölner Zoo hat einen Streit um Wildtierhaltung ausgelöst. Kritiker fordern ein Tiger-Verbot.

Foto: DAPD

Tiger "Altai" (links, Foto von März 2012) hat im Kölner Zoo seine Pflegerin getötet und ist anschließend erschossen worden.

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Tiger sind gefährlich, aber im Zoo wirken sie mitunter geradezu zahm. Sie dösen auf einem Felsen oder trotten im Kreis herum. Selbst wenn sie vor Besucher treten, getrennt durch eine Panzerglasscheibe, zuckt keiner zurück. Nun hat die tödliche Attacke auf eine Pflegerin im Kölner Zoo klar gemacht, wie gefährlich die Tiere sind. Einige Tierschützer nutzen nun die Gelegenheit, um die Wildtierhaltung infrage zu stellen.

Die genauen Umstände des Unfalls im Kölner Zoo sind nun Sache der Staatsanwaltschaft. Dass Zoodirektor Theo Pagel den Sibirischen Tager erschoss, ist nicht Gegenstand der Ermittlungen. In Internetforen hatte das zu empörten Reaktionen geführt. Der Zoo begründete Pagels Handeln damit, dass der Tiger unmittelbar neben der schwerverletzten Pflegerin gesessen habe und es zu viel Zeit gekostet hätte, ihn zu betäuben. Am Montag nahm der Zoo dazu nicht weiter Stellung.

Die Tierschutzorganisation Peta fordert derweil von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein Verbot. "Wenn ein Tiger die Möglichkeit hat, einen Menschen anzufallen oder zu entkommen, dann nutzt er diese auch", sagt Peta-Mitarbeiter Peter Höffken. "Allein in diesem Jahr sind schon drei Mal Geparden aus ihrem Gehege entkommen, einmal im Kölner Zoo, zwei Mal im Tiergarten Nürnberg. Daran sieht man doch: Diese Tiere wollen einfach nur raus."

"Ein Restrisiko bleibt immer"

"Absoluter Blödsinn!", lautet dazu der Kommentar von Peter Dollinger, Generalsekretär des Verbands Deutscher Zoodirektoren in Bern. "Wir führen keine Statistik, aber ich denke, wenn es in den letzten zehn Jahren zwei, drei Unfälle mit tödlichem Ausgang in Deutschland gab, dann ist das viel." Ein Restrisiko bleibe immer, sagt der Zoologische Direktor im Hamburger Tierpark Hagenbeck, Stephan Hering-Hagenbeck.

Kritiker verweisen darauf, dass das Revier eines freilebenden Tigers in etwa so groß ist wie die Fläche einer Großstadt. "Die Tiere legen am Tag bis zu 30 Kilometer zurück", sagt Thomas Pietsch von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Untersuchungen hätten ergeben, dass solche Tiere im Zoo besonders oft Verhaltensstörungen entwickelten. "Bei Raubkatzen wie Tigern ist das oft dieses Auf- und Abgehen auf festen Wegen über einen langen Zeitraum."

Ja, aber – entgegnen die Befürworter – wer sagt denn, dass es dem Tiger Spaß macht, so weit herumzulaufen? Das tut er doch nur, weil er Beute jagen muss. Ein Löwe, der seine Löwinnen jagen lassen kann, verbringt auch in freier Wildbahn 23 von 24 Stunden mit Schlafen. Und bei Wildluchsen hat eine Untersuchung nach Angaben der Zoodirektoren ergeben, dass sie zwar große Strecken zurücklegen, aber dabei immer auf denselben Pfaden bleiben.

"Die Erhaltungszucht bedrohter Tierarten darf trotz wiederkehrender Unfälle nicht infrage gestellt werden", sagt Hering-Hagenbeck. Der Zoo als Arche Noah – ein schönes Bild. Aber auch davon lassen sich die Kritiker nicht überzeugen. Die schon in Gefangenschaft geborenen Zoo-Tiger wären in der Wildnis nicht überlebensfähig und könnten deshalb niemals dazu dienen, die bedrohten Bestände wieder anzureichern, sagen sie.

WWF: Kein Tiger-Verbot in deutschen Zoos

Die Naturschutzorganisation WWF will sich den Forderungen nach einem Tiger-Verbot für die deutschen Zoos dennoch nicht anschließen. Es stimme zwar, dass selbst das größte Freigehege keinen natürlichen Lebensraum schaffen könne, sagt WWF-Sprecher Jörn Ehlers. Aber neben der Zucht zur Arterhaltung ist für ihn vor allem der Bildungsauftrag der Zoos unverzichtbar: "Viele Leute haben, glaube ich, durch Knut den Eisbär zum ersten Mal davon erfahren, dass die Arktis schmilzt."

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    Quelle: dpa

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