11.08.12

"Curiosity"-Landung

"Nicht gedacht, dass wir so große Steine aufwirbeln"

Faszination von Staub und Stein: Die ersten Fotos und Videos, die der Rover "Curiosity" vom Mars gesendet hat, zeigen eine fremde Welt. Nicht nur die Nasa schaut begeistert auf die Steinwüste.

Foto: dpa

Seit August liefert Curiosity Bodenproben, spektakuläre Fotos - zuletzt diese Panoramaaufnahme von der Marsoberfläche, die aus mehreren Bildern zusammengesetzt ist.

47 Bilder

Geschafft: Das technisch ausgefeilteste und mit zwei Milliarden Euro teuerste Gerät, das je zum Mars geschickt wurde, ist unbeschadet gelandet: Seit Montag sendet der Mars-Rover "Curiosity" Daten über Daten zur Erde. Und Millionen Menschen begeistern sich für diese neuen Eindrücke vom Mars.

Zwar entzückte das, was auf den ersten Bildern zu sehen war, wohl nur echte Fans – ein schwarz-weißer und ziemlich schwammiger Blick auf grobkörnigen Boden mit dem Schatten des Rovers. Doch mit jedem Arbeitstag des Marsroboters, mit jedem neuen Bild und Video, das er sendet, fasziniert diese ferne, fremde Welt uns mehr.

Von Tag zu Tag arbeiten die Kameras des Rovers besser, werden die Fotos schärfer und jetzt sogar auch farbig. Sie zeigen den Rand des Gale-Kraters, in dem "Curiosity" gelandet ist, und Bilder vom Rover selbst. Der Kraterboden, so die Forscher, scheine von Steinen bedeckt zu sein, die von den Hügeln am Kraterrand durch einst existierendes fließendes Wasser in die Ebene gespült wurden.

Panorama aus Einzelbildern

Auch harter Felsboden sei zu erkennen. Am Freitag gab es das erste farbige Panoramabild: "Curiosity" hatte 130 Einzelfotos gemacht und zu den Nasa-Forschern ins kalifornische Pasadena geschickt.

Sie setzten daraus den Rundumblick zusammen: Hinter einer Ebene erhebt sich eine hügelige Landschaft. Die Hügel sind rot, braun, schwarz und dunkelblau schattiert, was auf verschiedene Gesteinsarten hindeute.

Wie wenig die Forscher bisher über den Roten Planeten wissen, obwohl sich ja schon die Rover Pathfinder, Spirit und Opportunity durch die steinige Wüste mühten, zeigte sich an einem Selbstporträt von "Curiosity".

Auf dem Schwarz-Weiß-Bild sieht man viele Steine auf dem Gehäuse des Rovers. "Wir sehen relativ große Kieselsteine auf der Oberfläche des Roboters", sagte Nasa-Manager Mike Watkins. "Das ist zwar kein Problem für alles, was wir vorhaben, aber es hat uns sehr verwundert. Wir hatten nicht gedacht, dass wir bei der Landung so große Steine aufwirbeln würden."

Krater wärmer als gedacht

Die "Curiosity"-Daten werden nicht direkt zur Erde gesendet, sondern über Sonden, die um den Mars kreisen. Solange die Antennen und Instrumente an Bord des Rovers nicht alle vollständig in Betrieb genommen und mit Software aktualisiert sind, können Daten immer nur dann verschickt werden, wenn die Sonden gerade über dem Rover sind, sagte Nasa-Manager Andy Mishkin. "Wir schreiben jeden Tag neue Software-Programme, die dann auf dem Rover zum ersten Mal funktionieren müssen. Daran arbeitet unser Team etwa 16 Stunden am Tag." Knapp 1000 Computerbefehle würden jeden Tag zum Rover geschickt.

Die Wetterdaten, die "Curiosity" gefunkt hat, zeigen, dass es im Krater wärmer ist als gedacht. Das und der Umstand, dass der Rover bisher weniger Energie benötigt hat als kalkuliert, könnte seine geplante Lebensdauer von zwei Jahren verlängern. Viel Zeit also, in der "Curiosity" uns noch mehr, schärfere und überraschendere Fotos und Videos schicken wird. Damit sich unser Bild vom Mars weiter schärft.

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Die Arbeit von „Curiosity“
  • Was wird erforscht?

    Es um die Frage, ob auf dem Mars in früheren Zeiten Leben möglich gewesen ist. Vorherige Missionen haben bereits gezeigt, dass es im Boden des Mars wahrscheinlich noch immer Wasser gibt. Dieses mit dem mobilen Labor „Curisosity“ nachzuweisen, wäre ein Meilenstein beim Verständnis des Roten Planeten. Der Rover ist in dem 154 Kilometer großen Krater Gale gelandet, in dessen Zentrum sich der 5500 Meter hohe Berg Aeolis Mons erhebt. „Curiosity“ soll die Hänge diese Berges hochfahren und in verschiedenen Höhen Bodenproben entnehmen und analysieren. Die Forscher vermuten, dass die Kraterregion einst von einem Meer bedeckt gewesen sein könnte. Der Roboter soll auch nach Spuren von Kohlenstoff suchen. Dieses Element ist aus irdischer Sicht eine Voraussetzung für die Entwicklung von Leben.

  • Woher kommt die Energie für

    „Curiosity“ ist ein Elektrofahrzeug, das seinen Strom aus einem nuklearen Generator bezieht. Dabei wird die Hitze aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 in elektrische Energie umgewandelt. Die Plutonium-Batterie stellt rund 110 Watt elektrische Leistung bereit.

  • Waren deutsche Forscher betei

    Ja. Die Firma Sensitec aus Lahnau rüstete das Erkundungsgerät mit Sensoren zur Fahrwerkssteuerung aus. Mit Software von Siemens wurde Curiosity vor dem Bau digital entworfen und getestet. Forscher der Uni Kiel haben den „Radiation Assessment Detector“ gebaut. Bereits während der Reise zum Mars hat er die kosmische Strahlung und Teilchenstürme von der Sonne gemessen.

  • Wie teuer ist die Mission?

    Sie kostet rund 1,9 Milliarden Euro.

  • Wann wurde die Sonde gestartet

    „Curiosity“ wurde am 26. November 2011 mit einer Atlas-V-Rakete gestartet und war also über acht Monate unterwegs..

  • Wie lange dauert die Mission?

    Mindestens 98 Erdenwochen – also ein Marsjahr.

  • Wie viele Mars-Landungen gab

    Bislang waren von 14 Versuchen verschiedener Raumfahrtagenturen nur sechs erfolgreich.

  • Gab es europäische Marsmission

    Die erste und bislang einzige Reise starteten die Europäer im Juni 2003 mit dem „Mars Express“ – dem ersten europäischen Besuch eines anderen Planeten. Tatsächlich erreichte die „eilige“ Sonde sechs Monate später den roten Planeten. Sie kartografierte den Mars, suchte nach Wasser und analysierte seine mineralogische Zusammensetzung. Dadurch bestätigte sich, dass es auf der Südpolkuppe Wasser- und Kohlenstoffdioxid-Eis gibt. Noch sammelt Marsexpress Daten.

  • Sind weitere geplant?

    Auch die nächste Expedition ist geplant: Mit „Exomars“ will die Esa Gefahren für eine bemannte Marsexkursion auskundschaften. Aber das Projekt, das sich ursprünglich schon seit zwei Jahren im Weltraum befinden sollte, haftet bislang noch an irdischen Finanzhürden

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