15.08.12

Gamescom

Spielebranche setzt auf bewährte Klassiker

Mehr als 300 Neuheiten gibt es dies Jahr auf der Spielemesse zu sehen. Viele davon sind Fortsetzungen von bereits erfolgreichen Titeln. Besonders ein Ermüdungseffekt macht der Branche zu schaffen.

Foto: REUTERS

Gamescom-Besucher verkleidet als „Star Wars“-Charaktere: Klassiker stehen in der Spielebranche momentan hoch im Kurs
Gamescom-Besucher verkleidet als "Star Wars"-Charaktere: Klassiker stehen in der Spielebranche momentan hoch im Kurs

Die Spiele in London sind gerade beendet, da fangen in Köln bereits die nächsten Spiele an. Aber während in England bei Olympia reale Sportler um echte Medaillen gekämpft haben, wetteifern im Rheinland virtuelle Helden um die Gunst des Publikums.

Bis zum 19. August sind die Kölner Messehallen Austragungsort der Gamescom, der weltweit größten Messe für Computerspiele. Die Veranstalter und die gut 600 Aussteller erwarten dabei mehr als 275.000 Besucher. Für den Samstag (18. August) sind schon jetzt keine Tickets mehr zu bekommen – und das obwohl namhafte Aussteller wie Nintendo, Microsoft, THQ und Sega fehlen.

Viele Neuheiten sind Fortsetzungen

Zu sehen gibt es mehr als 300 Neuheiten. Viele allerdings sind Fortsetzungen altbekannter und erfolgreicher Titel: Teil zwei von "Call oft Duty: Black Ops" zum Beispiel, der dritte Teil von "Assasins Creed", "Crysis" und "Far Cry", bei der Städtebausimulation "Sim City" und dem Rollenspiel "World of Warcraft" ist es sogar schon der vierte Aufguss.

Eric Hirshberg, der Chef des amerikanischen Entwicklers Activision Blizzard, sieht darin allerdings nichts Verwerfliches. "Auch in diesen Spielen stecken unheimlich viele Innovationen", sagt der Manager im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Noch dazu haben sie den Vorteil, dass sie schon bekannt sind und dadurch die Aufmerksamkeit der Spieler garantiert ist. Das senkt das Risiko, heißt es in der Branche. Zumal die Produktion neuer Blockbuster zweistellige Millionenbeträge verschlingt. Firmen wie Activision Blizzard oder Electronic Arts (EA) fokussieren sich daher auf wenige Spiele.

Wurden früher 30 bis 40 Titel pro Jahr auf den Markt geworfen, sind es heute lediglich noch fünf bis zehn. Denn der Markt befindet sich im Umbruch. Smartphones und Tablet-Computer dienen heute genauso als Spielfeld wie Konsolen und PC. Darauf reagieren nun auch die Großen der Branche.

"Wir erhöhen unsere Investitionen, weil wir einen robusten Markt und eine unglaublich große Basis an Smartphones und Tablet-Computern sehen", sagt Activision-Chef Hirshberg.

Sony entwickelt Klassiker fürs Smartphone

Bei Sony wiederum haben die Verantwortlichen in der Vergangenheit noch die Nase gerümpft wenn es um Mobile Gaming ging. Der kleine Bildschirm und die unpräzise Steuerung per Touchscreen gehen gar nicht, hieß es damals. Nun werden die Japaner einige ihrer Spiele-Klassiker für das Smartphone herausbringen.

Ab Herbst soll der Dienst Playstation Mobile auf diversen Android-Geräten laufen. Aber auch Facebook ist mittlerweile eine Tummelplatz für Spieler. Alleine 60 Mitarbeiter kümmern sich um die Zusammenarbeit mit europäischen Spieleentwicklern, meldet das soziale Netzwerk am Rande der Entwicklerkonferenz GDC in Köln.

Vor einem Jahr seien es gerade zwei Mitarbeiter gewesen. Kaum verwunderlich also, dass die Gamescom dem Mobile Gaming in diesem Jahr erstmals einen eigenen Bereich gewidmet hat. Mehr Platz bekommen zudem auch die Online-Spiele, die seit einigen Jahren massiv Zulauf haben und qualitativ teils schon an Konsolenspiele heranreichen. In diesem Bereich sind insbesondere deutsche Hersteller stark.

Konsolen leiden unter Ermüdungseffekt

Bei den Konsolen- und PC-Spielen, die nach wie vor der größte Umsatzbringer der Branche sind, locken die Hersteller mit neuen Mehrspieler-Modi. Der Shooter "Medal of Honor" Electronic Arts ist zwar grafisch nicht weiter als das ein Jahr ältere "Battlefield 3". Dafür aber können Spieler im Zwei-Mann-Teamplay intensiver zusammenarbeiten.

Die Branche erhofft sich von der Gamescom einen Schub für das anstehende Weihnachtsgeschäft. Denn bislang sind die wirtschaftlichen Eckdaten eher durchwachsen. Der IT-Branchenverband Bitkom etwa rechnet für 2012 sogar mit einem Minus von 100 Millionen Euro auf dann 2,5 Milliarden Euro.

Als Begründung führt die Bitkom das Alter der aktuellen Konsolengeneration an: Denn Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Wii sind bereits seit etlichen Jahren auf dem Markt, dadurch ist ein Ermüdungseffekt eingetreten.

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