14.08.12

"Stars Earn Stripes"

US-Prominente spielen Krieg in NBC-Show

Sprünge aus Helikoptern, sprengen, schießen: In der NBC-Show "Stars Earn Stripes" spielen Prominente Krieg. Für die Produzenten ist sie die "größte und gefährlichste Show, die je erfunden wurde".

Foto: NBC

Das sind die Kandidaten der neuen Serie "Stars earn Stripes": Tom Stroup, Andrew McLaren, Brent Gleeson, Grady Powell, Talon Smith, Dale Comstock, Chris Kyle, JW Cortes (v.l.n.r.).

6 Bilder

Amerikanische Prominente spielen Krieg mit scharfer Munition, um die US-Soldaten zu ehren, der frühere General Wesley Clark gibt den Kampfrichter und neun Friedensnobelpreisträger verlangen die Absetzung der Reality-Show: "Stars Earn Stripes" hätte sich für die Premiere am 13. August keine bessere Werbung kaufen können als den Protestbrief von Desmond Tutu und den übrigen Friedensnobelpreisträgern "gegen den Versuch, Krieg zu säubern und als Sportwettbewerb zu inszenieren".

In der neuen Sendung des amerikanischen TV-Senders NBC müssen acht Prominente militärischen Aufgaben bewältigen: aus Hubschraubern springen, sprengen und großkalibrige Waffen abfeuern.

Das martialische Treiben in "Stars verdienen ihre Streifen" sei "weder amüsant, noch unterhaltsam", meinen nun die Unterzeichner des Protestschreibens, darunter die Iranerin Schirin Ebadi und José Ramos-Horta, der frühere Präsident von Osttimor, "und es ist keine Hommage an irgendwen."

"Die gefährlichste Show, die je erfunden wurde"

Das sehen die Produzenten der Show, David Hurwitz, Mark Burnett und Dick Wolf, entschieden anders. "Stars Earn stripes" sei zwar "bei weitem die größte, gefährlichste Show, die je erfunden wurde", doch sei sie nichts anderes als "ein ungenierter Liebesbrief an die Männer und Frauen in Uniform".

Auch Wesley Clark, einst Nato-Oberkommandierender in Europa (1997-2000) und früh gescheiterter Präsidentschaftskandidat für die Demokraten (2004), beschwört zu Beginn der Premiere die lautersten Motive: "Ich mache diese Serie nur aus einem Grund: um die Amerikaner mit den Individuen bekannt zu machen, die so viel für uns alle opfern."

Die Gewinner des Kriegswettspiels spenden ihren Lohn in der Tat an Veteranenverbände. Und die US-Streitkräfte haben in Zeiten, da Kriegsmüdigkeit Soldaten wie Zivilisten zu schaffen macht, ein Rekrutierungsinstrument erster Güte.

Ehemann von Sarah Palin ballert mit

Das gilt allerdings nur, wenn man Todd Palin, den Ehemann der früheren Vize-Präsidentschaftskandidatin, den Ex-Sänger ("98 Degrees") Nick Lachey und Supermann-Darsteller Dean Cain für ideale Kandidaten hält, explosive Liebeserklärungen an die US-Streitkräfte abzugeben. Ihre physische Fitness immerhin wurde ausreichend getestet; die Konkurrenz ist sehenswert.

Unter den Mitbewerbern sind frühere Athleten wie die Skiläuferin Picabo Street, die Boxerin Laila Ali (Tochter von Muhammad Ali) und der Footballstar Terry Crews. Jeder dieser Zivilisten hat einen Partner, der einmal bei den Green Berets, Navy Seals, Delta Force oder Polizeieinheiten diente. Lauter toughe Rentner also, hart genug soll es dennoch sein.

Jack Osbourne (26), der Sohn des Rocksängers und samt seiner ganzen dysfunktionalen Familie hauptberuflich Realityshowstar, scheiterte bei der Musterung für "Stars Earn stripes". Was seine Mutter Sharon, im Brot bei "America´s Got Talent", dazu bewog, die Diskriminierung des an MS erkrankten Jack durch NBC zu beklagen. Bis die Friedensnobelpreisträger die Serie mit ihrem Protest beehrten, war Sharon Osbournes Wutgeschrei die lauteste Werbung für das Kriegsspiel.

Tränen vor der Steilwand

Naturgemäß hat die Show mit Krieg so viel zu tun wie ein Videospiel. Es mag hart für Terry Crews sein, mit 30 Kilogramm Ausrüstung aus einem Hubschrauber ins Wasser zu springen – er musste von seinem Partner vor dem Ertrinken gerettet werden -, doch geschossen wurde nicht auf ihn.

Überhaupt ballern die Stars nur in eine Richtung und lassen Sprengstoff nur in sicherer Entfernung hochgehen. Der Feind ist die Langweile, den Helden droht im Fall der Niederlage nicht Tod oder Verstümmelung, sondern die Absetzung.

Laila Ali kommen einmal die Tränen, als eine Steilwand ihr Angst macht: "Warum tue ich das eigentlich?", murmelt sie. Eine ausgezeichnete Frage. NBC hat die Antwort, auch an Kritiker wie Desmond Tutu: "Die Show ist keine Glorifizierung von Krieg, sondern eine Glorifizierung von Dienst (mit der Waffe)."

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