14.08.12

USA

Über 20 Menschen sterben an West-Nil-Fieber

In den USA sind bereits Hunderte Menschen daran erkrankt, Texas ist besonders betroffen. Das West-Nil-Virus greift um sich. Wegen des milden Winters droht eine rasante Ausbreitung des Erregers.

Foto: Getty Images/All Canada Photos
Das West-Nil-Virus wird von Moskitos übertragen und wurde erstmals 1937 bei einer erkrankten Frau im West-Nil-Distrikt von Uganda identifiziert
Das West-Nil-Virus wird von Moskitos übertragen und wurde erstmals 1937 bei einer erkrankten Frau im West-Nil-Distrikt von Uganda identifiziert

Alexander der Große soll daran gestorben sein, es gibt bis heute kein Impfmittel, und nach einem ausgesprochen milden Winter droht in diesem extrem heißen Sommer eine rasante Ausbreitung des heimtückischen Krankheitserregers in weiten Teilen der USA: Das West-Nil-Virus entwickelt sich dort neben Dürre und Hitze zur dritten großen Heimsuchung dieses Jahres.

Texas ist besonders stark betroffen. Das von Moskitos übertragene Virus kostete in diesem Jahr im "Lone Star State" bereits 15 Menschenleben – 2011 waren es nur zwei Todesfälle. Zudem wurden in Texas seit Jahresbeginn 351 Infektionen registriert. Louisiana verzeichnet bislang sechs Tote und 68 Erkrankungen, Mississippi einen Toten und 59 Infektionen. Am Dienstag wurde ein Todesfall aus North Carolina vermeldet. Dort starb ein Mann an dem Virus.

Auch in Pennsylvania, nördlich der Hauptstadt Washington D.C. gelegen, kam es zu Erkrankungen. Ein neunjähriges Mädchen, das Fieber und starken Brechreiz bekam, wurde ebenso positiv getestet wie eine Frau im Franklin County, die in Folge der Infektion an Hirnhautentzündung leidet.

80 Prozent der Infektionen ohne Symptome

Das Virus, das erstmals 1937 bei einer erkrankten Frau im West-Nil-Distrikt von Uganda identifiziert wurde und dadurch seinen Namen bekam, trat seit 1960 auch in mehreren europäischen Ländern in Erscheinung. In den Vereinigten Staaten tauchte er erstmals 1999 auf. Mutmaßlich gelangte eine mit dem Virus infizierte Mücke mit einem Flugzeug von Israel nach New York.

Vögel, die im Central Park tot von den Bäumen fielen, waren die ersten Vorboten der neuen Plage. Binnen einer Dekade breitete sich das West-Nil-Virus über die gesamten USA aus.

Bei Menschen und größeren Säugetieren bleiben bis zu 80 Prozent der Infektion ohne erkennbare Symptome. Aber insbesondere Kinder, Senioren, Schwangere und Menschen mit angegriffenem Immunsystem können ernsthaft oder gar tödlich erkranken. Kopfschmerzen, starke Übelkeit, Gliederschmerzen, Hautausschlag und geschwollene Lymphdrüsen gehören zu den häufigsten Anzeichen. Fieber und Hirnhauterkrankungen sind weitere mögliche Folgen.

Derzeit ist die Region um die texanische Metropole Dallas das Epizentrum der Ausbreitung. 2012 könnte "in Bezug auf das West-Nil-Virus das schlimmste Jahr aller Zeiten werden", fürchtet Christine Mann, Sprecherin des texanischen Gesundheitsministeriums.

Höchste Todesrate vor zehn Jahren

Vor exakt zehn Jahren, 2002, forderte der schwer zu bekämpfende Virus die bislang höchste Todesrate in den USA. Damals starben 284 Menschen. 2003 waren es 264 Tote. Erst ab 2008 war die Opferzahl nicht mehr dreistellig. Im vorigen Jahr wurden 43 Todesfälle auf das West-Nil-Virus zurückgeführt.

Übertragen wird die Krankheit in aller Regel durch Mücken und Moskitos. Vögel dienen dabei oft als Zwischenwirt: Sie werden durch den Stich eines Moskitos infiziert, und der nächste Moskito nimmt das West-Nil-Virus auf. Von dort kann er durch einen Stich weitergeben werden zu Pferden, Rindern, sogar Alligatoren oder Menschen.

Die regionalen Schwerpunkte der Infektion wechselten in den vergangenen Jahren zwischen Kalifornien an der Westküste (2005), Idaho im äußersten Norden (2006) und South Dakota, Nebraska und Colorado im mittleren Westen (2003). Und nun scheint der Süden an der Reihe: In Texas erlaubten die Behörden am Montag zum ersten Mal seit 50 Jahren das Versprühen von Insektiziden aus der Luft.

Nach Sonnenuntergang die Haut bedecken

Die Menschen in den betroffenen Regionen im Norden des Bundesstaates werden aufgefordert, sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Und überall, wo das Virus festgestellt wird, empfehlen Experten das Beherzigen bestimmter Grundregeln: Die Gefahr, von Moskitos gestochen zu werden, soll so weit wie möglich durch das Bedecken nackter Haut insbesondere ab Sonnenuntergang reduziert werden.

Stehendes Wasser im Garten, etwa Regen, der sich in Eimern oder Plastikplanen gesammelt hat, soll als beliebte Brutstätte für Moskitos ausgekippt werden. Außerdem wird die ausreichende Verwendung von Anti-Insekten-Sprays angemahnt.

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Gefährlicher Erreger
  • West-Nil in Europa

    Der Erreger breitet sich auch in Europa aus, vor allem östliche und südliche Länder sind betroffen. In Griechenland sind im Juli und August drei Menschen an der Krankheit gestorben. Weitere 44 sind schwer erkrankt. In den vergangenen Jahren ist das Virus außerdem in Rumänien, Russland und Albanien aufgetaucht. Die Zahl der Patienten in Europa ist seit dem Jahr 2000 stetig angestiegen. Da das Fieber bei weniger als einem Prozent der Betroffenen schwer verläuft, muss man davon ausgehen, dass allein in Griechenland mindestens 4000 Menschen krank waren, ohne es zu merken. Experten befürchten, dass sich der Erreger bis nach Deutschland ausbreiten könnte. In manchen Vogelarten vermehrt sich das Virus gut und kann über weite Strecken verschleppt werden.

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