16.08.12

SM-Roman

Hamburger Domina gibt Einblicke in ihr Leben

Peitsche, Rohrstock, Käfig: In dem autobiografischen Sadomaso-Roman "Safeword" erzählt Nala Martin von ihrem Leben als Domina.

Foto: DAPD

Ernster Domina Blick und mütterliches Lächleln für Nala Martin kein Widerspruch: Sie ist Domina, Mutter, Informatikerin und seit neuestem Autorin.

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Nala Martin mag am liebsten die Bullwhip, eine lange Peitsche. "Die wurde früher beim Ackerbau benutzt und man kennt sie aus den Indiana-Jones-Filmen", sagt die 32-Jährige. Die Peitsche in der einen, zieht sie sich mit der anderen Hand sanft die Lippen nach. Roter Lippenstift ist Pflicht. In einem Moment hat sie diesen ernsten Domina-Blick drauf, im nächsten blitzt ein strahlendes, mütterliches Lächeln hervor. Nala Martin ist beides, Domina und Mutter. Sie ist auch Informatikerin und seit neuestem Autorin.

"Safeword" heißt ihr autobiografischer Debütroman, der Anfang August bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen ist. Darin geht es um eine Domina, die sich mit einem ihrer Stammgäste auf eine Wette einlässt, diese verliert und ihm deswegen hörig sein muss.

Nala Martin steht an einem Schauplatz, der auch im Buch vorkommt: zwischen ganz speziellem Mobiliar im BDSM-Domizil (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) in der Luruper Hauptstraße in Hamburg. Manchmal mietet sich die Domina hier mit ihren "Gästen" ein, so nennt sie ihre Kunden. Dort stehen etwa ein Strafstuhl, ein Strafbock, ein Käfig, ein Pranger oder eine Gynäkolgie-Liege für Klinikspiele. Im Gegensatz zu einem üblichen Dominastudio sei hier alles gut in die 70-Quadratmeter-Wohnung integriert, sagt sie und fügt hinzu: "Aber brauchen tu ich es nicht. Was mich privat betrifft, gibt es nichts, was man nicht mit einem soliden Rohrstock oder einer Bullwhip klären kann."

SM heißt Lust durch Schmerz

Schon als reifer Teenager erkannte Martin ihre sexuelle Neigung zum Sadomasochismus (SM). SMer sind Menschen, die Lust durch Schmerz, Macht oder Demütigung erleben wollen. Domina wurde Martin aus eher praktischen Gründen: Während des Studiums suchte sie einen Nebenjob, der Geld bringt und freie Zeiteinteilung bietet. Über eine Zeitungsannonce kam die junge Frau zu einem SM-Studio in Hamburg und wurde Domina. Mittlerweile betreut Martin nur noch Stammkunden, da ihr die Zeit für Neukunden fehlt. Auch weil sie sich um eine sechsjährige Tochter und einen eineinhalb Jahre alten Sohn kümmert.

Für Martin ist SM in unserer Gesellschaft schon salonfähig. "Es ist witzig, man liest immer von Vorurteilen, aber das kann ich nicht bestätigen", sagt sie. Recht gibt ihr der Erfolg der SM-Roman-Trilogie der schottischen Autorin Erika Leonard (Pseudonym: E.L. James) "Shades of Grey". Allein in den USA wurde sie mehr als 20 Millionen Mal verkauft, in Deutschland fand der erste Teil seit Erscheinen im Juli schon über 1,2 Millionen Leser. Auch für Matthias Grimme, Sprecher der Bundesvereinigung Sadomasochismus und Chefredakteur des SM-Magazins "Schlagzeilen", ist SM schon lange kein Tabuthema mehr. Dafür seien auch die Medien verantwortlich, sagt er, die einen "offeneren Umgang mit alternativen Formen der Sexualität fördern." Das ist auch richtig, findet er, denn: "Wir Sadomasochisten sind die letzten Romantiker in dieser auf Erfolg und Gewinn orientierten Welt." Dass Martin jetzt auch ein SM-Buch schreibt, habe mit dem Erfolg von "Shades of Grey" nichts zu tun, sagt die Hamburger Domina. "Das war reiner Zufall, ich hatte das Manuskript zu 'Safeword' bereits während der Schwangerschaft mit meinem Sohn geschrieben." "Schlagzeilen"-Chefredakteur Grimme empfiehlt "Safeword" zudem als "authentische Lektüre". Denn schließlich habe Martin selbst erlebt, was sie beschreibt. "Shades of Grey" ist hingegen Fiktion.

Sie verkauft keinen Sex

Das Wichtigste bei sexuellen Machtspielen, erklärt Nala Martin, sind die Grenzen. Sowohl die eigenen als auch die des Partners. Hier kommt das sogenannte Safeword ins Spiel, das jede SM-Handlung unterbrechen kann. Das Heikle an ihrem Roman: Das Paar verzichtet auf ein Safeword. Im richtigen Leben, sagt die Domina, würde es das nicht geben. Ihr Safeword lautet "Gnade". Wenn ein Kunde es benutzt, unterbricht sie zwar nicht gleich die ganze Sitzung, variiert aber. Statt Wachs gibt es dann eben Schläge mit dem Rohrstock.

"Ich bin keine, die sagt: Du musst dich hinknien, du musst den Boden küssen, du musst mir die Füße küssen und ich nenne dich Wurm", sagt sie. Sie bevorzuge das sexuelle Spiel auf Augenhöhe. Sie sei eher eine sadistische Spielerin, aber nicht die Herrin, wie sie dem klassischen Domina-Typ entspreche. Dieses Bild wird laut Martin vor allem durch die Medien geprägt. "Ich kann zwar auch befehlshaberisch sein und rumkommandieren, mache es aber auf eine charmante Art." Bei SM-Spielen, sagt Martin, stehe Sex nicht im Vordergrund. Bei vielen Dominas gebe es auch gar keinen. Martin macht das vom Kunden abhängig. "Wenn da ein Leckerstück steht, nehme ich das mit", sagt sie. Sie verkaufe keinen Sex, sondern nehme ihn sich, wenn sie ihn wolle. Ihr Lebensgefährte hat übrigens kein Problem mit ihrem Nebenjob. Und ihre sechsjährige Tochter und der kleine Sohn fragen noch nicht, womit Mama ihre Brötchen verdient, sagt sie und fügt hinzu: "Zum Glück."

Quelle: dapd/tat
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