Ermittlungen
Der Millionär, das Model und der Tod des Bierkönigs
2009 starb "Bierkönig" Bruno Schubert mit 90 Jahren. Jetzt greift die Staatsanwaltschaft ein und ermittelt gegen die 29 Jahre alte Witwe.
Geld, prunkvolle Anwesen, mächtige Freunde, rauschende Partys. Eine wohltätige Umweltstiftung, aber auch Porsche- und Pelzgeschenke für Prostituierte: Das Leben und Sterben des Frankfurter Biermagnaten Bruno H. Schubert bot schon bisher mehr Stoff und überraschende Wendungen als viele Vorabendserien.
Und nun erweist sich die Schöne, die der einstige Henninger-Besitzer im Sommer 2009 als 89-Jähriger geheiratet hatte, womöglich auch noch als Biest. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass schon seit Ende Mai aktiv gegen die 29-jährige Witwe des Ehrenbürgers von Frankfurt/Main ermittelt wird.
Schubert war im Oktober 2010 kurz vor seinem 91. Geburtstag gestorben. Untersucht wird, ob Meharit Schubert, ein äthiopisches Model mit belgischem Pass, ihren Mann womöglich hat verdursten lassen. "Unterlassene Hilfeleistung", lautet der Anfangsverdacht.
Meharit hatte ihren kranken Mann zu Hause gepflegt, obwohl der Senior, wie Schuberts Sohn Hanns Peter Nerger später aus Dokumenten erfuhr, ausdrücklich verfügt hatte, ihn, wenn nötig, in einem Krankenhaus mit allen denkbaren Maßnahmen zu behandeln. Weil zudem Schuberts Assistentin in den letzten Wochen des Sterbenden ein Tagebuch führte und darin wiederholt Verwunderung über dessen Dehydrierung vermerkte, hatte schließlich Nerger Anzeige erstattet. "Was hat Herrn Schubert nun sein Geld genutzt, wenn er am Ende nicht einmal genug Wasser bekommt?", hatte die Sekretärin an einem Abend notiert.
Meharit Schubert, die einen kleinen Sohn mit in die Ehe gebracht hatte, hatte daraufhin ein skurriles Video im Internet veröffentlicht: Es zeigte, wie sie ihren Mann am Krankenbett betreute, ihm die Stirn abtupfte, ihm zu trinken gab und, begleitet von einer Fachpflegerin, seine letzten Tage überwachte. Das Video sollte belegen, wie hingebungsvoll sich die Belgierin angeblich um ihren greisen Ehemann gekümmert hatte. Meharit gab zu Protokoll, ihr Mann habe die Aufzeichnung selbst vorgeschlagen, um sie nach seinem Tod vor Angriffen Böswilliger zu schützen.
Staatsanwaltschaft startet Ermittlungen
Dennoch hatte die Staatsanwaltschaft nach einigem Zögern begonnen zu ermitteln, zunächst gegen unbekannt. Vor drei Monaten dann die Sensation: Der Leichnam wurde exhumiert. Eine Sprecherin betonte allerdings, Meharit gelte weiterhin nur als Zeugin. Ende Mai wurde das Verfahren aber still und leise in eine Ermittlung gegen die Frau verändert, wie die "Bild"-Zeitung erfuhr. Ob erste Ergebnisse der Obduktion dazu beigetragen haben, will die Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Klar ist nur, dass das endgültige Gutachten noch aussteht. Ergebnisse würden nicht vor September erwartet, hieß es.
Eine Exhumierung ist recht selten, zumal bei einem derart prominenten Toten wie Bruno Schubert. In der Strafprozessordnung ist vorgeschrieben, dass der Körper nach einer Exhumierung von zwei Ärzten oder Rechtsmedizinern gesichtet werden muss. Die Untersuchung selbst ist bei einem Menschen, der bereits anderthalb Jahre im Grab lag, schwierig, und es ist mitnichten sicher, dass sich überhaupt noch etwas nachweisen lässt, selbst wenn der Tod nicht unter normalen Bedingungen eintrat. Unter anderem werden einzelne Organe präpariert und Proben entnommen. Damit werden unter Umständen dann feingewebliche und chemisch-toxikologische Untersuchungen angestellt, um Medikamente, Drogen oder Gifte aufzuspüren.
Im Fall von Bruno Schubert versuchen die Ärzte zu klären, ob sich tatsächlich Hinweise auf einen Flüssigkeitsmangel ergeben, womöglich auch auf die Abwesenheit von wichtigen Medikamenten, die dem Sterbenden vorenthalten worden sein könnten. Laut Staatsanwaltschaft sind diese Untersuchungen aufwendig und langwierig.
Weder bestätigen noch dementieren wollte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel, ob sich die Ermittlungen auch gegen den Hausarzt und den Anwalt des Verstorbenen richten, wie "Bild" berichtet. Die Männer wussten angeblich nichts von den Ermittlungen gegen sie.
Wer bekommt das Geld des Bierkönigs?
Im Kern geht es natürlich auch um Geld und die Frage, wer es erbt – Schuberts Witwe oder, wie ursprünglich vereinbart, seine 1984 gegründete Umweltstiftung. Vor Gericht wurde bereits heftig gestritten, und bisher ging stets Meharit Schubert als Gewinnerin hervor. Jetzt liegt die Zivilklage beim Bundesgerichtshof, nachdem auch das Oberlandesgericht zugunsten von Meharit entschieden hatte.
Schubert hatte die damals 24-Jährige angeblich in einem Frankfurter Restaurant kennengelernt, wo sie kellnerte. Ende Juli 2009, nur Monate nach dem Tod seiner Ehefrau, heiratete Schubert die Belgierin dann. Ziemlich bald sei er nicht mehr für Freunde erreichbar gewesen, habe sein Personal entlassen und seltsame Entscheidungen getroffen, monierte Sohn Nerger, welcher der Umweltstiftung vorsteht. Tatsächlich klagte Schubert bald gegen seine eigene Stiftung, um für seine Frau und seinen neuen Anwalt einen Platz im Stiftungsvorstand zu erzwingen.
Als er im Oktober 2010 starb, war längst das Testament so geändert, dass das gesamte Erbe Meharit statt der Stiftung zufallen sollte. Ungewiss ist allerdings, ob nach Schuberts lustvollem Lebenswandel noch Vermögen übrig ist. Ein Insolvenzverwalter sucht derzeit nach mehreren Millionen Euro. Zahlreiche Gläubiger und das Finanzamt warten auf ihr Geld.


















